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Für Walters war es ein Erlebnis fürs Leben

Für Walters war es ein Erlebnis fürs Leben

Abenteuer Seidenstraße bis in die Mongolei: Bildstocker Paar zehrt noch lange von der Herzlichkeit in vielen Ländern

Die oberflächliche Frage, die Reisenden nach ihrer Rückkehr immer wieder gestellt wird, ersparen wir ihnen: ,,Und, wie war's?" Ein Adjektiv zu finden, das die Erlebnisse von Heike und Markus Walter auf den Punkt bringen könnte, gibt es nicht. Dafür war das Abenteuer des Ehepaares aus Bildstock zu vielschichtig, zu gegensätzlich, manchmal auch überwältigend. Nach 31 000 Kilometern, sechseinhalb Monaten auf Tour, nach 17 Überquerungen von Landesgrenzen - davon zwölf ,,richtige" und fünf innerhalb der EU - haben sie quasi einen riesigen Rucksack mit Eindrücken mit nach Hause gebracht. Davon werden sie noch lange zehren und sich zurückerinnern an das, was sie beide in den Vordergrund rücken: die überbordende Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit der Menschen in Zentralasien, speziell im Iran. ,,Das werde ich jedem erzählen, weil das, was wir dort erlebt haben, so weit weg ist von allen gängigen Klischees", sagt er. Die Menschen, die sie trafen, das sei das Allerschönste gewesen - neben der Kultur und faszinierenden Landschaften. Man sei beschenkt, oft auch zum Essen oder zur Übernachtung in Häusern eingeladen worden. Und wenn das ,,Schneggsche" genannte, zum Wohnmobil umgebaute Militärfahrzeug der Walters mal wieder streikte, fand sich auch immer jemand, der half und die Ersatzteile herbeischaffte oder selbst am Wagen mitschraubte.

Ja, das Fahrzeug hat Richtung Mongolei einiges mitgemacht, durch hohe Beanspruchung auf ,,Schüttelpisten". Es gab Schäden, die vom Alter und vor allem vom zu hohen Gewicht des Fahrzeugs herrührten: gebrochene Federn, defekte Wasserpumpe, losgerüttelte Schrauben, gebrochener Kotflügelhalter - all das und noch mehr galt es, wieder in den Griff zu kriegen - und hat dann auch tatsächlich funktioniert. Weil Markus Walter alles andere als ahnungslos ist, wenn es um sauber ausgeführte Reparaturen geht. Weltreisenden, die Ähnliches vorhaben wie er, rät er dringend, Gewicht einzusparen und ein Basisfahrzeug für das Wohngehäuse zu kaufen, das robust genug ist, um solcherlei Strapazen zu überstehen. In der Mongolei angekommen, wollten die Eheleute Walter ursprünglich ihr ,,Schneggsche" dort überwintern lassen und im Frühjahr per Flugzeug zurückkehren. Doch das ließ sich aus verschiedenen Gründen nicht realisieren. Also sind sie wieder ins Fahrzeug gestiegen und haben die lange Reise ins Saarland angetreten. Wobei rund 9000 Kilometer auf den ,,Heimweg" vom Baikalsee entfielen - der tiefste See der Erde, den Markus Walter auch als Badegast erlebte.

Es ist so viel, was in Erinnerung bleiben wird. Unter anderem die Tatsache, dass man in der Ferne zwar auf den ein oder anderen ,,windigen", um nicht zu sagen korrupten, Polizisten oder Grenzer traf, jedoch kein einziges Mal Schmiergeld zahlte. Brenzlige Situationen gab es auch da nicht.

Ein schier unglaubliches Erlebnis am Rande: In Isfahan braucht der Bildstocker einen Kieferchirurgen, weil ihm, nach dem Genuss einer Nuss, ein Backenzahn abgebrochen ist. Zufällig trifft er auf einen Iraner, der seit 30 Jahren als Schwimmmeister in Kaiserslautern arbeitet. Auch er hat, ebenso wie Markus Walter, mal Wasserball gespielt. Und so haben sie gemeinsame Bekannte in der heutigen Mannschaft des KSK Kaiserslautern. Und des Schwimmmeisters Neffe ist Zahnchirurg. Er hilft dem Mann aus dem Saarland, seine Pein loszuwerden. Dem reiselustigen Ehepaar fällt es auch heute, einige Zeit nach der Heimkehr, noch immer schwer, sich einzugewöhnen. Der Weg war das Ziel, und jetzt ist Stillstand eingekehrt. Der Herr des Hauses hat aber schon ein älteres Feuerwehrfahrzeug erworben, um, aus Gründen der Stabilität, den Wohntrakt darauf zu montieren. Das kann noch eine Weile an Bastelarbeiten in Anspruch nehmen. Aus familiären Gründen werden die beiden im kommenden Jahr eine Abenteuer-Pause einlegen, doch im Frühjahr 2018 geht es wieder los. ,,Wir wollen unbedingt wieder in den Iran", sagt er, ,,daran haben wir die positivsten Erinnerungen." Und: ,,Die Reise entlang der Seidenstraße, die uns in die Mongolei geführt hat, war für uns ein Highlight, wir können es kaum erwarten, wieder aufzubrechen."

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