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Gewalt im Straßenverkehr
Gefährliche Duelle im Feierabendverkehr

Kampfplatz Autobahn: Auch auf der saarländischen Hauptverkehrsader, der A 620, verzeichnet die Polizei deutlich mehr Auseinandersetzungen – bis hin zu haarsträubenden Bremsmanövern und offener Gewalt.
Kampfplatz Autobahn: Auch auf der saarländischen Hauptverkehrsader, der A 620, verzeichnet die Polizei deutlich mehr Auseinandersetzungen – bis hin zu haarsträubenden Bremsmanövern und offener Gewalt. FOTO: dpa / Marcus Führer
Saarbrücken. Drei Zeugen schalten nach schwerem Zwischenfall auf der A 620 sofort die Polizei ein. Sie findet die Verdächtigen. Jetzt ist der Staatsanwalt am Zug.

Für die Polizei in Alt-Saarbrücken steht fest: Bei diesem Duell auf der Autobahn 620 trennten nur ein paar Meter Täter und Unschuldige von einem Unglück. Mitten im Feierabendverkehr auf der saarländischen Hauptverkehrsader, einer der am stärksten befahrenen Autobahnen in Südwestdeutschland. Die Akten sind jetzt bei der Staatsanwaltschaft. „Wir ermitteln gegen beide Fahrer wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr beziehungsweise wegen Gefährdung des Straßenverkehrs“, sagt Mathias Biehl. Der Erste Polizeihauptkommissar leitet den Ermittlungs- und Servicedienst der Polizeiinspektion am Ludwigsplatz. Und er betont, dass natürlich das Gericht entscheidet, ob und wie die Vorfälle auf der A 620 vom 22. September zu ahnden sind.


So fassen die Ermittler das Geschehen zusammen: Es ist ein Freitag gegen 19 Uhr. Der Skoda Octavia RS, gesteuert von einem 49-Jährigen, fährt auf dem Standstreifen unter der Wilhelm-Heinrich-Brücke in Richtung Mannheim. Der Wagen zieht mit etwa 100 Kilometern pro Stunde in dieser engen 60er-Zone zwischen einem vor ihm fahrenden Lastwagen und einem folgenden Pkw nach links. Und zwar gleich durch bis auf die Überholspur. Dort setzt er sich vor einen Einser-BMW, am Steuer ein 26-Jähriger.

„Das Manöver des Skoda-Fahrers lässt drauf schließen, dass der so etwas nicht zum ersten Mal gemacht hat“, sagt Mathias Biehl. Er nimmt an, dass die beiden Fahrer am 22. September schon vorher irgendwo aneinandergeraten waren und der Konflikt dann auf Saarbrücker Gebiet eskalierte – bis hin zu Schlangenlinien sowie waghalsigen Ausbrems- und Überholmanövern. Schließlich verschwinden die beiden Autos Richtung Mannheim.



Aber das Duell auf dem Asphalt hat sich vor Zeugen abgespielt. Vor guten Beobachtern, wie die Polizisten in Alt-Saarbrücken betonen. Es sind die drei Insassen jenes Autos, vor dem der Skoda unter der Wilhelm-Heinrich-Brücke von rechts auf die Fahrbahn gerast ist. Die drei wollen, dass dieses Verhalten Konsequenzen hat. Das ist auch den Polizisten vom Ludwigsplatz wichtig.

Denn ein Pistenduell wie das vom 22. September ist inzwischen beileibe kein Einzelfall mehr. Ein weiteres drastisches Beispiel listet die Polizeistatistik vom 20. April auf. Schauplatz ist an diesem Tag gegen 12.30 Uhr in Höhe des Messegeländes ebenfalls die A 620. Dort zieht ein Auto an einem Lastwagen vorbei.

Der Pkw-Fahrer (28) wechselt auf die rechte Spur und bremst kurz vor der Malstatter Brücke bis zum Stillstand. Auch der Lastwagen, gesteuert von einem 26-Jährigen, muss deshalb stehen bleiben. Ein Mann steigt aus dem Pkw, hält einen Teleskop-Schlagstock, beschimpft den Lkw-Fahrer und haut mit dem Schlagstock eine Delle ins Blech. Dann fährt er davon. Eine Kamera im Lastwagen hat alles gefilmt.

Solche Bilder gibt es vom September-Vorfall nicht. Die Polizei stützt ihre Ermittlungen vielmehr auf die Aussagen der drei Zeugen. Sie haben kurz nach den Autobahn-Jagd­szenen den Notruf 110 gewählt. Und vor allem haben sie die Kennzeichen beider beteiligten Wagen parat. Mathias Biehl sagt: „Das Kennzeichen ist das A und O. Denn die Autonummer ist für uns eines der wichtigsten Hilfsmittel, um in solchen Fällen weiterzukommen.“