Serie Menschen im Regionalverband: Geflügelzucht hält Ensheimer jung

Serie Menschen im Regionalverband : Geflügelzucht hält Ensheimer jung

Helmut Bauer (70) kümmert sich seit seiner Jugend um das Wohlergehen seiner gefiederten Schönheiten. Mit Erfolg.

Genau so entspannt wie Helmut Bauer war am Freitagabend sein Hahn, der sich ganz ruhig auf seinem Arm streicheln ließ. Den ganzen Tag über hatten Bauer und die Mitglieder des Rassegeflügel-Zuchtvereins (RGZV) Ensheim die Sporthalle des Dorfes für ein großes Ereignis zurechtgemacht.

An diesem Samstag und Sonntag ist in der Halle eine Lokalschau und die Kreis-Ziergeflügelschau. Helmut Bauer und sein prächtiger Hahn machen auch mit. Der 70-Jährige ist seit 25 Jahren der Vorsitzende des Vereins und mit Geflügel sowie vielen weiteren Tieren von Kindesbeinen an vertraut.

„Früher lebten sogar ein Rehbock und ein Fuchs  bei uns im Garten. Wir hatten beide mit der Flasche aufgezogen, und sie wollten bei uns bleiben“, erzählt der Ur-Ensheimer. Bauer ließ sich bereits mit 14 Jahren in die Verantwortung für die Geflügelzucht nehmen.

„Damals fuhren mein Opa und ich nach Brebach an den Bahnhof und holten einen Hahn und fünf Hennen ab. Ich weiß das noch ganz genau. Damals habe ich angefangen, mich für die Sache richtig zu interessierten“, blickt der Ensheimer 56 Jahre zurück.

Er eiferte dem Großvater in vielem nach. Auch bei der Berufswahl. Bauer entschied, sich seinen Lebensunterhalt als Fahrlehrer zu verdienen.

Das Hobby, die Geflügelzucht, nimmt seit je her sehr viel Zeit in Anspruch, weil Bauer sich richtig um seine Hühner kümmern möchte. „Ich mache das zusammen mit meinem Bruder Hermann. Wie sind täglich etwa zwei bis drei Stunden bei den Tieren. Samstags sind es sechs Stunden, dann machen wir alle Ställe gründlich sauber“, erzählt der 70-Jährige.

Helmut und Hermann haben zusammen 21 Hühner. Hinzu kommen Tauben, Goldfasane, Rebhühner und Wachteln. Am Sonntag werden in der Ensheimer Halle mehr als 100 Tiere ausgestellt und bewertet. Preisrichter überprüfen die Gesundheit der Tiere und vor allem das Aussehen.

Anschließend entscheiden die Juroren, wer die Schau der gefiederten Schönheiten gewonnen hat.

Helmut Bauer ist schon aus vielen solcher Tierschauen als Sieger hervorgegangen und war sogar schon einmal Saarlandmeister. „Man muss die Tiere schon ein bisschen hübsch machen. Die Füße müssen sauber sein, und auch der Kamm muss sitzen“, sagt der leidenschaftliche Geflügelzüchter.

Zu seinem Bedauern ging es früher nicht immer mit rechten Dingen zu. „Es gab Zeiten, da haben einige die Beine der Hühner mit Jod eingerieben, damit sie besonders gelb erscheinen und einen hübschen Eindruck hinterlassen sollen. Leider hatten später die Preisrichter die gelbe Farbe an den Händen. Und so stand bei einer Bewertung eines Züchters von außerhalb mal auf seiner Karte: Gemalt wird erst am Ostern“, erinnert sich Helmut und muss dabei lachen.

16 Mitglieder des RGZV haben am Freitag alles allein aufgebaut und schauen auch am Samstag und Sonntag nach dem Rechten. Die Zahl der Aktiven ist wie bei vielen Vereinen stark gesunken. „Unser Verein wurde 1925 gegründet und hatte in seiner Blütezeit mehr als 50 Mitglieder. Damals hatten aber viele Menschen in Ensheim noch ihre eigenen Nutztiere. Heute hält kaum noch jemand Hühner in Ensheim“, sagt der 70-Jährige. Er gibt mit seiner Mannschaft aber nicht auf und lebt für sein Hobby so lange es nur geht.