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Fürst ließ Schlossfelsen in Saarbrücken sprengen und Saar verlegen für den Park

Gärten und Parks in Saarbrücken : Der älteste Park verströmt barocken Charme

Mit den Park- und Gartenanlagen der Adligen begann einst die Verschönerung der Umgebung. Auch in Saarbrücken war das so. Der Schlossgarten gilt als der älteste in der Landeshauptstadt.

In Saarbrücken gibt es 73 öffentliche Grünanlagen mit einer Gesamtfläche von rund 120 Hektar. Der wohl älteste Park ist der 0,72 Hektar große Schlossgarten. 1697 ließ Gräfin Eleonore Clara einen ersten barocken Schlossgarten anlegen. Unter Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken wurde der Garten vergrößert. Sein Baumeister Friedrich Joachim Stengel schreckte nicht davor zurück, Teile des Schlossfelsens sprengen zu lassen und die Saar zu verlegen, um ihn zu erweitern. Die Größe des Schlossgartens aus dem 18. Jahrhundert ist heute nicht mehr erhalten, er wurde Ende des 19. Jahrhunderts teilweise überbaut.

Was sich jedoch erhalten hat, ist die barocke Anmutung, die bei der Erneuerung des Gartens im Jahr 2000 stärker betont wurde. Auch heute ist der Schlossgarten mit Treppen in Terrassen unterteilt. Die Garten-Segmente sind unterschiedlich gestaltet, manches in barocken Formen, wie der Parterre-de- broderie-Garten oder die Skulpturen, die nach barocken Originalen angefertigt wurden. Dazu kommen Beete, alte Bäume, ein kleines Wasserbecken und der Pavillon, 1875 angefertigt und 1959 erneuert.

 Die Stengelanlage nahe Ludwigskirche und Staatskanzlei stammt aus den 1950er-Jahren und ist jetzt mit Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt im Projekt „Barock trifft Moderne“ renoviert worden.
Die Stengelanlage nahe Ludwigskirche und Staatskanzlei stammt aus den 1950er-Jahren und ist jetzt mit Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt im Projekt „Barock trifft Moderne“ renoviert worden. Foto: Iris Maria Maurer

All das trägt dazu bei, dass der Schlossgarten eine charmante, stimmungsvolle kleine Grünanlage ist, die für viele Veranstaltungen des Regionalverbandes genutzt wird, aber besonders gern auch als Fotomotiv. Fast zu jeder Jahreszeit kann man hier am Wochenende Hochzeitspaare sehen, die sich in diesem prächtigen Ambiente ablichten lassen.

Ebenfalls in der Barockzeit entstand der Ludwigspark, der ab 1769 auf einem Gesamtareal von über 800 Hektar unterhalb des Rodenhofs angelegt wurde. Lange von Wald überwuchert, wurden Teile des Areals und dessen bauliche Elemente ab 2006 ausgegraben und dokumentiert. Auf eine Rekonstruktion der barocken Anlage wurde aber verzichtet. Weite Teile des Areals dienen heute und in Zukunft als stadtnaher Erholungswald. Die erforschten barocken Elemente werden auf einer Fläche von 1,6 Hektar mit heutigen Mitteln neu inszeniert.

So wurde die frühere Schlossauffahrt als Fußweg wiederhergestellt, die Grundmauern eines zwölfeckigen Gartenpavillons können durch eine Sitzbank in gleicher Form nachvollzogen werden. Eine steinerne Bank erinnert an ein früheres großes, ovales Wasserbecken. Stahltafeln mit Inschriften verweisen auf die historischen Architekturen. Dies entspricht dem Wunsch der Menschen vor Ort, die dies in einer Bürgerbeteiligung anregten. So wird der Park heute nicht nur zum Erholen genutzt, er dient auch als Treffpunkt.

„Die Grünanlagen einer Stadt gehören zur Baukultur. Sie sind unabdingbar zur Erholung und als Klimakomfortzone“, erklärt Carmen Dams, Leiterin des Amts für Stadtgrün und Friedhöfe. Und sie betont, dass jede Grünanlage ihre besondere Geschichte hat. Man würde nach Möglichkeit immer versuchen, diese zu erhalten und zu profilieren. „Ein jüngstes Beispiel ist die Komplettsanierung der Stengelanlage an der Ludwigskirche“, sagt Dams. Diese Anlage mit einer Größe von 0,2 Hektar, zwischen Stengel- und Eisenbahnstraße gelegen, wurde 1958 eingeweiht.

Sie entspricht mit ihren zeittypischen Elementen wie polygonalen Sandsteinwegen, einem großen sowie sechs weiteren asymmetrisch angeordneten, flachen Brunnenbecken mit Wasserstrahlen, einer Pergola aus einer Stahlrohrkonstruktion mit Holzauflage, sowie Bänken und Staudenbepflanzung ganz dem Charme der Zeit. 2019 wurden im Rahmen des Projektes ‚Barock trifft Moderne’ Pergola und Brunnenbecken saniert, eine neue Beleuchtung installiert, sowie die Bepflanzung neu angelegt. Seither dient die kleine, aber reizvolle Anlage als Ruhepol in der Großstadt.

Ganz ähnlich wird auch einer der jüngsten Gärten von Saarbrücken genutzt, der Wolfgang-Staudte-Platz, ein 770 Quadratmeter großer Garten zwischen Trierer Straße und Faktoreistraße. 2016 eingeweiht, erinnert die Grünanlage an den bekannten Nachkriegsregisseur Wolfgang Staudte, der 1906 in Saarbrücken geboren wurde. Der Garten wurde mit großblättrigen Blattschmuckstauden üppig bepflanzt, Schmuckelemente der ehemaligen Fassade des Modehauses „Walters Eck“, steinerne Obstkörbe und Fenstersteine, haben hier dank des Saarbrücker Bürgerforums einen Aufstellungsplatz erhalten. Und in der Mitte der Anlage können sich Passanten auf langen Bankreihen ausruhen. Der kleine Garten ist mit einem filigranen Stabgitterzaun eingefasst und mit Toren ausgestattet, da er nachts geschlossen wird.