Fünf junge Saarbrücker verschönern Fassade in Burbach mit Wandgemälde

Urban Art : Burbach leuchtet frisch von der Fassade

Fünf junge Künstler aus Saarbrücken machen eine hohe Hauswand im Stahl-Stadtteil Burbach zum Blickfang. Ihr Riesengemälde leuchtet in allen Farben, die der Stahl während einer Verarbeitung annehmen kann. Und dazwischen schimmert blau die Saar.

Mit einem neuen Wandgemälde begrüßt der Stadtteil Burbach jetzt seine Besucher und Bewohner. Noch steht ein Gerüst vor der Giebelwand des Hauses Nummer 120 in der Hochstraße direkt neben dem Kreisel Burbacher Stern und versperrt den Blick auf die Details des Kunstwerks. Und noch stehen ein paar Farbeimer vor der Wand.

Doch die fünf jungen Saarbrücker Künstler und Künstlerinnen vom Verein „Label m“, die das rund 200 Quadratmeter große Bild entworfen und umgesetzt haben, sind so gut wie fertig. Rund zwei Wochen hat die Gruppe auf dem Gerüst die 17 Meter hohe und zwölf Meter breite Hauswand mit Farbrollen und Pinsel bearbeitet.

An manchen Tagen musste sie der Projektleiter Thomas Langhammer von Label m regelrecht vom Gerüst scheuchen, weil es viel zu heiß war. Den Auftrag zu dem Gemeinschaftswerk erteilte die Saarbrücker gemeinnützige Siedlungsgesellschaft (SGS), der das fünfgeschossige Wohngebäude gehört.

Die SGS habe das Gebäude sanieren und die Fassaden neu streichen müssen und sich dabei überlegt, dass eine künstlerische Gestaltung der Giebelwand an dieser markanten Stelle doch eine gute Sache wäre, erklären die beiden Geschäftsführer Hildegard Wald und Heinz-Peter Klein. Sie kamen am Dienstag, um das Werk zu begutachten. Mit dem Ergebnis sind sie schon jetzt „sehr zufrieden“.

Das Wandbild sollte einen Bezug zu Burbach, seiner industriellen Vergangenheit und dem Strukturwandel haben und ins Ensemble passen, beschreibt Klein die Erwartungen der Siedlungsgesellschaft.

All das haben Paul Grodhues, Saskia Kassell, Jonas Mayer, Lucien Schmidt-Berteau und Leon Strack in ihrem Gemeinschaftswerk denn auch berücksichtigt. Obwohl gerade mal zwischen 18 und 24 Jahren alt, haben die fünf mit der Kunstform Urban Art schon reichlich Erfahrung.

Alle haben in den vergangenen vier Jahren bereits an Projekten von „Label m“ teilgenommen, inzwischen studieren einige von ihnen Kunst oder Architektur.

In Zentrum ihrer Komposition, zu der jeder Bildmotive beigesteuert hat, steht ein überdimensionaler Stahlgießer, der mit einer Kelle flüssigen Stahl ausgießt. „Erst hatten wir ja einen Bergarbeiter mit einer Hacke vorgesehen, doch das sah dann ein bisschen so aus, als ob der die Stadt kurz und klein schlägt“, sagt Saskia Kassel (18).

Außerdem sei zum Hüttenstandort ein Stahlarbeiter ja auch viel passender, finden Klein und Wald. In dessen Rücken, rechts im Bild, sieht man nun eine stilisierte Ansicht von Burbach mit seinen dicht stehenden Häusern und qualmenden Schloten. Hinzu kommen Güterzüge, Bahngleise und Zahnräder.

Links im Bild sollen Gewerbebauten mit Tannenbäumen andeuten, wie grün und waldreich Burbach ist. „Und unten der blaue Streifen, das ist die Saar“, erklärt Leon Strack (24). Er hatte als angehender Mediengestalter auch die Aufgabe übernommen, die Farben der Bildmotive am Computer aufeinander abzustimmen.

Auch dabei hat sich die Gruppe viel gedacht: Die Farben von fast Weiß über Gelb bis Orange entsprechen denen, die Stahl je nach Hitzegrad annimmt.

In Rostrot schließlich leuchtet die torartige Cortenstahl-Skulptur auf dem benachbarten Verkehrskreisel, deren eine Hälfte sich in der Bildmitte wiederfindet. „Damit haben wir jetzt ein neues Tor nach Burbach eröffnet“, sagt SGS-Geschäftsführerin Wald erfreut.

Die jungen Künstler haben die Erwartungen an sie sogar übererfüllt: So ziehen sich ihre Farbmuster jetzt sogar um das Haus herum über die Fassaden. „Von den Bewohnern haben sie nur positive Rückmeldung bekommen“, sagt Projektleiter Langhammer.

Leon Strack zeigt, wie das Fassadenbild aussehen wird. Foto: Silvia Buss

„Ein Meisterwerk“ ruft prompt ein älterer Herr im Vorbeigehen. Nur die Bäume davor sollten noch beschnitten werden, um den Blick auf die Wand ganz freizugeben, findet er.

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