Wird es wirklich so gefährlich?

Die Fraktion der Grünen im Saar-Landtag informierte in Friedrichsthal aus ihrer Sicht hinsichtlich des Grubenwassers und ging auf mögliche Gefahren für Tausende von Menschen ein.

Die Grünen im saarländischen Landtag luden zum Infoabend hinsichtlich des Themas Grubenwasser nach Friedrichsthal ein. Sie üben starke Kritik an den Plänen der RAG zur Flutung der ehemaligen Stollen und fordern Nachbesserungen. Dabei sorgen sie sich vor allem um die Qualität des heimischen Grundwassers.

"Seit 2012 muss man aus betrieblicher Sicht das Wasser nicht mehr aus den Schächten pumpen", stellte die stellvertretende Landesvorsitzende der Grünen, Barbara Meyer-Gluche, gleich zu Anfang fest. Nach heutiger Planung soll dies auch bis zum Jahr 2035 komplett eingestellt werden, doch: "Das Risiko für das Trinkwasser ist nicht einschätzbar." Vergleiche zog sie dabei mit dem französischen Teil im Warndt: "Auch dort haben Prognosen angenommen, dass alles problemlos abläuft. Doch die Auswirkungen waren größer." So seien unter anderem großflächige Verwässerungen an der Oberfläche aufgetreten: "Die Pumpen laufen dort wieder", so die Grünen-Politikerin. Hintergrund der Planungen der RAG seien dabei Kosteneinsparungen: "Pro Million Kubikmeter Wasser fällt eine Million Euro an Pumpkosten an." Noch bis 2018 bezahle die RAG, danach solle eine RAG-Stiftung die Kosten übernehmen, doch: "Bei der Gründung ist man allerdings von einem wesentlich höheren Zinsniveau ausgegangen. Daher wurde die Anlagestrategie der Stiftung auch geändert, mit deutlich mehr Risiko", erklärte Meyer-Gluche.

Dabei seien viele der Auswirkungen durch den geänderten Wasserhaushalt in den ehemaligen Bergwerken unbestritten, wie etwa Hebungen, Erderschütterungen, Vernässungen, Tagesbrüchen und Ausgasungen. Das Grubenwasser sei durch den Weg in die Tiefe stark mineralisiert und durch in den Bergwerken eingelagerte Giftstoffe verunreinigt. Dabei könne niemand einschätzen, was in der Tiefe lagert, denn eine Langzeitdokumentation liege nicht vor.

Einzig bei dem Schadstoff PCB gebe es eine Statistik aus den Jahren 1979 bis 1983, demnach seien 1572 Tonnen eingesetzt worden. "Davon wurden von 1983 bis 1985 lediglich 160 Tonnen entsorgt. Was davor oder danach passiert ist, kann keiner sagen", warnte sie. Hinzu kämen Baustoffe, Asbest, Gießereialtsande, Kunststoffe und allerhand Schrott sowie eingelagerte Gefahrstoffe, die sonst an der Oberfläche teuer entsorgt werden müssten. Bei den Genehmigungsverfahren hierzu sei zudem der künftige Wasseranstieg nicht berücksichtigt worden, wie eine Grünen-Anfrage im Landtag ergab: "So eine klare Aussage gibt es selten." 600 000 Saarländer seien von der Flutung betroffen, weswegen sie auch starke Kritik am Verfahren übte: "Ein maßgeblicher Teil der Planung ist bereits genehmigt." Im Nordschacht Duhamel soll das Wasser von minus 1450 auf minus 400 Meter steigen. Dies darf nach Auffassung der Grünen jedoch nicht unabhängig von Gesamtkonzept betrachtet werden. Daneben sei nicht restlich geklärt, wer für mögliche Schäden auch außerhalb des Bergbaugebietes aufkommt.

Die Grünen forderten daher, dass die bisherige Genehmigung zur Flutung widerrufen wird sowie eine Einbeziehung des Landtags, der Kommunen sowie der Bevölkerung bei den weiteren Maßnahmen. Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Landtag, Hubert Ulrich , stellte zum Abschluss vor kleinem Auditorium klar: "Nach dem Erblastenvertrag muss gepumpt werden, solange hier Menschen leben." Dies sei auch eine zentrale Forderung seiner Partei bei möglichen Koalitionsverhandlungen nach der kommenden Landtagswahl.