Fußball-Rivalität kann sehr unterhaltsam sein

Lesung in Saarbrücken : Fußball-Rivalität kann unterhaltsam sein

Der eine ist Fan des FCS, der andere drückt dem FC Homburg die Daumen. Beide haben ein Buch geschrieben und kamen zur Lesung nach Saarbrücken.

Wenn am 6. April die „Louischer“ aus dem Ludwigspark auf die „Westpälza“ aus dem Waldstadion treffen, werden das noch die harmloseren Schmährufe sein, die sich die Fußballfans des 1. FC Saarbrücken und des FC Homburg an den Kopf werfen. Dass die beiden Ex-Bundesligisten nun in der Regionalliga spielen, macht keinen Unterschied. Jeweils 111 Gründe, den eigenen Verein zu lieben, haben Carsten Pilger für den FCS und Roland Röder für den FCH zusammengetragen und in gleichnamigen Büchern veröffentlicht. Daraus lasen sie am Donnerstag in den Räumen der Stiftung Demokratie.

„Meine Liebe zum FCH entstand über das alte Transistorradio meines Vaters“, erzählte Röder, der hauptberuflich Geschäftsführer der Aktion 3. Welt Saar ist. „Da war in der Übertragung immer von einem Waldstadion und dem FC Homburg die Rede.“ Warum daraus Liebe wurde? „Es gibt Dinge, die kannst du nicht erklären“, sagt der Losheimer. Pilger, 26 Jahre jünger als Röder, fand in der „Ära Toppmöller“ den Weg zum FCS. „Da war diese Euphorie. Und da war dieses komische Ding mit den überdimensionierten Pfannenwendern – der Ludwigspark mit den markanten Flutlichmasten“, erinnerte sich der Volontär beim Norddeutschen Rundfunk. „Und da war dieses Gefühl, einen Verein vor der Tür zu haben, der innerhalb von zwei Jahren in die Bundesliga aufsteigen und deutscher Meister werden kann. Das habe ich übrigens heute noch.“

Carsten Pilger. Foto: Alexandra Laffitte

Humor prägte den Abend, und die knapp 30 Gäste merkten schnell, dass sich die ein oder andere Geschichte so auch beim eigenen Verein hätte zutragen können. „In den Farben getrennt, in der Sache vereint. Wie bei der Stadiondiskussion. Da tut mir der FCS fast leid, weil auch uns kann das irgendwann drohen mit dem Waldstadion“, sagte Röder. Er berichtete, wie er den Geburtstag seines Kindes wegen eines FCH-Spiels verlegte: „Ich habe versucht, das Buch aus der Sicht eines Fans zu schreiben. Die Geschichten mit den Präsidenten Ommer, Geitlinger oder der Kondomwerbung sind ja alle schon erzählt.“ Derartige Gründe der Vereinsliebe nehmen bei Pilger mehr Raum ein: „Sie sind doch genau das, was uns emotional berührt und mit dem Club verbindet.“ Pilger las über die Mitgliederversammlungen beim FCS, die irgendwo zwischen bester Unterhaltung und Fremdschämen einsortiert werden müssen. Röder beleuchtete auch die Geschichte mit Hartmut Ostermann, dem Unternehmer, der erst beim FCH Vorsitzender war und jetzt Präsident des FCS ist.

Roland Röder. Foto: Björn Anton

Die Harmonie des Abends war aber vorbei, als es um das Ergebnis des nächsten „einzig wahren“ Saarderbys ging. „Ich tippe nicht, aber wir gewinnen“, war sich Röder sicher, Pilger legte sich sogar auf ein Ergebnis fest: „4:1 für uns. Zwei Tore Jurcher, eins Dausch und eins Vunguidica.“

Die Bücher sind im Verlag Schwarzkopf&Schwarzkopf erschienen, kosten 9,99 Euro. Sie bieten tiefe Einblicke in die Seele von Fußballfreunden und sind auch lesenswert, wenn man die andere Seite gar nicht mag.

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