Musik vor allem für Gewerkschafter

Der Bildstocker Rechtsschutzsaal war am zurückliegenden Wochenende Austragungsort eines nicht alltäglichen Festivals. Unter dem Motto „Lieder unterm Dach“ zeigten im Erdgeschoss und im Saal unter dem Dach des ältesten Gewerkschaftsgebäudes Deutschlands mehrere Liedermacher, Bands und Solisten zwei Tage lang, was die, die sich unmittelbar im Gewerkschaftsmilieu bewegen oder den Interessenvertretungen nahestehen, in ihrem Repertoire haben.

Veranstalter von "Lieder unterm Dach" waren neben dem DGB Rheinland-Pfalz/Saarland auch die Arbeitskammer des Saarlandes, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Initiative Arbeitnehmer gegen Rechtsextremismus. Ein Festival für "bewegende Musik" sollte es werden. Das braucht wohl noch etwas. Denn die Besucherzahlen, rechnet man die Organisatoren und Angehörigen der Bands ab, waren zumindest am Sonntagnachmittag recht überschaubar. Das Singen von Liedern der deutschen Arbeiterbewegung sei erst neu in die Unesco-Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen worden, weist die Veranstaltergemeinschaft in ihrem Programm hin. Dabei waren Lieder in Gewerkschaftskreisen schon immer ein Thema. Sie waren gar identitätsstiftend, so Peter Balnis, Organisator des Festivals. Die Tradition sei bei den Gewerkschaften in den Hintergrund getreten, etwas eingeschlafen, aber nie altmodisch geworden, so Balnis weiter. Er muss es wissen. Fungiert er hauptberuflich doch als Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Saar.

Linke hätten oft ein enges Bild von Musik. So sei es bedauerlich, wenn Gewerkschaften und Nachwuchskünstler nicht so richtig zusammenkommen, bedauerte der GEW-Chef. Anders unter anderem am Sonntagnachmittag, als Evi Lancora oben im Saal Selbst gemachtes und Volkslieder sang. Moment mal, das ist doch - ganz genau: Die Frau aus Hildesheim war 2012 als "Evi aus Hannover" bei der TV-Casting-Show "The Voice of Germany" im Team von Rea Garvey. In Bildstock konnte man die Frau mit der besonders samtweichen Stimme ganz anders erleben. Etwa als sie "Am Brunnen vor dem Tore" oder "Sah ein Knab ein Röslein stehen" sang.

Das klang dabei völlig anders als gewohnt, denn sie ließ ihre eigenen Akzente nicht zu kurz kommen. "Wieviele Dinge, die man aus Stolz nicht macht", ein Eigentitel, der zeigt, dass die Künstlerin nicht einfach nur herunter singt, sondern sich intensiv mit dem Text auseinandersetzt. Kabarettmäßig waren hingegen die Lieder von Jürgen Albers, die der Radiomoderator auf der E-Gitarre begleitete. Kritik am Zeitgeist und am Wachstum prägten das Bühnenprogramm, das humorvoll war und zum Nachdenken anregte. Etwa, wenn er auf Handy-Gespräche der Mitbürger über Klopapier in der Fußgängerzone hinwies, die man zwangsläufig mitbekommt, ohne dies überhaupt zu wollen.

Am Nachmittag hatte man sich neben den insgesamt 14 Auftritten mit einer Podiumsdiskussion unter dem Titel "Welchen Stellenwert haben Volksmusik und Folk im Jahre 2015?" gewidmet. Dort diskutierten Gewerkschafter unter der Moderation des Journalisten Martin Busche.