Fußballfans treffen sich zum Finale der Champions League im Gasthaus

Zum Fußball schauen ins Lokal : Hier sind die „Kloppo“-Fans deutlich in der Mehrheit

Im Caffeo am Saarbrücker Landwehrplatz herrscht gute Stimmung beim Champions-League-Finale. Nur ein Zuschauer tippt den 2:0-Sieg von Liverpool.

Der erste richtig laue Sommerabend, die Bundesliga-Saison ist längst beendet – da wäre es doch Zeit gewesen, mal einen Samstagabend ohne Fußball zu verbringen. Aber halt, ein Spiel fehlte ja noch im Saisonkalender, das Champions-League-Finale. Und das hatte auch für den deutschen Fußballfan seinen Reiz – wegen Trainer Jürgen Klopp, genannt Kloppo. Zum ersten Mal überhaupt war das Finale nicht im Free-TV zu sehen. Also zog es viele Saarbrücker in die Kneipe Caffeo am Landwehrplatz. Sowohl drinnen als auch draußen verfolgten die Fans das letztlich laue Finale zwischen Klopp-Verein Liverpool und Tottenham Hotspur. Einer von ihnen sogar im roten Trikot der siegreichen Mannen von der Anfield Road in Liverpool.

Stefan Willié ist Bayern- und Liverpool-Fan gleichzeitig, wobei er sagt, dass er beim direkten Duell dann doch zu den Bayern gehalten habe. Im Caffeo ist Willié Stammgast, sein Tipp vor dem Spiel lautet 3:1 für Liverpool. Auch Dominik Ruppenthal ist für Liverpool – wegen Jürgen Klopp. In die Kneipe am Landwehrplatz kommt er, weil es dort nicht so voll sei wie in manchem Lokal in der Innenstadt. Werner Maurer, Bayern-Fan, hofft ebenfalls darauf, dass Jürgen Klopp endlich mal die Champions League gewinnt.

All diese Wünsche gehen am Ende in Erfüllung, doch nur einer hat auch das Ergebnis, 2:0 für Liverpool, richtig getippt: Martin Bentz, der gekommen ist, weil das Spiel nicht im kostenfreien Fernsehen kam, was er als „Katastrophe“ bezeichnet.

Als einziger schwimmt Rolf Jacob gegen den (Kloppo-)Strom: „Ich bin für Tottenham, ganz klar. Weil ich den Klopp nicht leiden kann. Der springt wie ein Rumpelstilzchen an der Außenlinie herum, der bleckt die Zähne, der greift den Schiedsrichter an, der ist sich nicht zu blöd, irgendwelche doofe Werbung im Fernsehen zu machen. Ist mir völlig unsympathisch, der Mann.“ Mit dieser Ansicht findet er an diesem Abend allerdings keine Gleichgesinnten.

Als zu Spielbeginn der Laden brummt, ist Vasilis Plakias in seinem Element. Zusammen mit seiner Tochter Katharina schmeißt der gebürtige Grieche den Laden. „Das ist mein Training, das Rein- und Rauslaufen“, sagt er, lacht – und bringt eine Runde Bier nach draußen. Das Caffeo sei keine reine Fußballkneipe, sagt er. Aber er sei stolz darauf, dass er in Saarbrücken das Fußballgucken „salonfähig“ gemacht habe. „Ich habe versucht, Fußball mit Niveau anzubieten. Es waren hier auch schon immer Frauen dabei. Das war anfangs nicht so einfach, wenn Leute von anderen Kneipen hier reinkamen.“ Wenn sich dann jemand daneben benahm, bekam er eine Ansprache von Plakias. Das ist spürbar während der Übertragung, denn es herrscht eine angenehm entspannte Atmosphäre.

Wenn Sprüche fallen, dann harmlose wie „Und so einer verdient 15 Millionen im Jahr“ oder „Mein lieber Mann, spielen die einen Scheißfußball“. In der Tat bemängeln am Ende alle das mäßige Niveau des Finales. Aber fast alle freuen sich mit Jürgen Klopp, dass er es endlich geschafft hat, mit Liverpool einen Titel zu gewinnen.