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Nach der Absage
Faasebooze lassen sich Spaß nicht nehmen

Friedrichsthal/Neunkirchen. Wegen der Absage des eigenen Umzugs weichen die Friedrichsthaler Narren in umliegende Kommunen aus. Von Stefan Bohlander

Die Absage traf die Narren schwer: Wegen neuer Auflagen musste ein neues Sicherheitskonzept für den Rosenmontagsumzug in Friedrichsthal gefunden werden. Das ginge aber nicht so schnell, teilte der veranstaltende Heimat- und Verkehrsverein Ende 2017 mit. Stattdessen wolle man sich im April treffen und liebäugelt mit der Gründung einer Interessengemeinschaft, die „von der Genehmigung bis zu Abwicklung und Finanzierung eines neuen und zukunftssicheren sowie attraktiven Faschingsumzuges Verantwortung tragen wird“. 2019 soll neu gestartet werden.


Darüber berichteten die Saarbrücker Zeitung und andere Medien natürlich. Und so wurde Friedel Wagner „durch Zufall“ auf diesen Umstand aufmerksam. Der Karnevalist aus dem Kreis Neunkirchen ist Zugmarschall des dortigen Umzuges, des zweitgrößten im Saarland und nach eigenen Angaben eines der größten im Südwesten überhaupt. Seine Idee: Die drei Karnevalsvereine aus Friedrichsthal sollen sich einfach dem Zug in Saarlands zweitgrößter Stadt anschließen. „Wir haben ja alle gerne dabei“, so seine Einladung.

Tatsächlich folgten die Narren des KV Blau-Weiß dem Aufruf. „Der Kontakt kam zustande, da wir eine Alternative gesucht haben“, sagt die 2. Vorsitzende Tatjana Septimus. Im Umkreis sei man dann sofort auf Neunkirchen gestoßen, „da wir schon immer mal bei einem großen Umzug mitgehen wollten“. Mit 54 Akteuren ist man am Start, das Motto lautet „Mir sin äns“. „Wir freuen uns natürlich sehr, eine Alternative gefunden zu haben“, erklärt sie. Nichtsdestotrotz sei man jedoch mit Friedrichsthal sehr verbunden und freue sich natürlich, wenn die Kultur dort erhalten bleibe und man wieder mitlaufen könne. Bereits Anfang Januar plante die NKV bei der Akteursversammlung ihre Teilnahme am Umzug in Spiesen am Fastnachtdienstag, sagt der Vorsitzende Carsten Bach. „Wir nehmen mit einer Fußgruppe aus Teilen aller NKV-Gruppen mit circa 40 Personen teil“, so Bach. Am Rosenmontag finde ab 15.30 Uhr wie geplant die Rosenmontagsparty statt. Ebenfalls nicht in Neunkirchen, sondern in Spiesen dabei sind die Karnevalisten der Kneisjer vom Hoferkopp. „Wir haben uns kurzfristig mit einer Fußgruppe von 50 Leuten zum Umzug angemeldet“, so Vroni Längler, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Montags laden die Kneisjer wieder zum bunten Treiben in ihre Halle ein.

„Irgendwo blutet das Herz schon“, sagt Friedel Wagner zum Ausfall des Umzuges in Friedrichsthal. Er könne den Schmerz ganz gut nachfühlen: Vor zwei Jahren wurden saarlandweit wegen Sturmgefahr so ziemlich alle Umzüge teils sehr kurzfristig abgesagt, auch der in Neunkirchen. „Gerade Kinder und Jugendliche freuen sich doch und bereiten sich lange vor“, so Wagner.

Als Zugmarschall kümmert er sich für den Neunkircher Karnevalsausschuss (NKA) um die Organisation des Zuges und den Kontakt mit den Teilnehmern. 115 Gruppen aus 40 Vereinen nehmen teil, insgesamt 1472 Teilnehmer, wie er aus dem Kopf weiß. Wagner ist Vizepräsident bei seinem Heimatverein Karnevals- und Kulturverein Wellesweiler und steht dort seit Jahren als „De Annerschd“ in der Bütt. Der Umzug 2018 ist sein 14. insgesamt und hat eine Länge von 760 Metern. Zum ersten Mal dabei ist die Gruppe Imperial Order, die mit ihren Star-Wars-Kostümen recht weit vorne ist. Aus dem Sulzbachtal gehen unter anderem noch die Nodepirade mit. Los geht es um 14.11 Uhr in der Hermannstraße, durch die Marktstraße bis zur ehemaligen „Keksdose“ am Saarpark-Center, wo der Zug schließlich endet.



Fastnachter mit Leibe und Seele ist Friedel Wagner.
Fastnachter mit Leibe und Seele ist Friedel Wagner. FOTO: Neunkircher Karnevalsausschuss