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Aus dem Stadtrat
Polit-Gezerre um einen Kunstrasenplatz

Kunstrasenplatz genehmigt - es war aber nicht einfach. (Symbolbild)
Kunstrasenplatz genehmigt - es war aber nicht einfach. (Symbolbild) FOTO: picture-alliance/ dpa / Fredrik von Erichsen
Friedrichsthal. Nach langer, aber eigentlich vermeidbarer Debatte beschließt der Stadtrat den Zuschuss für den Neubau beim SV Hellas Bildstock. Von Patric Cordier

Stellen Sie sich vor, 50 Menschen sind in einem Raum und haben eigentlich ein gemeinsames Anliegen. Es besteht Einigkeit über die Notwendigkeit. Dazu gibt es Zusagen, dass man selbst für dieses Projekt weniger zahlen muss, als eigentlich üblich, weil andere dafür tiefer in die Tasche greifen. Doch dann ergeht man sich in persönlichen Anfeindungen, und es dauert fast eine Stunde, bis man sich auf eine gemeinsame Formulierung einigen kann. Kasperletheater? Kindergarten? Nein, gelebte Kommunalpolitik in dieser Woche im Friedrichsthaler Stadtrat.
Es ging um die Sanierung des Kunstrasenplatzes des SV Hellas Bildstock. Der ist in die Jahre gekommen und soll auch mit Hilfe des Sonderfonds für die Erneuerung von Kustrasenspielfeldern saniert werden. Soweit, so gut. Das Drama begann mit der Beschlussvorlage. Die musste aufgrund neuer Zahlen kurzfristig abgeändert werden. Die neue Fassung erreichte aber offensichtlich nicht alle Ratsmitglieder. Die CDU hatte - noch auf Basis des ursprünglichen Finanzierungsplanes - aber eine andere Formulierung vorgeschlagen, die deutlich machen sollte, dass die Förderung durch die Stadt erst nach Sicherstellung der Unterstützung durch Sportministerium und Landessportverband (LSVS) erfolgen könne. Zumal alle Fraktionen ihre Sorge äußerten, dass aufgrund der aktuellen Turbulenzen beim LSVS der Landes-Sportverband seinen Zusagen nicht nachkommen werde. In seinen Ausführungen warf CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Jung Bürgermeister Rolf Schultheis (SPD) „Tatenlosigkeit“ vor, es fehle außerdem an „verbindlichen Zusagen“ der Fördergeber. Schultheis konterte, indem er einen Brief aus dem Ministerium verlas und auf den „bekannt schlechten Stil“ der CDU hinwies.
Dass die Christdemokraten in ihrem Antrag auf die Benennung der bauausführenden Firma bestehen wollten, ließ sich rasch als möglicherweise teure Fehleinschätzung entlarven. Ein Vereinssprecher der Hellas teilte mit, dass man noch mit verschiedenen Firmen in Nachverhandlungen stehe und schließlich das günstigste Angebot annehmen werde. Eine Festlegung per Ratsbeschluss auf einen Anbieter sei daher nicht ratsam. Aufgrund der neuen Zahlen gab es in den Fraktionen Redebedarf - und darum ein Sitzungsunterbrechung.


„Was reden die so lange? Wird unser Platz jetzt nicht gemacht“, fragte einer der anwesenden Nachwuchskicker der Hellas sichtlich genervt.
Denn das Zahlenwerk ist eigentlich überschaubar: 65 000 Euro kommen über die Sportplanungskommission vom LSVS, 91 000 Euro stellt das Land, 39 000 Euro die Stadt zur Verfügung. Damit ist man im Ministerium wegen der Haushaltslage der Stadt von der üblichen 50/50-Aufteilung abgewichen und übernimmt nun 70 Prozent. „Wir sind natürlich froh über die Unterstützung des Ministeriums“, sagte Schultheis, konnte sich aber einen Seitenhieb auf andere „Sportplatzprojekte“ nicht verkneifen: „Die Landeshauptstadt hat deutlich mehr Schulden als wir. Dennoch gab es einen Sonderkredit von acht Millionen für das Ludwigsparkstadion.“ Den Rest der Kosten in Bildstock muss übrigens der Verein tragen - sei es über Kredite oder durch Eigenleistung.
Nach fast einer Stunde hatte der Stadtrat dann einen gemeinsamen und einstimmigen Beschluss gefasst, der dem Projekt „Kunstrasenplatzsanierung Hellas“ vorbehaltlich der externen Unterstützung nun grünes Licht erteilt. Da freute sich auch der Bildstocker Fußballnachwuchs, auch wenn nicht nur den kleinen Kickern die Entscheidungsfindung deutlich zu lange dauerte.