Ausstellung "LOST" in Sali e Tabacchi: Fundstücke am Wegesrand werden zu Fotomotiven

Ausstellung "LOST" in Sali e Tabacchi : Fundstücke am Wegesrand werden zu Fotomotiven

Von Nicole Baronsky-Ottmann

Warum lässt jemand seine schicken, italienischen Lederschuhe einfach auf der Straße vor der Modernen Galerie stehen? Wieso wirft ein Mensch einen wunderschönen Strauß frischer, roter Tulpen in den Wald bei Köln? Und was macht ein dunkelblauer BH vor der Düsseldorfer Kunstakademie? Das sind alles Fragen, die sich der Fotograf Ralf Baumgarten stellt, wenn er zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, seine Kamera dabei hat und diese Dinge achtlos am Straßenrand zurückgelassen sieht. Nun zeigt Baumgarten die Ergebnisse dieser Streifzüge in der Saarbrücker Galerie Sali e Tabacchi.

Der gebürtige Saarbrücker Ralf Baumgarten lebt in Köln, ist preisgekrönter Auftragsfotograf, der aber auch freie, künstlerische Fotoserien macht. „Es überrascht mich selbst, was alles achtlos weggeworfen wird“, erzählt er. „Und es sind alles Dinge, die ich im Vorübergehen gesehen habe und genauso fotografiert habe. Die Fundstellen wurden nicht verändert, die Dinge nicht drapiert.“ Die Fotografien wurden von ihm im Anschluss bearbeitet, Farben intensiviert, Kontraste verstärkt. Und dabei herausgekommen ist die Serie „Lost“, die fasziniert, aber gleichzeitig auch Fragen aufwirft. „Ich habe den Strauß Tulpen an Ostern tatsächlich so im Wald liegen sehen. Und frage mich seither, was vorgefallen sein muss, dass jemand einen frischen Blumenstrauß so wütend wegschmeißt“, sagt er und schüttelt den Kopf.

Andere Dinge, die er gefunden hat, wie Bierflaschen, Spielzeug und eine kleine Puppe (mit herausgeschnittenen Augen) zeugen aber auch von der Wegwerfmentalität und der Vermüllung unserer Umwelt. Ralf Baumgarten möchte mit seinen sehr ästhetischen, farbintensiven Fotografien auch darauf aufmerksam machen. Manche der gefundenen Sachen hat er aber auch gleich mit nach Hause genommen, um daraus Objekte zu gestalten. Diese Objekte ergänzen die Ausstellung „Lost“, passen sehr gut dazu. Aber während die Fotografien unveränderte Sachen zeigen, muss man bei den Objekten schon genauer hinschauen, um die einzelnen Teile zu identifizieren. Denn Ralf Baumgarten hat aus verrosteten Eisenbahnnägeln oder Sieben, verwitterten Scharnieren oder Schaufeln eigenwillige, meist witzige Köpfe erstellt, deren Augen häufig alte Glühbirnen sind. „Da hat mich einfach der Kontrast von altem Eisen und Metall und dem dünnen, transparenten Glas der Glühbirnen fasziniert“, erläutert der Fotograf.

Und dann zeigt er noch seine neuesten Objekte, in denen er nicht mehr figurativ arbeitet und gesteht dabei, dass die Ausstellung „Lost“ im Sale e Tabacchi die erste Präsentation dieser Werke außerhalb seines Wohnhauses ist. Dass der renommierte Kölner Fotograf dafür nach Saarbrücken kommt, ist ebenfalls bemerkenswert.

„Lost“ Ausstellung von Ralf Baumgarten im Sali e Tabacchi (Saarbrücken, Feldmannstraße 144). Die Ausstellung ist bis 20. Dezember montags und mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

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