Reise-Erlebnis : Wenn an einem Freitag in Isfahan der Backenzahn bricht

Markus Walter aus Friedrichsthal brauchte auf seiner Reise im Iran plötzlich ganz dringend einen Zahnarzt.

In unserer kleinen Sommerserie „Reise-Erlebnisse“ erzählen wir von großen und kleinen Abenteuern auf Reisen, die unsere Leser gern mit uns teilen möchten. Heute: Markus Walter aus Friedrichsthal.

Markus Walter, 48 Jahre, und seine Frau Heike sind enorm viel unterwegs. Diesen Juli hat es sie nach Frankreich gezogen, wo sie mit dem Boot durch die berühmten Kanäle gefahren sind. Meistens sind sie aber mit ihrem großen Allradlaster unterwegs. Mit dem waren sie schon in Island, in Skandinavien und in Marokko.

Eine Tour führte sie über die Seidenstraße bis in die Mongolei und wieder zurück. 30 000 Kilometer weit sind sie dabei quer über den asiatischen Kontinent gefahren. Die Tour führte die beiden auch in den Iran, wo freitagsnachmittags das Leben quasi stillsteht, vergleichbar bei uns am Sonntag. Ausgerechnet dann brach Walter beim Nüsseessen ein Backenzahn auseinander. „Zuerst habe ich versucht, ihn selbst zu ziehen“, sagt der 48-Jährige. Mit der Zange und unter Schmerzen bekam er die meisten Teile auch gegriffen, an die Wurzel kam er aber nicht. Weil er fürchtete, auf dem Weg durch den Hinukusch noch weniger Chancen zu haben, auf einen Zahnarzt zu treffen als an einem Freitagnachmittag in Isfahan, machten er und seine Frau sich auf die Suche in den Straßen und Gassen der Vier-Millionen-Stadt.

Irgendwann kamen sie an ein buntes Gebäude, eine Moschee, wie sich später herausstellen sollte, drei Männer standen vor deren Tür. Walter sprach sie an, und einer fragte ihn, woher er denn sei. „Aus Deutschland“, sagte Walter. „Dann können wir ja deutsch reden“, sagte der Mann, er selbst lebe schon seit 30 Jahren dort. „Und von wo genau“, wollte er dann wissen. „Aus dem Saarland“, sagte Walter. „Ich bin aus Kaiserslautern“, sagte der Mann. Er sei dort Schwimmmeister und spiele Wasserball. „Ich spiele auch Wasserball“, antwortete dann Walter. „Kennst du den Stefan?“ „Klar kenne ich den Stefan!“, sagte dann der Mann. „Was für ein Zufall: 7000 Kilometer von zuhause entfernt in einer Vier-Millionen-Stadt triffst du einen Mann, der neben dir wohnt und die gleichen Leute kennt.“ Die beiden lachten. Dann wieder der Mann. „Warum seid ihr denn überhaupt hier?“ „Wir suchen dringend einen Zahnarzt“, antwortete Walter. Und schon zeigte der Mann auf den Jüngeren neben sich: „Er ist Kieferchirurg.“ Und wenig später saß Markus Walter auf einem Behandlungsstuhl und wurde bestens versorgt. Walter: „Das einzige Problem war: Sie wollten für die Behandlung partout kein Geld. Wir waren ihre Gäste.“

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