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Gegner der Corona-Maßnahmen in Saarbrücken sagen Kundgebung aus Furcht vor Gewalt ab

Kostenpflichtiger Inhalt: Wegen geplanter Gegendemo : Demo gegen Corona-Maßnahmen von Veranstalter abgesagt

Aus Angst vor Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten haben die Organisatoren die für Samstag geplante Corona-Demo abgesagt.

Der Enthusiasmus der vorherigen Wochen ist erst einmal vorbei. Hatten sich die Gegner der Corona-Maßnahmen jüngst noch erfreut über den wachsenden Zulauf gezeigt, so sagten die Veranstalter die für Samstag geplante Kundgebung am Staatstheater in Saarbrücken nun ab. Grund dafür sind laut Anmelderin Marion Ritz-Valentin die jüngsten Ereignisse in Stuttgart, wo mehrere Teilnehmer einer Corona-Demo von Unbekannten verletzt wurden, sowie eine geplante Gegendemonstration, zu der mehrere Gruppen und Vereine, wie etwa Blockade Saar, Omas gegen Rechts, aber auch das FriedensnetzSaar aufgerufen haben.

Dass die Gegenkundgebung für genau denselben Ort und für dieselbe Zeit angemeldet wurde, wertet Ritz-Valentin auf Anfrage unserer Zeitung als „gewollte Konfrontation.“ Da man sich auch hierzulande von Ereignissen wie in Stuttgart bedroht fühle und einen „gewalttätigen Konflikt“ mit den Gegendemonstranten vermeiden wolle, habe man sich auf Anraten der Polizei dazu entschlossen, die Kundgebung am Samstag abzusagen. Ob darüber hinaus noch weitere Kundgebungen geplant seien, könne sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. In einer Videobotschaft auf Facebook warf die Künstlerin aus Saarbrücken darüber hinaus den Medien Hetze gegen die Menschen vor, die gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen auf die Straße gehen. Diese würden als „Spinner, Esoteriker, rechtsnationale Verschwörungstheoretiker oder Aluhutträger“ verunglimpft werden. „Diese Hexenjagd führt zu nichts gutem und ist gefährlich“, sagt sie.

Thomas Hagenhofer, Co-Sprecher beim FriedensnetzSaar, widerspricht der Darstellung Ritz-Valentins. Keinesfalls wolle man einen gewalttätigen Konflikt. Nichts würde dem FriedensnetzSaar und den anderen Gruppen ferner liegen, so Hagenhofer. Die Reaktion auf die geplante Gegenkundgebung wertet er als ein „typisches Flüchten in die Märtyrer-Rolle, um die Anhänger bei der Stange zu halten.“

Zuvor hatte das FriedensnetzSaar in einem Kundgebungs-Aufruf den Gegnern der Corona-Maßnahmen eine mangelnde Abgrenzung zu Rechtsradikalen und Anhängern von Verschwörungsmythen vorgeworfen. Dadurch würden Verschwörungsideologien und Neonazis, sowie der damit verbundene Antisemitismus wieder salonfähig gemacht werden. Zudem warf man den Veranstaltern der Corona-Demo das Betreiben einer „Querfront“ vor. Für so etwas sei man als „antifaschistisch orientiertes Friedensnetzwerk nicht zu haben“, wie Thomas Hagenhofer betont. Man habe über mehrere Jahre gerade die Erfahrung gemacht, dass „Gruppen, die sich reflexhaft nach links abgrenzen“, oft von Rechten vereinnahmt würden.

Auch wenn sich die Veranstalter der Corona-Proteste in Saarbrücken öffentlich klar von Rechtsextremen und Verschwörungsideologen distanziert haben, in den sozialen Medien oder auf der Plattform Telegram lassen sich in Gruppen wie den „Corona Rebellen Saarland“ zahlreiche Belege für Hagenhofers Kritik an den Corona-Demos finden. Dort werden nicht nur regelmäßig Reichsbürgerinhalte und verschiedene Verschwörungserzählungen geteilt, sondern auch immer wieder die Corona-Pandemie selbst geleugnet. So behauptet ein Nutzer etwa, dass Covid-19 nur ein Vorwand wäre, „um aus unseren gesamten Planeten ein kommunistisches Konzentrationslager zu machen!“ Und auch die Veranstalter der Corona-Demo in Saarbrücken sahen sich zuletzt der Kritik ausgesetzt, in einer ihrer Reden Verschwörungsmythen zumindest zu bedienen (wir berichteten ebenfalls).

Obwohl die Gegner der Corona-Maßnahmen ihre Kundgebung vor dem Staatstheater vorerst abgesagt haben, an ihrer eigenen Demonstration halte das FriedensnetzSaar weiterhin fest, sagt Thomas Hagenhofer. Man wolle am Samstag vor allem ein Zeichen der Solidarität für die Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitswesen, der durch die Corona-Krise belasteten Familien, Künstlern und Kleinunternehmern, sowie den am Coronavirus erkrankten Menschen setzen.