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Keine lahmen Enten
Mit einem Lachen durchs Ziel

Vorsitzender und Trainer Ralph Klein (Mitte) mit seinen Vereinskameraden im Hallenbad Friedrichsthal
Vorsitzender und Trainer Ralph Klein (Mitte) mit seinen Vereinskameraden im Hallenbad Friedrichsthal FOTO: Thomas Seeber
Friedrichsthal. Die Tri Turtles betrieben ihren Sport mit dem nötigen Ehrgeiz, aber nicht verbissen. Ihnen ist die Verbundeheit im Verein sehr wichtig. Von Patric Cordier

„Der Mensch zählt, nicht die Leistung.“ Das sagt Ralph Klein, Gründer, Vorsitzender und Trainer beim Friedrichsthaler Triathlon Verein „Tri Turtles“. Rund 50 Mitglieder hat der 2013 gegründete Verein, 18 davon haben einen sogenannten Startpass, nehmen damit auch an größeren Wettbewerben teil.


„Natürlich haben wir Sportlerinnen und Sportler wie Claudia Seel, Markus Moser oder Andreas Niehren, die bei Meisterschaften Titel erringen“, sagt Klein, „aber bei uns sind alle gleich. Wenn wir gemeinsam bei Wettkämpfen auftreten, warten wir gemeinsam, bis der letzte im Ziel ist. Klar sind wir alle ambitioniert, wirklich wichtig ist uns aber, mit einem Lachen anzukommen.“
Die Turtles schaffen es, aus der Einzelsportart Triathlon ein Gemeinschaftserlebnis zu machen. Ein Turtle (übersetzt: Schildkröte) zu werden, ist dabei irgendwo einfach, aber doch mit einer Hürde versehen. „Man kann zu uns ins Probetraining kommen. Sich anschauen, ob es bei uns gefällt“, sagt Klein, „aber auch wir schauen uns die Leute genau an. Nur wenn sie menschlich passen, beschließen wir die Aufnahme.“
Berit Greulich passte. Die 28-jährige Psychologin aus Saarbrücken war schon immer von Ausdauersportarten fasziniert: „Aber eine alleine war mir immer zu langweilig. Die Möglichkeit, gleich drei Sportarten miteinander zu machen, ist einfach prima.“ Berit startet mittlerweile über die sogenannte olympische Distanz. Das sind 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. „Und obwohl Triathlon ja normalerweise eine extrem leistungsbezogene Einzelsportart ist, betreiben wir sie hier im Verein zusammen“, sagt Berit über die Turtles, die „wie eine Familie“ sind. Sieben bis acht Mal trainiert sie in der Woche, zusammen bis zu zwölf Stunden. „Ich bewundere, wie die Mütter und Väter bei uns im Verein das alles unter einen Hut bekommen“, schließt sie ihre Ausführungen ab.
Keine Kinder, dafür drei Hunde hat Christian Schirra. Der 42-jährige Industriemeister aus Göttelborn hat vor drei Jahren zum Sport gefunden. „Davor habe ich 25 Jahre lang nichts gemacht“, sagt er lachend, „dann habe ich den Ironman in Frankfurt im Fernsehen gesehen und war fasziniert“. Schirra startet über die Langdistanz: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und zum Abschluss noch ein Marathon -– so, wie er auch im „Mekka des Triathlon“ auf Hawaii ausgetragen wird. „Hawaii ist ein Traum, aber es ist schwer, sich als Europäer überhaupt zu qualifizieren“, sagt Schirra, der nächstes Jahr bei der berühmten Veranstaltung in Roth und 2020 dann beim Triathlon auf Lanzarote an den Start gehen möchte: „Der gilt aufgrund der Topografie als einer der schwersten weltweit.“
Den Weg dahin geht auch er mit den Turtles. „Wir sind ein bunter Haufen, Männer und Frauen aus jeder Altersgruppe und jedem Beruf“, sagt Schirra, „wir sind ein Team, machen Ausfahrten zusammen, trainieren gemeinsam. Das Tolle ist aber: Es gibt keinen Druck.“ Druck nicht, aber Ehrgeiz. Und die Trainingspläne von Ralph Klein. Zwei bis drei Mal in der Woche trifft man sich während der Hallensaison zum Schwimmtraining im Friedrichsthaler Schwimmbad, dazu kommen die Lauf- und Fahrradeinheiten, die in Gruppen oder individuell abgearbeitet werden. „Das Wichtigste ist, nie den Spaß zu verlieren“, sagt Klein. Der Lohn der Schinderei ist das Erreichen der Ziellinie. „Man hat dann keine Schmerzen, nur Glücksgefühle“, beschreibt Berit Greulich diesen Moment eindrucksvoll, „es ist immer ein innerer Kampf, aber dann kommt man an und sieht die Gesichter der Leute, die auf einen warten, einen anfeuern. Das macht es bei uns aus.“ Bei den Tri Turtles aus Friedrichsthal ist die Leistung für jeden Einzelnen sicher nicht unwichtig, Mensch und Gemeinschaft stehen aber im Mittelpunkt.

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