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„Spirit der Solidarität“ soll leben

„Spirit der Solidarität“ soll leben

Das älteste deutsche Gewerkschaftsgebäude, in den 1890er- Jahren von Bergleuten gebaut, soll durch permanente Nutzung Einnahmen erzielen. In den Rechtsschutzsaal Bildstock wurde investiert.

Große Bedeutung, kleine Bekanntheit - aus dem historischen Rechtsschutzsaal in Friedrichsthal-Bildstock könnte, ja müsste man mehr machen, schließlich handelt es sich "unbestritten um das älteste Gewerkschaftsgebäude Deutschlands und damit um die Wiege der Mitbestimmung". Der das sagt, ist Eugen Roth , der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an der Saar und Beiratsvorsitzender der Stiftung Rechtsschutzsaal.

Diese 1990 ins Leben gerufene Stiftung hatte das 1892 als Versammlungsstätte des Rechtsschutzvereins für die bergmännische Bevölkerung errichtete Haus übertragen bekommen und seinerzeit 430 000 Mark in den Erhalt gesteckt. Mit dieser Summe waren keine Sprünge zu machen, allein der Unterhalt des Gemäuers brachte die Stiftung Jahr um Jahr tiefer in die finanzielle Problemzone. Nun hat das Land weitere 200 000 Euro zugeschossen, von denen 170 000 Euro verbaut wurden.

Wie Eugen Roth und der Stiftungsvorsitzende Rolf Schultheis , Bürgermeister von Friedrichsthal, bei einem Ortstermin erläuterten, floss das Geld in die Ertüchtigung des Hauses zu einem Tagungs- und Versammlungsort. Er soll möglichst oft genutzt werden, auch für Bildungsarbeit. Die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung und die Arbeitskammer Saar signalisierten bereits, in Bildstock Veranstaltungen abzuhalten, Bildung anzubieten oder sich gar mit einem kulturgeschichtlichen Archiv anzusiedeln. Wie Roth formulierte, wolle man dem Haus "eine eigene Note geben, den Spirit der Solidarität hervorheben". Das Haus solle Geschichten erzählen und dadurch Geschichte verständlich machen. "Wir wollen den menschlichen Aspekt in Erinnerung halten", ergänzte Schultheis.

So wurden im Flur die Namen von 40 Männern und Frauen angeschlagen, die durch die Spende von je zwei Backsteinen den Bau des Hauses mitermöglicht hatten. Säle wurden nach den Gewerkschaftern Lucy Meyfarth, Nikolaus Warken und Kurt Hartz getauft, im Restaurant (das von einem Pächter betrieben wird) künden bislang unveröffentlichte Fotos vom harten Arbeitstag von Frauen in der Industrie. Apropos Flur: Hier soll ein Kronleuchter aus lauter ausgedienten Grubenlampen aufgehängt werden. Wer eine solche Lampe leihen oder spenden möchte, wende sich an die Stiftung, die im Rathaus ihre Anschrift hat. Übrigens verfügt das Haus noch nicht über eine eigene Internetseite. Beim Online-Lexikon Wikipedia findet sich aber ein guter Artikel über die Geschichte, mit Hinweisen auf Literatur.