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Private Musikschule: Selbstständigkeit nach Noten

Private Musikschule : Selbstständigkeit nach Noten

Die 26-jährige Dudweilerin Maria-Grazia Mele hat in Friedrichsthal, in der „Soundfabrik“ ihre eigene Musikschule eröffnet.

Maria-Grazia Mele ist eine Vollblutmusikerin. Was sich schon recht früh andeutete: „Es gibt ein Video von mir, auf dem singe ich als Zweijährige mit Mikro - den kompletten Text eines Lieds, obwohl ich noch nicht richtig sprechen konnte.“ Vielleicht ist das Talent ja vererbt, „meine Mutter hat früher auch gesungen“. Maria-Grazia nimmt Gesangsunterricht und wird mit zarten 15 Jahren eine Art Berufsmusikerin.

Elf Jahre später, im Frühjahr 2017, eröffnete die inzwischen 26-Jährige ihre eigene Musikschule. „Das war schon immer mein Traum gewesen.“ Stopp. Träumen Nachwuchstalente heute nicht alle von der großen Karriere im Showbusiness? „Doch, das hat mich schon gereizt“, gibt Maria-Grazia Mele unumwunden zu. „Als ich 18 war, habe ich mich bei The Voice beworben.“ Mit einigen Illussionen im Gepäck sei sie zum Casting nach Köln gefahren – dem ersten von insgesamt vier, bis man dann wirklich auf der Bühne vor der Jury steht. Die gebürtige Dudweilerin schaffte es bis in Runde zwei. „Es war eine gute Erfahrung“, sagt sie heute,  und es klingt nicht so, als ob sie mit ihrem Schicksal hadern würde. „Was ich dort erlebt habe, kann ich meinen Schülern weitergeben.“

Die Entscheidung für Friedrichsthal war eine ganz pragmatische: Anders als in Dudweiler oder Saarbrücken sind hier keine Mitbewerber am Start. „Ich führe die einzige Musikschule am Ort.“ Es gab mal eine, aber die musste die Inhaberin aus gesundheitlichen Gründen schließen. Der Standort im Zentrum ist ideal. Wo jetzt professioneller Gesangs- , Klavier- und Gitarrenunterricht angeboten wird, hat man früher Geld abgehoben, Überweisungen getätigt, Kredite vergeben oder abgelehnt.

Auch Maria-Grazia Mele zahlt inzwischen jeden Monat fleißig Raten ab. War es doch nicht zuletzt ein finanzieller Kraftakt, die Bankfiliale in der Schillerstraße 6a zur „Soundfabrik“ umzuwandeln. Unter anderem mussten Wände eingezogen und tüchtig isoliert werden. „Damit man nicht hört, was nebenan geübt wird.“

40 Schüler lernen derzeit hier, die Altersspanne reicht von drei bis 55 Jahren. Neben den regulären Musikstunden bietet Maria-Grazia Mele Workshops an, DJ/Rap zum Beispiel oder im Oktober vier Tage Disney-Musicals für Teenager. Sie selbst tourt fast jedes Wochenende mit ihrer Band Al Dente durch Deutschland und bringt Coversongs von der 70ern bis zu den aktuellen Charts auf die Bühne.

„Die Rock- und Popschiene ist meins.“ Ihre Ausbildung hat sie an der Modern Music School Saarbrücken gemacht, wo es größtenteils um Stimmerhaltung und Stimmsitz ging. Denn was Laien vielleicht gar nicht wissen: „Man kann sich seine Stimme kaputt singen.“ Da geht es Musikern ähnlich wie Sportlern, die Muskelgruppen einseitig strapazieren. Statt viel über Hals und Kehlkopf zu singen, hilft es, die Stimme aus dem Bauch heraus zu bilden. Was aber nicht von heute auf morgen erlernbar sei, sondern eine „ganz, ganz lange“ Schulung voraussetzt.

Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, hat Maria-Grazia Mele noch „ein Ass im Ärmel“: ihre Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. Das empfiehlt sie im Zweifelsfall auch ihren Schülern. Als Talentschmiede sieht sie ihre Musikschule sowieso nur bedingt. Kommt jemand mit hahnebüchenen Vorstellungen, gilt es,  dezent zu bremsen: „Ich kann niemandem versprechen, aus dir mache ich eine Withney Houston“. Schon gar nicht in ein paar Monaten. Natürlich seien Verbesserungen möglich, „bei der Intonation und tonal“. Aber man müsse ehrlich bleiben und realistisch bei der Einschätzung, „ob es Sinn macht oder nicht“.

Wobei die meisten ihrer Schüler „gar nicht vor Publikum auftreten“ wollen. Wenn doch, bietet die Musikschule ab und zu die Möglichkeit, an Konzerten teilzunehmen, etwa beim Glashüttenfest oder beim Dudweiler Feuerwehrfest. Wer noch nicht so richtig weiß, was er will, kann eine Probestunde vereinbaren und „mehrere Sachen ausprobieren“. Läuft die Soundfabrik gut an, würde die junge Inhaberin gern weitere Instrumente, etwa Schlagzeug, ins Repertoire aufnehmen und „das Team vergrößern“. Toll wäre natürlich auch eine Zweigstelle, aber das bleibt vorerst reine Zukunftsmusik.

Weitere Infos unter Telefon (06897) 9389965 oder 01577 9518423.

www.musikschule-soundfabrik.de