„Mit Leidenschaft und Hingabe“

Mit dem Lied „What a day for a daydream“ eröffnete Pianist Björn Heimann gestern den Neujahrsempfang der Stadt Friedrichsthal. Doch nicht nur für rund 200 Gäste im Rathaus war es nichts Neues, dass Tagträumer in Friedrichsthal in diesen Zeiten wenig gefragt sind.

Die finanziell schwer angeschlagene Kommune Friedrichsthal braucht Menschen, die anpacken. Und genau diese Mitbürgerinnen und Mitbürger standen im Mittelpunkt der launigen Rede von Bürgermeister Rolf Schultheis . Bei über 60 Friedrichsthalerinnen und Friedrichsthaler, die sich im abgelaufenen Jahr besonders um das Gemeinweisen verdient gemacht hatten, bedankte sich Schultheis persönlich und überreichte ein kleines Präsent. Viele davon arbeiteten und arbeiten an der Integration der Flüchtlinge. Bis heute hat Friedrichsthal rund 140 Menschen aus Syrien aufgenommen. "Grandios war der Einsatz der Aktiven bei der Sprachvermittlung. Über Monate herrschte hier im Rathaus mehrmals wöchentlich sonst ungewohnter Trubel", so der Verwaltungschef, "mit Leidenschaft und Hingabe widmeten sich die Helfer der Vermittlung grundlegender Sprachkenntnisse, bevor die öffentliche Hand für die notwendigen Mittel sorgte. Auch für die Helferinnen und Helfer war das alles neu." Ob Flüchtlingspaten, Sachspendenbörse oder die THW-Jugend - alle hätten bei bei der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Integration in besonderer Art mitgewirkt. Das Credo "Wir schaffen das" von Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte SPD-Mann Schultheis nicht unterschreiben: "Wir stellen uns der Herausforderung." Der Bürgermeister würdigte aber soziales und kulturelles Engagement. So unter anderem das Projekt "Der laufende Schulbus", bei dem Kinder gemeinsam zur Schule laufen (wir berichteten). "Bei allem Jammern dürfen wir uns glücklich schätzen, dass wir in Frieden leben dürfen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es auch bei uns Menschen gibt, denen es nicht gut geht. Bei allen anderen Anforderungen: In einem Sozialstaat wie Deutschland dürfen wir das nicht aus dem Auge verlieren."

Der Trubel im Rathaus wird 2016 weitergehen. Denn dann werden dort nicht nur der Stadtrat, sondern auch die Karnevalisten der Narrenzunft ihre Sitzungen abhalten. Die Sanierung des ansonsten von den Narren genutzten Vereinsheims und die Umgestaltung des Kirchenvorplatzes wird eine Aufgabe dieses Jahres sein. Und auch der Neubau des Hoferkopfturmes sei "auf dem Programm", so der Bürgermeister, "die Bürgerschaft wird in einer Imformationsveranstaltung noch in der ersten Jahreshälfte über den Entwurf beraten. Dann gilt es, mit potenziellen Geldgebern über Zuschüsse zu verhandeln."

Zuschüsse zum Neujahrempfang gab es auch in diesem Jahr von den meisten Mitgliedern des Friedrichsthaler Stadtrates sowie von Sponsoren. Nach der bilanziellen Überschuldung der Stadt 2012 sieht Schultheis aber dank steter Sparbemühungen einen Silberstreit am Finanzhimmel: "Im November 2015 ist es uns erstmals nach drei Jahren gelungen. dass der eingereichte Haushalt genehmigt wurde. Grundlage der Genehmigung ist ein ganzes Maßnahmenbündel zur zeitnahen Erlangung eines ausgeglichenen Haushalts. Nach derzeitiger Finanzplanung wird dieses Ziel im Ergebnishaushalt 2018 erreicht. Dort ist nach vorsichtigen Schätzungen ein Überschuss von 190 000 Euro vorgesehen." Manchmal darf in Friedrichsthal halt auch ein Bürgermeister mal träumen.