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Gänsekeule aus dem Home-Office

Serie Gudd Gess in der Corona-Krise, Teil 6 : Gänsekeule aus dem Home-Office

Die Saarbrücker Stiefel-Gastronomie bietet Klassiker zum Abholen und Fertigkochen an.

Wir schreiben das Jahr 1702. In Saarbrücken gründet Johann Daniel Bruch eine Brauerei. Im Nebengebäude hat der Schuster Nickel Kiefer gerade ein Gasthaus eröffnet, das er „Zum Stiefel” nennt. Und dann verliebt sich seine schöne Tochter in Daniel Bruch. Das ist der Ursprung der Brauerfamilie Bruch und der Stiefel-Gastronomie. Die bestehen bis heute – inzwischen in der neunten Generation. In der Landeshauptstadt und weit darüber hinaus sind die Häuser der Stiefel-Gastronomie von Geschäftsführer Thomas Bruch beliebte gastronomische Institutionen. Dazu zählen das Gasthaus Zum Stiefel und die Gasthausbrauerei Stiefelbräu am St. Johanner Markt, die Tabaksmühle in St. Arnual und als „Halbschwester“ das Restaurant Undine an der Saar.

Eine stolze Gastronomie-Tradition – und die ist derzeit ernsthaft in Gefahr. „Wir brauchen jetzt sofort Hilfe“, stellt Charlotte Bruch, Assistenz der Geschäftsführung, unmissverständlich klar. Ein Unternehmen in dieser Größenordnung mit gut 30 Festangestellten könne „nach dem zweiten Berufsverbot innerhalb eines Jahres“ ohne staatliche Unterstützung nicht überleben. Die versprochenen Gelder müssten sofort fließen, erklärt die Hotelfachfrau, die in Lausanne studiert und unter anderem in Nizza und Abu Dhabi berufliche Erfahrungen gesammelt hat. Eine vorgesehene Abschlagszahlung von 10 000 Euro sei viel zu wenig, „die Verzögerung in den Auszahlungen bringt uns und viele Kollegen in die Bredouille.“

Die Mitarbeiter, die zum Teil viele Jahre im Hause sind, Küchenchefin Johanna Skowranek zum Beispiel seit dem 1. Mai 1992, würden bislang super mitziehen. Aber die Einbußen seit Mitte März seien enorm. „Doch wir müssen die Fahne hochhalten“, so Charlotte Bruch. Deshalb habe man sich jetzt im November dazu entschlossen, einen Außer-Haus-Service anzubieten: „Home-Office“ – Stiefel-Spezialitäten für Zuhause. So gibt es jetzt einige der Lieblingsgerichte der Stiefel-Besucher vakuumverpackt für die Zubereitung zuhause. Einige Produkte (Gänsekeule, Kartoffelrösti) werden am besten im Backofen bei Umluft zubereitet. Die meisten Speisen werden im Wasserbad erwärmt, wir haben es erfolgreich ausprobiert. Auf der Homepage finden Interessierte das Angebot, zum Beispiel Rote Bete Suppe (7,50 Euro), die knusprige Gänsekeule mit aromatischem Bratenjus und zwei Beilagen (18 Euro), herzhafte Gefillde mit leckerer Speckrahmsauce und Sauerkraut (13,80 Euro); Brauers Rindsragout mit Wurzelgemüse und dunklem Bier geschmort 16,50 Euro), Pikante Lyonerpfanne mit Champignons, Zwiebeln und dunkler Sauce (11,50 Euro) oder Veganes Curry aus buntem Gemüse, Linsen, Ingwer, Chili und Kokosmilch. Sehr lecker fanden wir das Dessert: Hausgemachter Schokokuchen mit Omas Gewürzweckkirschen (6,50 Euro). Für Weihnachten wird es ein spezielles Angebot geben.

Nach vorheriger Bestellung (montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr) per Mail oder Telefon können die Gerichte im Stiefel Bräu abgeholt werden: Montag bis Donnerstag, 12 bis 14 Uhr, Freitag und Samstag, 14 bis 18 (ab 4. Dezember 12 bis 18) Uhr. Tel. (06 81) 93 64 50.

Seit 1992 im Stiefel am Herd: Küchenchefin Johanna Skowranek. Foto: Thomas Reinhardt

www.der-stiefel.de