Gabriele Langenstein und die Daarler Schatzkammer in St. Arnual

Porträt : Erfinderin der Daarler Schatzkammer

Mit 61 machte Gabriele Langenstein ihr Hobby zum Beruf und wurde Antiquarin. Ihr Laden wurde zur Institution.

Eine Uhr aus dem 19. Jahrhundert hängt an der Wand und verbreitet mit ihrem Ticken dieses heimelige Gefühl von früher. Altes Porzellan steht auf Tischen und in Regalen. An der Decke hängen ausgefallene Lampen. Neben einer historischen und handbemalten Vase aus China steht eine originelle Blumenvase aus Deutschland, die erst fünf Jahre alt ist. An der Wand hängen moderne Grafiken und Gemälde aus vergangenen Tagen – es ist so richtig gemütlich in der Daarler Schatzkammer in St. Arnual.

Viele sagen, es sei genau wie damals bei der Oma im Wohnzimmer. Ein Kompliment, das Gabriele Langenstein zwar mag, sie sagt aber: „Ich habe ja nicht nur alte Sachen. Ich stehe einfach auf alles, das ausgefallen und irgendwie anders ist.“

Die 73-Jährige hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Ein Beruf, von dem sie selber sagt: „Damit kannst du kein Geld zum Leben verdienen. Aber ich mag die Zeit hier und die Gespräche mit den Menschen. Im Prinzip ist die Schatzkammer ein Treffpunkt.“

1984 zog die gebürtige Bayerin nach St. Arnual, wo sie bis heute lebt. Sie war 16 Jahre lang Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat und arbeitete danach freiberuflich als Soziologin. Mit 61 Jahren folgte der Schlussstrich. „Ich wollte einfach was anderes machen. Ich hatte genug von dem, was ich bislang gemacht hatte“, sagt die Hobby-Antiquarin, die sich schon immer für alte oder ausgefallene Sachen interessierte. Sie eignete sich so viel Wissen an, dass Freunde und Bekannte bei Haushaltsauflösungen immer fragten, ob gewisse Sachen noch einen Wert hätten oder in den Müll könnten.

„Ich war dann ein paar mal vor Ort und habe mir die Sachen angesehen, die in den Müll sollten. Da waren richtige Schätze dabei, und ich spürte sofort, dass ich da was unternehmen musste“, erzählt Gabriele Langenstein. Also sammelte sie die alten Schätze und ging regelmäßig damit zu Flohmärkten. „Das war sofort meine Welt. Ich traf viele Menschen, die das gleiche Hobby hatten, und es war eine ganz tolle Zeit.“

Allerdings wurde Langenstein das Kistenschleppen irgendwann zu anstrengend, und sie suchte eine ganzheitliche Bleibe für ihre Schätze. Ein Zufall wollte es, dass in St. Arnual ein Ladenlokal frei wurde, und der Eigentümer von der Schatzkammer-Idee angetan war. Das ist in diesem Jahr genau zehn Jahre her. Eine Zeit, die Langenstein komplett ihrem Hobby widmete.

Ein Hausbesitzer fand ein altes Gemälde im Keller und wollte es wegwerfen. „Es war ein Ölgemälde von dem Saarbrücker Künstler Erich Buschle aus dem Jahr 1935. So etwas darf doch nicht in den Müll“, sagt die St. Arnualerin, die das Gemälde mitnahm und in ihrer Schatzkammer aufhängte.

Eine Frau kam eines Tages vorbei und gab zehn Holznashörner aus Uganda ab. Ein Mann brachte Schmetterlinge aus Madagaskar und Australien.

Einmal sei ein Theatermacher aus Norddeutschland durch Zufall bei ihr  vorbeigekommen und habe sich in einen 100 Jahre alten Damenstrohhut verliebt, den er unbedingt für sein neues Stück brauchte. „Wir unterhielten uns lange. Es war eine tolle Begegnung, und das macht das Ganze hier ja auch aus. Nicht nur die alten Sachen“, sagt Gabriele Langestein.

Wie lange die 73-Jährige ihr Hobby der Öffentlichkeit noch zur Schau stellt und in den etwas anderen Treffpunkt in Saarbrücken einlädt, weiß sie nicht. „Da mache ich mir keinen Kopf drum. Ich würde spontan mal sagen, so lange es mir Spaß macht“, sagt die Antiquarin.

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