Ju-Jutsu ist Werner Pauls große Leidenschaft

Menschen im Regionalverband : Ju-Jutsu ist seine große Leidenschaft

Werner Paul, 64, betreibt diesen Sport bereits seit 45 Jahren und gehörte zu den Gründern des Ju-Jutsu-Clubs Bildstock.

Kampfschreie gellen durch die Sporthalle in der Bismarckschule in Friedrichsthal. Ab und an fliegt auch mal ein Mensch durch die Luft. Das Wichtigste ist aber, dass alle mit guter Laune und viel Einsatzfreude dabei sind. Es ist Donnerstagabend und Ju-Jutsu-Training in Friedrichsthal. Etwa 15 Kinder und Jugendliche sowie 15 Erwachsene des Ju-Jutsu-Clubs Bildstock trainieren.

Darunter ist auch Werner Paul. Der 64-Jährige ist Gründungsmitglied des Clubs und wurde in diesem Jahr als erster Saarländer mit der bronzenen Ehrennadel des Deutschen Ju-Jutsu-Verbandes ausgezeichnet. „Ich bin zwar nicht mehr ganz so rüstig wie die Jungen, aber Ju-Jutsu macht mir nach wie vor großen Spaß“, sagt der gelernte Elektroinstallateur aus Bildstock. Vor 45 Jahren sah Werner Paul im Alter von 19 Jahren bei einer Veranstaltung eine Aufführung von Ju-Jutsu-Sportlern. Er war sofort fasziniert.

„Die Bewegungen zusammen mit der Action des Kampfsports waren toll. Das wollte ich auch machen. Man muss wissen, dass zu dieser Zeit die Bruce-Lee-Filme auf dem Markt waren und Kampfsport auf dem Weg zu einem Trendsport war“, erzählt der 64-Jährige.

Paul und seine Freunde schlossen sich der DJK Bildstock an, die eine Ju-Jutsu-Abteilung gründete. „Bereits in den ersten Trainingseinheiten waren mehr als 50 Leute. Es wurden immer mehr, und wir beschlossen, einen eigenen Verein zu gründen“, blickt das Gründungsmitglied zurück. Mit den Jahren wurde die Kampfsportart immer populärer und Paul immer engagierter. Im Saarländischen Ju-Jutsu-Verband war er jahrelang Vorstandsmitglied und Pressewart. Stolz berichtet er: „Wir waren einer der ersten Verbände überhaupt, der eine Homepage hatte und seine Mitglieder über E-Mails benachrichtigte. Es war viel Arbeit, hat aber immer großen Spaß gemacht.“

In den 80er und 90er Jahren trainierte Werner Paul fast täglich und schaffte alle Prüfungen bis zum Schwarzen Gürtel. Die Gesundheit machte ihm aber dann einen Strich durch die Rechnung. Paul erkrankte an Leukämie. Aber Ju-Jutsu aufzugeben, daran dachte er nie. Paul besiegte die Krankheit und ließ sich auch von einem künstlichen Hüftgelenk nicht aus der Bahn werfen.

„Ju-Jutsu gibt einem sehr viel. Der ganze Körper bleibt beweglich, und geistig muss man immer auf der Höhe sein. Es ist ein fantastischer Sport“, sagt der Bildstocker. Und da gibt es noch einen großen Vorteil – die Selbstverteidigung. „Man hat das gute Gefühl, dass man sich verteidigen kann. Wir lernen auch, wie man sich bei Angriffen mit Messern, Ketten, Stöcken oder Gürteln verteidigen kann. Ich kann das nur jedem empfehlen. Man braucht zwar etwas, bis man die Techniken drauf hat, aber dann ist man für viele Situationen gewappnet. Vor allem für Frauen ist diese Kunst der Verteidigung ideal“, sagt Paul.

In 45 Jahren Ju-Jutsu hat Paul seine erlernten Techniken noch nie in einer Situation außerhalb der Kampfmatten einsetzen müssen. Darauf ist er stolz. „Es geht auch darum, Ruhe zu finden und Streitereien anders zu lösen, als mit Gewalt. Das lernt man auch“, sagt der Bildstocker, bevor das Training in der Schulturnhalle weitergeht.

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