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Tobias Bauer
Top-Talent aus der Wasserball-Provinz

 1,90 Meter und 87 Kilogramm geballte Wurfkraft: Tobias Bauer schnellt im Training im Friedrichsthaler Hallenbad aus dem Wasser und zieht ab.
1,90 Meter und 87 Kilogramm geballte Wurfkraft: Tobias Bauer schnellt im Training im Friedrichsthaler Hallenbad aus dem Wasser und zieht ab. FOTO: Oliver Dietze
Friedrichsthal. Der 15 Jahre alte Tobias Bauer spielt in drei Mannschaften: bei den Herren für den SV Friedrichsthal in der Oberliga und den SC Neustadt in der 2. Liga sowie für dessen U 18 in der Bundesliga. Für sein Training investiert er wöchentlich 20 Stunden. Von Lucas Jost

Der Weg ins Schwimmbecken wurde ihm in die Wiege gelegt. Den Weg zum Wasserball fand er selbst. „Mein Vater war Wasserballer, meine Mutter war Schwimmerin. Ich bin mal ins Wasserball-Training gegangen, was mir sehr gut gefallen hat“, erzählt Tobias Bauer. Acht, vielleicht neun Jahre alt war er damals. Ein sehr junges Alter, um mit dieser Sportart zu beginnen. Schließlich müssen breite Grundlagen, beispielsweise im Kraulschwimmen, vorhanden sein. Knapp sechs Jahre später hat sich die Arbeit ausgezahlt. Mit nur 15 Jahren spielt der Friedrichsthaler beim SC Neustadt/Weinstraße in der 2. Liga Süd der Herren und in der U 18 in der Bundesliga. Über ein Leihspielrecht steigt er zudem für seinen Heimverein SV Friedrichsthal in der Herren-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar ins Becken.


Bauer zählt in seiner Sportart zu den größten Talenten in der Großregion. „Wir haben den Auswahltrainer lange überzeugen müssen, dass er ihn einlädt. Denn wir sind hier die Wasserball-Provinz“, erzählt Lukas Mathieu, Wasserball-Wart des SV Friedrichsthal. Mehrmals fragte der Club bei Patrick Weissinger, Trainer der Auswahl des Süddeutschen Schwimmverbandes, an. Schließlich folgte die Einladung zu einem Lehrgang nach Stuttgart im April 2018, wo Bauer sich präsentieren konnte. Und wie er das tat! Überzeugt von seinem Talent, vermittelte Weissinger den Saarländer sofort zu Zweitligist Neustadt, wo Bauer seit Ende der Sommerferien einmal pro Woche trainiert. „Ohne Unterstützung wäre das alles nicht möglich“, sagt der 15-Jährige. Er bedankt sich bei seinem Vater, der ihn regelmäßig in die Pfalz chauffiert. Die restlichen Trainingseinheiten absolviert das Talent in Friedrichsthal.

Im Saarland gibt es mit den Oberligisten SV Friedrichsthal und SV Neunkirchen sowie dem SV 08 Saarbrücken, der an der interregionalen luxemburgischen Meisterschaft teilnimmt, nur drei Vereine, die Wasserball anbieten. Der nächstgelegene Club ist dann der Oberligist Kaiserslauterer Schwimmsportklub, dann folgt der Zweitligist SC Neustadt. Bei den Damen gibt es im Saarland keine aktive Mannschaft, der nächstgelegene Verein spielt in Heidelberg.



Überhaupt hat die Sportart Wasserball einen schweren Stand in Deutschland. Auf professioneller Ebene ist das Leistungsgefälle groß. „Abo-Meister“ in der höchsten Spielklasse, der Deutschen Wasserball-Liga, sind die Wasserfreunde Spandau 04 Berlin, die seit 1979 36 von möglichen 40 Titeln geholt haben. Einzig Waspo 98 Hannover, amtierender Meister, kann mit dem Seriensieger konkurrieren.

„Von Wasserball wird man auf keinen Fall reich. Verdienstmöglichkeiten sind bis auf ein, zwei Top-Clubs in Deutschland nicht vorhanden. Du kannst hier kein Geld verdienen. Vielleicht in Italien, ausgesorgt hast du da aber auch nicht“, erzählt Bauer. Woher stammt also seine Motivation für diese Sportart? „Ich mache den Sport halt ziemlich gerne“, lautet die einfache Erklärung des Friedrichsthalers, der wöchentlich mit Trainings- und Fahrzeiten knapp 20 Stunden für den Wasserball aufbringt.

Körperlich bringt Bauer, der in Neunkirchen ein Gymnasium besucht, alle Voraussetzungen mit. Bei einer Größe von knapp 1,90 Metern wiegt er fast 87 Kilogramm – überschüssige Pfunde sucht man vergebens. Auf der Center- oder der Halb-Position weiß der 15-Jährige diese Maße einzusetzen. In der Oberliga beim SV Friedrichsthal traf er in zwei Saisonspielen zwölfmal und ist bester Torschütze seiner Mannschaft. Beim SC Neustadt in der 2. Liga hat er in vier Spielen sieben Treffer erzielt. In der B-Gruppe der U 18-Bundesliga ist der SC Neustadt Tabellenführer. Auch hier wird Bauer eingesetzt. Er liegt mit 26 Toren in sechs Spielen auf Platz zwei der Torschützenliste.

Bleibt bei all dem Trubel überhaupt Zeit für ein geregeltes Privatleben? „Nicht viel. Die meiste Zeit verbringe ich mit schlafen, essen und Sport machen. Ab und an spiele ich an der Konsole Fifa“, scherzt Bauer. Traurig darüber, dass andere Hobbys etwas zu kurz kommen, ist er nicht. Schließlich hat er klare Ziele vor Augen. „Ich möchte mich in Neustadt etablieren und langfristig auch in der 1. Bundesliga spielen“, erklärt Bauer.

Ein weiterer Schritt auf dem Weg dorthin war die Teilnahme mit der U 17-Auswahl des Süddeutschen Schwimmverbandes am „Itze-Gunst-Pokal“-Turnier in Uerdingen. Bauer kam mit seiner Mannschaft bis ins Finale, wo es eine 9:14-Niederlage gegen die LG Nord gab. Bei dem Turnier sichtete Bundestrainer Nebo Novoselac Spieler für die Jugend-Nationalmannschaft. Bauer ist noch nicht dabei. Der 15-Jährige sagt: „Ich mache mir da keinen Druck. Ich komme von einem kleinen Verein, die anderen kommen von Internaten, sind auf Sportschulen.“