„Jeder will, was er macht“

Das Kollegium der Montessori-Gesamtschule wurde im Friedrichsthaler Rathaus begrüßt. Ab Sommer 2015 werden die Pädagogen in den Räumen der Edith-Stein-Schule unterrichten. Viele Eltern nutzten die Gelegenheit, um sich über die „neue“ Schule zu informieren.

Ab dem Sommer 2015 wird die Schullandschaft in unserer Region ein wenig bunter. Denn dann zieht die Montessori-Gesamtschule von Schafbrücke nach Friedrichsthal . "Es ist für die Stadt natürlich bedauerlich, dass sie ihre staatliche Edith-Stein-Schule verliert", sagte Uli Basselli, der Leiter der Montessori-Schule, "für uns ist es ein Glücksfall, denn wir sind schon seit über drei Jahren auf der Suche nach einem Gebäude."

Im Festsaal des Friedrichsthaler Rathauses begrüßte Bürgermeister Rolf Schultheis das Kollegium und gut 70 interessierte Eltern , die sich über diese private Schulform informieren wollten. "Für uns steht die Entscheidung des Schulwechsels erst in zwei Jahren an", erzählte ein Besucher, "aber von Informationen wird man nicht dümmer." Die gab es auch von anwesenden "Montessori-Eltern", die von dieser Art der Pädagogik begeistert sind. "In der Regelschule wird zu Beginn des Schuljahres eine Schnur gespannt. Wer drüber springt, kommt weiter. Wer nicht, fliegt raus", so ein Erziehungsberechtigter im Gespräch, "da interessiert es niemand, warum."

Uli Basselli und seine Kollegen versuchten einen Einblick zu geben, was Montessori anders macht, als die Regelschule. Dabei sei es wichtig, dass man auch dort alle gängigen Schulabschlüsse erreichen kann. Der Weg dahin ist allerdings ein anderer. Denn nach den Vorstellungen der Gründerin Maria Montessori steht das selbstbestimmte Lernen im Mittelpunkt. "Dass heißt nicht, dass jeder macht, was er will. Aber jeder will, was er macht", formulierte der Schulleiter. Das bedeutet: Die Kinder entscheiden selbst, was sie lernen möchten. Die Lehrer verstehen sich als Anleiter und Helfer. Dabei nutzen sie Unterrichtsmaterialien, die zum Teil 100 Jahre alt sind, bei denen aber der Satz des "Greifens zum Begreifen" zu Grunde liegt. So konnten bei der Informationsveranstaltung in Friedrichsthal auch die Eltern anhand von Holzplättchen sehen, dass die Summe der Quadrate über den Schenkeln des rechtwinkligen Dreiecks genauso groß ist, wie das Quadrat über der Basis.

Montessori wird als gebundene Ganztagsschule geführt. Das gemeinsame Mittagessen ist Teil der Pädagogik. Es wird altersübergreifend gelernt, bis zum Ende der Klassenstufe acht gibt es keine Noten. Dafür geben Entwicklungsberichte und Elterngespräche den Erziehungsberechtigten Rückmeldungen über den Lernfortschritt ihrer Kinder.

Diese Übernehmen von Beginn an Verantwortung für ihre Klasse und die Schule. Sie arbeiten in Projekten bis hin zur Schulfirma. Wegen des besseren Raumangebots in Friedrichsthal soll neben der bisherigen Bienenzucht , den Hühnern und Hasen auch ein englisch-sprachiges Projekt mit Schafen begonnen werden.

In Saarbrücken-Schafbrücke gibt es derzeit etwa 180 Schülerinnen und Schüler, im Sommer kommen 36 freie Plätze dazu. Der Einstieg in die Montessori-Pädagogik sei ab Klasse fünf am einfachsten, der Wechsel aus der Regelschule sei "nach den ersten Verletzungen nicht immer einfach. Einen Schulabschluss kann man sich auch bei uns nicht erkaufen", so Basselli, "Kinder, die von uns in die Regelschule wechselten, haben ihren Weg erfolgreich fortgesetzt."

Apropos kaufen: Das Land übernimmt rund 50 Prozent der Sachkosten, den Rest muss die Montessori-Schule über Spenden und eben über Schulgeld einnehmen. 300 Euro sind monatlich fällig.