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„Es ist alles wie geplant gelaufen“

„Es ist alles wie geplant gelaufen“

170 000 Euro sollte die Sanierung des Hoferkopfturms kosten. Zu viel für die leeren Kassen der Stadt. Gestern riss die Firma Terrag den maroden Turm um. Die Arbeiten verliefen reibungslos.

Die Feuerwehr half mit ihrer Drehleiter beim Abriss.

In guten Zeiten diente der Hoferkopfturm als schöner Aussichtspunkt. Bis zum Schwarzenbergturm oder zum Schaumberg konnte man da schauen - je nach Wetterlage natürlich. Die guten Zeiten des Turms sind nun zu Ende, eigentlich schon seit knapp einem Jahr. Denn da wurde das Gelände um das etwa 21 Meter hohe Holzgerüst großräumig abgesperrt, nun liegt der Hoferkopfturm komplett am Boden.

"Das ist schon schade", meinte Friedrichsthals Bürgermeister Rolf Schultheis , als die Arbeiten am frühen Freitagmorgen in Bildstock begonnen hatten. Doch die auf 170 000 Euro geschätzte Sanierung wäre wirtschaftlich nicht zu vertreten gewesen, auch habe akute Einsturzgefahr bestanden. Knappe zweieinhalb Stunden später, kurz vor 10 Uhr, war der Turm Geschichte - schon wieder. Denn das 1994 errichtete Wahrzeichen des Stadtteils war ja bereits der zweite Aussichtspunkt. Dessen Vorgänger wurde 1972 abgerissen.

Während sich mancher der etwa 30 Zaungäste wegen der morgendlich frischen Temperaturen einen Kaffeestand oder scherzhaft eine Rasenheizung gewünscht hatte, wurden bei anderen Erinnerungen an die eingangs erwähnten guten Zeiten wach. Einer, dem das Herz ein wenig blutete, auch wenn er die Notwendigkeit des Abrisses nicht anzweifelte, war Christian Jung. Der Pressesprecher der Stadt Friedrichsthal erinnerte sich daran, wie er beim Bau schon anwesend war. "Mindestens zweimal am Tag war ich hier oben", blickte er zurück. Als Mitglied des Technischen Hilfswerks war das. Das THW war damals am Bau maßgeblich beteiligt. Auch von kleinen Geschichten wusste er zu berichten. So etwa, dass es durch das Benutzen von Einweg-Grills zu kleineren Brandschäden auf der Aussichts-Plattform gekommen war.

"Es ist alles wie geplant gelaufen", zog Rolf Felix Meyer nach dem Turmfall Bilanz. Der Oberbauleiter von der Abteilung Rückbau des Homburger Unternehmens Terrag schaute zufrieden auf die Holztrümmer, die sich auf dem Vorplatz des Hoferkopfturmes schichteten. Auf den neutralen Beobachter hatte es zwar gewirkt, als sei der Turm zu weit nach rechts gefallen, doch dies habe man eingeplant, versicherte er. Schließlich habe man nicht ganz genau sagen können, wohin sich der Turm neigen würde. Probleme hätte es nur gegeben, wenn er nach links und somit auf Stromleitungen gekippt wäre. Glück habe man mit dem Wetter gehabt, da kein starker Wind geherrscht hatte.

So klappten die Arbeiten reibungslos. Seine Mitarbeiter konnten sorgfältig die Stahlseile an den oberen Balken anbringen und sie mit den wartenden Baggern verbinden. Auch das An- und teilweise Absägen der unteren Querbalken mittels der Motorsägen funktionierte einwandfrei. Zwischenzeitlich äußerten noch einige Zuschauer Bedenken, ob der Turm deswegen nicht zu früh einstürze. Manche scherzten auch, man sollte einfach drantreten und hoffen, dass er fällt, so morsch sei er schließlich. "Der größte Schwachpunkt ist vom Festplatz aus gesehen rechts hinten", wusste es Rolf Felix Meyer genau. Dort sei der Hoferkopfturm schon regelrecht durchgefault gewesen.

Während ein Bagger die einzelnen Balken aus Tannenholz auf einem Haufen sammelte, erklärte Bürgermeister Schultheis, dass es sich bei dem Holz um Schadstoffklasse 4 handele. Es werde nun zum größten Teil entsorgt, unter anderem in Heizkraftwerken rückstandsfrei verbrannt. Das THW werde für Sägeübungen ebenfalls einige Stücke bekommen.

Nicht mal zehn Sekunden hatte der eigentliche Sturz des Hoferkopfturmes gedauert. Im Anschluss packten die Schaulustigen ihre Kameras wieder ein und die Besucherschar löste sich auf.