Schülerin Samar Aldurra (17) aus Friedrichsthal bekommt Preis für Essay

Ausgezeichnete Arbeit : Triumph in der „Philosophiearena“

Für ihren Essay unter dem Titel „Deutschland gerechter gestalten“ bekam Schülerin Samar Aldurra aus Friedrichsthal einen Preis.

Als die Glocke läutet, strömen alle Kinder und Jugendliche vom Pausenhof ins Schulgebäude zurück. Samar Aldurra, Schülerin der Gemeinschaftsschule Sulzbachtal in Dudweiler, ist auf dem Weg ins Klassenzimmer. Mathematik steht auf dem Stundenplan, und der Unterricht beginnt in Kürze.

Ethik-Lehrer Torsten Sunkel fängt sie auf dem Gang ab und übermittelt ihr die frohe Botschaft: Aldurra gehört zu den fünf Preisträgern des Schülerwettbewerbs der Philosophiearena in der Kategorie der Klassenstufen 11 bis 13. „Mit einem Sieg habe ich nicht gerechnet. Ich war sehr überrascht“, verrät Aldurra. Unter dem Motto „An die Zukunft der Welt denken, aber jetzt und bei mir vor Ort handeln?“ konnten bundesweit Schüler ihre Essays einreichen. Aus den drei Altersgruppen (5.-7. Klasse, 8.-10. Klasse und 11.-13. Klasse) wählte die Jury jeweils die besten fünf Schüleraufsätze.

Die 17-Jährige spricht in ihrem Essay – unter dem Titel „Deutschland gerechter gestalten“ – die Unterschiede zwischen Arm und Reich an und präsentiert mit einer gerechteren Verteilung von Einkommen und einem höheren Mindestlohn einige Ansätze. „Ich will in der Welt etwas verändern, und dieses Thema wandelte unter anderem in meinem Kopf herum. Da dachte ich: Warum bringe ich diese Idee nicht zu Papier?“, sagt Aldurra. „Ich war im Vorfeld sehr nervös“, verrät sie. Sie habe viel Arbeit in ihren Aufsatz gesteckt und habe das Ergebnis kaum abwarten können. „Meine Eltern waren sehr stolz auf mich“, sagt die Elfklässlerin. Ihre Mutter, Mona Kalthoum, und ihr Vater, Yusef Aldurra, haben sie Preisverleihung nach Kelkheim im Taunus gefahren. Auch ihre Lehrer und Mitschüler konnten ihren Augen kaum trauen. „Als ich davon gehört habe, da war ich positiv überrascht“, verrät ihr Ethik-Lehrer und Landesfachberater Allgemeine Ethik, Torsten Sunkel. „Wir bieten seit diesem Jahr das Anfertigen eines Essays und die Teilnahme an einem Wettbewerb als einen alternativen Leistungsnachweis in der Schule an“, sagt Sunkel. Damit hoffe er, die Motivation der Schüler zu steigern und Talente zu fördern. „In der 10. Klasse müssen die Schüler ein Essay abgeben. Dort lernen sie die Grundlagen der Recherche und den Aufbau kennen“, verrät Sunkel. In der 11. Klasse sei den Jugendlichen dann die Abgabe zwar freigestellt, aber eine Teilnahme an einem Essay-Wettbewerb verbessere die Note. Für Aldurra war es nicht der erste Text: „In meinem Heimatland Syrien habe ich bereits in der Schule an einem Wettbewerb teilgenommen“, verrät Aldurra.

Vor vier Jahren floh die 17-Jährige mit ihrer Familie aus Damaskus nach Deutschland. „Als ich im Januar 2016 ankam, konnte ich noch kein Deutsch. Ich habe alles hier erlernt“, sagt sie. Das habe sie aber nicht vom Schreiben abgehalten: „Im Deutschunterricht verfasse ich gerne Texte“, sagt Aldurra. An anderen Textformen wie Gedichte, Kurzgeschichten oder Romane habe sie sich aber noch nicht versucht. In ihrer Freizeit übe sie unterschiedliche Sportarten aus. Entweder mit Freunden oder ihren zwei ältesten Brüdern Omar (23 Jahre) und Ghaith (22 Jahre). Außerdem habe sie mit dem 13-jährigen Mohamad noch einen kleineren Bruder.

„Ich spiele Basketball, Tischtennis, Federball, Badminton oder Schach. In einem Verein bin ich nicht“, erzählt die 17-Jährige. Außerdem löse sie gerne Sudoku. „Nach der Schule möchte ich gerne etwas in Richtung Naturwissenschaften machen“, sagt Aldurra. Mathematik sei ihr Lieblingsfach, gefolgt von Chemie und Biologie. „Mir gefällt Medizin nicht. Darum will ich Pharmazie studieren“, erklärt Aldurra. Außerhalb der Schule bringt sich die 17-Jährige viel in der Gesellschaft ein. „In den Sommerferien im vergangenen Jahr habe ich in meiner Heimatstadt Friedrichsthal für einen Monat in einem Altersheim, der Gevita-Residenz, ehrenamtlich gearbeitet“, verrät Aldurra. Außerdem sei sie als Übersetzerin in der Schule für andere Mitschüler und Eltern sowie in der Caritas Saarbrücken tätig. Für ihr politisches Engagement erhielt sie im August ein Stipendium bei der START-Stiftung.