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Für Alleinlebende im Saarland birgt Corona ganz eigene Probleme

Fehlende Sozialkontakte : Für Alleinlebende birgt Corona ganz eigene Herausforderungen

Wer allein lebt, kann derzeit zumindest nicht von Kindern oder dem Partner genervt werden. Den Großteil der Zeit mit sich selbst zu verbringen, birgt nach mehreren Wochen aber auch Probleme.

Als Familie mit Kindern angesichts von Corona weitgehend in die vier Wände einer kleinen Wohnung verbannt sein – kein Spaß. Da können die Nerven nach Wochen im Ausnahmezustand blank liegen. Doch was ist mit Menschen, die seit Wochen außer dem Verkäufer im Supermarkt und ein paar freundlichen Unbekannten beim Spazierengehen niemanden persönlich getroffen haben? Denn keinen Partner zu haben bedeutet in Anbetracht der Kontakteinschränkungen vielfach: allein sein.

Rund 16,9 Millionen Menschen in Deutschland lebten 2018 laut Statistischem Bundesamt allein, Tendenz steigend. Jeder Dritte davon war 65 Jahre und älter. Den zweitgrößten Anteil stellten Menschen zwischen 25 und 35 Jahren.

Wie stark sich Alleinsein auf Wohlbefinden und Stimmung auswirkt, hängt laut der Trierer Psychologin Nicola Baumann davon ab, ob Menschen das Bedürfnis nach Anschluss oder nach Autonomie stärker gewichten. Als besonders belastend empfänden diejenigen die aktuelle Lage, die ein hohes Kontaktbedürfnis hätten und aus sich selbst heraus wenig aktiv würden. Allerdings lasse sich die eigene Wahrnehmung etwa mit stärkenden Erinnerungen positiv beeinflussen.

Online-Kommunikation könne fehlende analoge Sozialkontakte kompensieren – oft aber keinen vollwertigen Ersatz bieten, sagt Psychologin Baumann. Berührungen oder direkte Blickkontakte fehlten. Denn per Telefon oder Video werde die Wahrnehmung des anderen auf ein bis zwei Sinne reduziert, was einer „Verarmung der Sinneskanäle“ gleichkomme.

Mit Videogottesdiensten und Online-Weinproben mit Freunden behilft sich auch Clemens Grünebach, als katholischer Priester von Beruf aus alleinstehend. „Auch das ist Corona...in Kombi mit Singledasein: 15.10 Uhr: Erstes Wort des Tages gewechselt mit den Nachbarskindern“, schrieb er jüngst auf Facebook. „Viele Dinge fallen jetzt erstmal weg“, sagt er. Grünebach ist kürzlich nach Saarbrücken gezogen, in der Schwebe zwischen zwei beruflichen Stationen. Anstatt als Pfarrer Kontakt zu Kommunionkindern zu halten, nehme er nun an Telefonkonferenzen teil, arbeite von zu Hause im Corona-Krisenstab und engagiere sich bei der kirchlichen Telefonberatung.

Was durchaus auch Vorteile habe: Anstatt einer vollgepackten 60- bis 70-Stundenwoche habe er nun eine normale 40-Stunden-Arbeitswoche und könne seinen Tag selbst strukturieren. Auch das Briefeschreiben habe er neu für sich entdeckt.

„Singles haben oft ein ausgeklügeltes Beziehungssystem“, sagt Grünebach. „Sie sind ja nicht beziehungsunfähig – ebenso wenig wie Priester.“ Doch sei das Beziehungsnetz zuweilen weit gestreut, in andere Städte oder ins Ausland verlagert. An sich kein Problem. Als Zugezogener neu in Saarbrücken, stelle er sich aber schon ganz praktische Fragen: „Was passiert, wenn ich krank würde, in Quarantäne müsste oder ins Krankenhaus? Wer kümmert sich dann um die Wohnung, bringt Dinge vorbei?“