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Bilder einer Ausstellung
Zeugnisse der Stadtgeschichte in Öl

Jürgen Vesper (links) und Gisela Herbort geb. Vesper gemeinsam mit Rolf Schultheis vor dem Porträt von Ernst Wentzel.
Jürgen Vesper (links) und Gisela Herbort geb. Vesper gemeinsam mit Rolf Schultheis vor dem Porträt von Ernst Wentzel. FOTO: Iris Maria Maurer
Friedrichsthal. Im Friedrichsthaler Rathaus hängen jetzt Porträts der Gründer der ehemaligen Wentzelschen Glashütten. Von Stefan Bohlander

Als Prof. Dr. Jürgen Vesper neben das Porträt tritt, ist die Ähnlichkeit deutlich zu sehen. Der Neurologe war in Berlin tätig, hat jedoch einen einflussreichen Bürger Friedrichsthals als Vorfahren: Ernst Friedrich Wentzel war sein Urgroßvater. Dieser wiederum gehört zu den Nachfahren der Gründer der ehemaligen Wentzelschen Glashütten. Dessen Porträt und zwei weitere Gemälde überreichte Vesper nun der Stadt.


„Wir waren uns alle einig, haben niemanden verletzt“ , schilderte er die Gespräche im Familienkreis, bei denen es darum ging, ob man die Porträts auch tatsächlich aus dem Familienbesitz abgebe. Immerhin sind diese teils einige Jahrhunderte alt und stammen aus Lebzeiten der Porträtierten. Neben Ernst Friedrich Wentzel (1846-1904) zieren nun noch die Konterfeis von Heinrich Ludwig Wentzel (1757-1829) und seiner Frau Salome von Nordheim (1773-1834) die Wände des Sitzungssaales im Rathaus.

Das Porträt seines Urgroßvaters stammt übrigens von Bertha Bruch, nach der das Tierheim in Saarbrücken benannt wurde. Es wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und danach restauriert. Jürgen Vesper ging noch ein wenig auf Historie und Bedeutung der Glasindustrie in der heute kleinsten Stadt des Saarlandes ein. Von der Wichtigkeit des Industriezweiges zeugten beispielsweise heute noch die beiden Glaspfeifen im Stadtwappen. Zudem sei Friedrichsthal zu dieser Zeit eines der großen Zentren der Glasindustrie in der Region gewesen.

Dies bestätigte Bürgermeister Rolf Schultheis, der anfügte, dass die Stadt seinerzeit sogar eine der reichsten im Land gewesen sei. „Der Markt war früher sicher nicht einfacher als heute“, so der Verwaltungschef. Deswegen sei es richtig, dass die Porträts nun im Sitzungssaal hängen. „ Das ist eine Sache, die wir uns in Erinnerung halten sollten“ , sagte er über die Geschichte, die übrigens auch in einem arbeitsgeschichtlichen Kreis lebendig gehalten werde. Der Namenswechsel erklärt sich durch die einstige Heirat von Jürgen Vespers Mutter Elfriede Vesper geborene Wentzel mit Joachim Vesper. Neben Jürgen Vesper und seiner Frau Ingrid wohnten der Übergabe noch Gisela Herbort, geborene Vesper, und ihr Mann Siegfried, sowie Renate und Klaus Wentzel bei. Gisela Herbort ist die Schwester von Jürgen Vesper. Klaus Wentzel ist entfernt mit Jürgen Vesper verwandt, entstammt der Linie von Heinrich Ludwig Wentzel. Die Familie sei generell an ihrer Historie interessiert, bestätigten alle. So könne man die Geschichte bis ins Jahr 1360 zurückverfolgen. Man habe sogar Verwandte in Norwegen, die noch immer eine Glasfabrik hätten. In einer aufwendig recherchierten Broschüre, die man Bürgermeister Schultheis schenkte, ist der komplette Stammbaum aufgelistet. Die Bilder stammen aus dem Nachlass seines Großvaters Ernst Otto Wentzel, der in Friedrichsthal und nach der Schließung der Glashütte bis 1966 in Saarbrücken am Rotenbühl in Saarbrücken wohnte.