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Achtung Hohlräume
Über der Bergehalde liegt heißer Dampf

Auf der Luftaufnahme sind die drei verschlossenen Schachtöffnungen auf der Halde Maybach gut zu sehen.
Auf der Luftaufnahme sind die drei verschlossenen Schachtöffnungen auf der Halde Maybach gut zu sehen. FOTO: BeckerBredel
Friedrichsthal. Offenbar wurde auf der Halde Maybach wegen des heftigen Regens das Füllmaterial ausgeschwemmt. Drei ehemalige Schächte haben sich um rund 600 Meter gesetzt. Sie werden jetzt aufwendig neu gesichert. Von Becker & Bredel

Die drei ehemaligen Schachtöffnungen auf der Halbe Maybach sind verschlossen, aber gut zu sehen. An der Bergwerksstraße verhindert ein Bauzaun, dass man sich ihnen nähert. Doch noch vor einigen Tagen muss sich ein imposantes Bild gezeigt haben. Im Internet gehen Videofilme um, die zeigen, dass es aus den Schächten qualmt. SZ-Leser Günter Hofmann hat das zum Anlass genommen, an unsere Redaktion zu schreiben. Er stellt die Frage: „Wird die RAG die Schächte erst einmal verfilmen, um festzustellen, in welchem Zustand die Schächte sind? Kann man diese nun einfach so standsicher machen und ein für allemal aus der Bergaufsicht entlassen. Oder sind schwerwiegende Ausbaumaßnamen von Nöten?“ Hofmann ist der Überzeugung, dass das alte Füllmaterial unter Tage weggeschwemmt wurde und ein bis zu 600 Meter tiefes, neues Loch entstanden sei.



Wir haben die Frage weitergeleitet an Traudel König, die Pressesprecherin der RAG Montan Immobilien GmbH. König bestätigt Hofmanns Annahme: „Im Rahmen der Untersuchungen zur geplanten Sanierung der Schächte zeigte sich, dass sich die Füllsäulen der drei Schächte, die größtenteils aus Bergematerial bestehen, um rund 600 Meter gesetzt haben.“ Dies erfordere besondere Maßnahmen. Die Schächte würden nach dem Stand der Technik neu gesichert, sobald man Untersuchungsergebnisse habe. Sobald die Untersuchungen abgeschlossen seien, beginne eine Planung in Absprache mit der Bergbehörde und unter gutachterlicher Begleitung.

Durch die neuen Hohlräume sei auch das Dampfen zu erklären.  „Die Schächte sind zum Teil einziehend, das heißt, die kalte Luft (bergmännisch: Wetter) strömt in einen Schacht ein, erwärmt sich dort und tritt an einem anderen – ausziehenden – Schacht aus. Aufgrund der Erwärmung und der Aufnahme von Feuchtigkeit beim Durchströmen der Schächte und aufgrund der Außentemperaturen zeigt sich beim Austritt Dampf“, erläutert König. Aktuell sei man damit beschäftigt, die genaue Lage mittels Laserscans zu ermitteln. Weitere Arbeiten würden erst nach Abschluss der Planungen ausgeführt. Entdeckt hat man das Problem, weil man im Zuge der Halden-Rekultivierung die durch Bergematerial überschütteten Schachtköpfe freigelegt habe. Das sei im Rahmen eines „präventiven Sicherungsprogramms“ erfolgt. Ziel sei es, die Schächte wieder so zu sichern, dass diese dauerhaft geschlossen bleiben.

Die Schachtköpfe sind derzeit dreifach abgesichert. Die Halde ist eingezäunt, die Schachtöffnungen sind nochmals separat eingezäunt und abgedeckt. Eine Gefahr gehe von ihnen nicht aus, so die Angaben abschließend.

„Als die Schwerlastabteilung Luisenthal im Jahre 1986 die drei Schächte des Bergwerks Maybach mit Sattellastwagen, Raupen sowie Radladern mit Bergematerial der Grube Göttelborn verfüllte, hätte sich niemand vorstellen können, dass wir rund 30 Jahre später wieder in die Geschichte des Bergwerks Maybach einfahren können“, erklärt SZ-Leser Hofmann. Doch das damals eingebrachte Material habe sich durch eindringendes Wasser wohl unter Tage in die abzweigenden Stollen verteilt.