Fuchsgruber-Prozess: Weichen für  „Deal“ gestellt

Kostenpflichtiger Inhalt: Prozess neigt sich dem Ende zu : Fuchsgruber-Prozess: Weichen für „Deal“ gestellt

Der angeklagte Wirtschaftsdetektiv kann bei einem Geständnis mit Haftstrafe zwischen vier und viereinhalb Jahren rechnen.

In dem über mehrere Monate hinweg terminierten Prozess gegen den bundesweit bekannten Wirtschaftsdetektiven Medard Fuchsgruber (55) ist ein so genannter „Deal“, eine Verständigung im Strafprozess, in Sicht. Christiane Schmitt, Vorsitzende Richterin der Wirtschaftsstrafkammer, informierte am sechsten Verhandlungstag, dass auf Anregung der Verteidigung Gespräche mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft stattfanden. Demnach kann der Angeklagte, der von überregionalen Medien in früheren Jahren als „Robin Hood der Kleinanleger“ gefeiert wurde, mit einer Haftstrafe zwischen vier und viereinhalb Jahren rechnen. Voraussetzung wäre ein Geständnis im Sinne der Anklage. Einige Komplexe, wie Insolvenzverschleppung und Urkundenfälschung, könnten gegebenenfalls eingestellt werden, so die Richterin.

Bestandteil des möglichen „Deals“ ist auch: Der Haftbefehl gegen Fuchsgruber, der seit über einem Monat wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft sitzt, soll nach der Urteilsverkündung aufgehoben werden. Er könnte als vorerst freier Mann den Gerichtssaal verlassen. Erst nach Rechtskraft des Urteils würde er zum Strafantritt von der Justiz geladen. Verteidiger Christian Schmitt kündigte an, sein Mandant werde bis zum nächsten Prozesstermin mitteilen, ob er diese Absprache akzeptiert.

Fuchsgruber lenkte längere Zeit seine geschäftlichen Aktivitäten von seiner Firmenzentrale in Ottweiler aus. Seine Unternehmen, unter anderem eine Treuhand GmbH und eine Wirtschaftsdetektei, sind pleite. Staatsanwältin Christina Krauth wirft ihm in einer umfangreichen Anklageschrift gewerbsmäßige Untreue in rund 200 Fällen sowie Betrug und Untreue in weiteren Fällen vor. Betroffen sind viele Kleinanleger.

Ein Verfahrenskomplex betrifft eine frühere Leipziger GmbH ohne operative Geschäftstätigkeit. Das Vermögen dieser Firma war weitgehend von einem Ex-Geschäftsführer geplündert worden. Fuchsgruber war als Interimsgeschäftsführer gegen Erfolgshonorar (Firmenbeteiligung) verpflichtet worden. Er wollte allerdings ein monatliches Festgehalt von 12 500 Euro. Darüber gab es nach Angaben von Zeugen keinen Vertrag. Ohne Genehmigung soll er sich dann selbst bedient haben, Überweisungen auf seine Konten veranlasst und größere Beträge bar abgehoben haben. Unter dem Strich wird ihm in diesem Komplex ein Schaden von 287 000 Euro angekreidet.

Ein Finanzermittler der Polizei berichtete dem Gericht am Mittwoch, dass bislang kein wesentliches Vermögen Fuchsgrubers sichergestellt werden konnte. Es seien Sicherungshypotheken auf Immobilen veranlasst worden.