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„Es wird immer ruhiger – und das nicht erst seit diesem Jahr“

„Es wird immer ruhiger – und das nicht erst seit diesem Jahr“

Noch am heutigen Dienstag wird in Friedrichsthal die ,,Quetschekuchekerb“ gefeiert. Das bunte Treiben hat die SZ am Samstagabend beobachtet. Und von einem Schausteller erfahren, dass nicht alles mehr rund läuft.

Das angenehme Spätsommerwetter taucht am Abend den Marktplatz in ein gefälliges Licht. Aus Richtung Rathaus kommend kann man bereits vom Weitem den Sound des Autoscooters in der Saarbrücker Straße hören. Die vor allem bei jungen Leuten beliebten Wagen drehen unter bunten, zuckenden Lichtern ihre Runden. "Und ab geht die Post", ruft der Herr am Chip-Schalter den Kindern und Jugendlichen zu. Die haben ihren Spaß und fahren gezielt aufeinander zu. "Eine irre Fahrt ist das hier, haltet eure Girls fest", ruft der Mann am Mikrofon ihnen zu. Ob der Nachwuchs der Aufforderung nachkommt, ist nicht erkennbar. Nun wird der Moderator übermütig und steuert einen Jodler aus der Konserve bei. Irgendwie passt der nicht so ganz zur aktuellen Chart-Musik. Aber das Fahrgeschäft will ja auch auffallen und Neugierige in seinen Bann ziehen.

Was zu registrieren ist, sind die fehlenden Trinkgelage hinter der Bahn in Richtung Park. Dort hatten sich früher mal meist Halbwüchsige mit Alkohol vom Discounter versorgt und die Flaschen aus dem mitgebrachten Einkaufswagen geleert. Dies scheint zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht mehr der Fall zu sein. Eine andere Anordnung der Schausteller-Lastwagen sowie deren Anhänger, nebst einem Sichtschutz auf dem Scooter, scheint für Abhilfe zu sorgen. Von diesen Dingen bekommt der Betreiber der Fliegerbahn nahe der Ampel nichts mit. Sein Fahrgeschäft mit dem Pressluft-Höhenflieger ruht zu dieser Zeit. Ein Defekt zwingt zur Pause, was so nicht geplant war. Ein Flieger befindet sich auf einem für ihn ungewöhnlichen Platz: vor der Bahn auf dem Pflaster. Vier Männer versuchen, das technische Problem zu lösen. Werkzeug fällt zu Boden und klirrt.

"Ich will zum Karussell", ruft die kleine Meira ihrer Mutter Maria Schneider zu. Schnell hat sie das Feuerwehrauto in Beschlag genommen und lenkt begeistert. Sonst würde die Kleine das grüne Boot bevorzugen, berichtet die Mutter. "Mami, hier ist schon der Nikolaus", sagt die Vierjährige. Durchaus, er fährt auf der "Disney World"-Bahn nämlich weiter hinten auch mit. Selbst dann, wenn seine Zeit noch längst nicht gekommen ist. An einem Stand seitlich lautet das Motto "Verrückte Dosen. Abräumen - freie Auswahl". Mit drei Treffern hat man die Chance, nach Gutdünken auszusuchen, lautet die Erklärung. Eine Aufgabenstellung, der nicht jeder nachkommen kann.

"Es wird immer ruhiger - und das nicht erst seit diesem Jahr", sagt ein Schausteller, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. So etwas wie Kirmes sei ein Auslaufmodell, meint eine Frau an seinem Stand. Das scheint dem Mann, der die Kraft seines rechten Fußes gerade an einer Art Fußball-Automat ausprobiert, ziemlich egal zu sein. Das Gerät klingelt bis zum Gehtnichtmehr und die Digitalanzeige klettert höher und höher. Der Herr mit dem muskulösen Oberkörper freut sich und grinst. "Hascht Du gudd gemacht", sagt seine weibliche Begleitung. Drei Jugendliche gegenüber am Eisstand beobachten das Pärchen. Doch alle drei sind mit dem genüsslichen Schlecken einer sahnigen Portion vom Eispalast Klein beschäftigt. "Ich komme jedes Jahr zur Friedrichsthaler Quetschekuchekerb. Meist verbinde ich es mit dem Besuch meiner Enkelkinder", erzählt uns Martina Soboljok aus St. Wendel.

Der Familientag ist am heutigen Dienstag, 13. September. Die Kirmesbesucher dürfen sich auf einige Überraschungen freuen, teilt die Stadt Friedrichsthal mit.