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Jetzt schon ans Fest denken
Zugunsten der Umwelt und der Schulkasse

Ex-Förster Bodo Marschall (rechts) zeigt die Stelle, an der eine Weihnachtsbaumkultur angelegt werden soll. Marcos Gutierrez Moreno, Dr. Anette Dragan und Roland Krämer (von links) folgen seinen Ausführungen.
Ex-Förster Bodo Marschall (rechts) zeigt die Stelle, an der eine Weihnachtsbaumkultur angelegt werden soll. Marcos Gutierrez Moreno, Dr. Anette Dragan und Roland Krämer (von links) folgen seinen Ausführungen. FOTO: Thomas Seeber
Friedrichsthal. Als „Wald trifft Schule“-Projekt will Ex-Förster Bodo Marschall mit den Montessori-Schülern eine Weihnachtsbaumkultur anlegen. Von Anja Kernig

Wenn man so will, haftet diesem Projekt ein Geschmäckle an. Bisher war Bodo Marschall immer auf Seiten des pädagogisch wertvollen, exemplarisch-vorbildhaften Waldschutzes gewesen. Passt da eine Silbertannen-Weihnachtsbaumplantage rein, sprich, eine Monokultur nichtheimischer Koniferen, die alle sechs, sieben Jahre „geerntet“ wird? Unbedingt, urteilten Schulleiterin Anette Dragan, Werklehrer Marcos Gutierrez Moreno und Staatssekretär Roland Krämer beim Ortstermin gestern unisono.


Mit Marschall zusammen hatte man gestern Morgen das Waldstück gegenüber der Montessori-Gemeinschaftsschule inspiziert. Dort, unter der Hochspannungsleitung, plant der seit 1. August frisch gebackene Förster a. D. seinen neuesten Coup. Zuletzt hatte er Im Grühlingswald mit Siebtklässlern eine gigantische, sieben Meter hohe Bank aus heimischen Hölzern realisiert (wir berichteten). Sollte es mit der Förderung klappen, toppt das neue Projekt das letzte um Längen. „Die Grundidee lautet wieder Bildung für nachhaltige Entwicklung“, erläutert Marschall. Die Ausgangslage sei jedenfalls schon mal „sehr gut“. Liegt doch die Schule „einen Steinwurf von der Leitungstrasse entfernt“, wie der Waldpädagoge und Buchautor darlegte. Das etwa drei Hektar große Gelände wird größtenteils von SaarForst bewirtschaftet, benötigen werde man davon etwa 600 Quadratmeter. Die zuständige Firma habe bereits signalisiert, die turnusgemäße Mulchung der Fläche in den Herbst vorzuziehen. Anschließend müsste man noch „tieffräsen“, um das Wurzelwerk zu kappen. Bis zum Frühjahr kann sich der Boden setzen, um dann mit Setzlingen bestückt zu werden.

Marschall schwebt statt der Dreifelder-Wirtschaft des Mittelalters eine Einteilung der Fläche in sechs Felder vor. „Jedes Jahr könnte eine Klasse ihr Stück bepflanzen“ – und gleichzeitig die Patenschaft übernehmen. Müssen die Bäumchen doch kontinuierlich gepflegt, sprich „hin und wieder gegossen, frei gestellt und nachgebessert“ werden. Pro Jahrgang plant der Ex-Förster eine Neupflanzung von etwa 300 Edeltannen. Anbieten möchte man die auf dem traditionellen Schul-Weihnachtsmarkt. „Damit dient das Projekt auch der Identifikation mit der Schule“, schwärmt Schulleiterin Dragan, „und gleichzeitig der Integration in Friedrichtshal“. Kollege Moreno könnte sich vorstellen, dass sich das adventliche Aussuchen eines Baumes und eigenhändige Schlagen des selbigen zu einem festen Ritual in vielen Familien entwickelt.



Und was sagt der ministeriell berufene Vertreter der Umwelt, Roland Krämer? Alles bestens: „Ein normaler Wald ist unter der Hochspanungsleitung ohnehin nicht denkbar.“ Marschall ergänzt: „Ökologisch gesehen ist die Weihnachtsbaumkultur an diese Stelle das kleinste Übel.“ Und dazu eines mit viel bildungsrelevantem Potenzial: „Hier können theoretische Lerninhalte am Beispiel des Waldes praktisch vermittelt werden.“

Wie genau man sich das vorstellen kann? Beispielsweise so: Den Winter will man nutzen, um einen Zaun um den „Acker“ zu ziehen. Sind doch die zarten Nobilis-Pflänzchen ein Leckerbissen für Rehe. Aber, wie baut man solch einen Zaun, was und welches Material findet Verwendung, wie muss man die Materialmengen berechnen. Ganz zu schweigen von rein praktischen Fragen à la „wie kriege ich am geschicktesten ein Loch in die Erde“. Von Biologie und Mathematik über Gesellschaftskunde und Arbeitslehre bis hin zu Ökonomie und Betriebswirtschaft sei alles dabei. Gerade den letztgenannten Part hält Marschall für „elementar wichtig“. Übernehmen könnte ihn die Schülerfirma der Montessorischule. Was jetzt noch fehlt, ist Geld. Etwa 10 000 Euro gilt es, für das erste Jahr zu akquirieren, Personalkosten eingeschlossen, informiert Anette Dragan. „Das ist jetzt unser Part.“ So wie es klingt, dürfte es sich um kein unüberwindbares Hindernis handeln. „Wir haben Übung darin.“