| 17:07 Uhr

Es geht um die Zukunft der Bücherei

Friedrichsthal. Mit dem Fortbestand der Stadtbücherei in Friedrichsthal befasst sich in Kürze der Kulturausschuss. Nach Angaben der Verwaltung verschlingt die Bibliothek kein Geld. Die CDU jedoch fordert eine Fusion. Thomas Feilen

Um den Fortbestand der Bücherei der Stadt Friedrichsthal gibt es seit Wochen eine parteipolitische Auseinandersetzung. Während die CDU-Fraktion vorgeschlagen hatte, die Kosten für die Stadtbücherei einzusparen und stattdessen eine Kooperation mit der Stadtbibliothek Sulzbach einzugehen, sehen das SPD und Linke im Stadtrat ganz anders. Sie wollen die "kleine, aber feine" Stadtbücherei im Rathaus erhalten. Das vor allem aus bildungs- und sozialpolitischen, aber auch aus finanziellen Gründen. Denn das Einsparvolumen von rund 200 Euro im Jahr sei nunmal sehr gering.


Diese Summe ist jedoch kein Zuschuss an die Institution aus der Stadtkasse. Nein, die Bücherei finanziert sich quasi selbst. Wie Stadtsprecher Christian Jung der SZ auf Anfrage bestätigte, stammt das Geld zur Anschaffung von Büchern aus den Einnahmen für Ausleihen aus dem jeweiligen Vorjahr.

Gingen die Ausleihzahlen zurück, was statistisch nachgewiesen wurde, schrumpfe auch der Etat zur Neuanschaffung fürs Folgejahr. Allerdings gebe es jedes Jahr eine schöne Anzahl von Sachspenden für die Bücherei. Personalkosten fielen im Grunde genommen nur buchhalterisch an, denn die zuständige Mitarbeiterin Gabriele Fries vom Fachbereich 3 werde mit anderen Verwaltungstätigkeiten betraut, wenn sie nicht für die Stadtbücherei tätig sei. So helfe sie zurzeit zum Beispiel bei der Erstellung von Bußgeldbescheiden für zu schnelles Fahren im Stadtgebiet.

Die Linke hatte gefordert, dass die Verwaltung mit Lehrerinnen und Lehrern, die bereits im Ruhestand sind, Kontakt aufnimmt mit dem Ziel, die Lehrkräfte fürs Vorlesen in den Räumen der Bibliothek zu gewinnen. Dadurch könnte eine größere Resonanz bei Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern erreicht werden. Vorgeschlagen wurde auch, dass die Volkshochschule die Bücherei nutzen könnte für Vorträge oder andere Veranstaltungen. Wanderausstellungen von Arbeitskammer und Gewerkschaften würden nach Meinung der Linken ebenfalls zur Steigerung der Attraktivität beitragen. Die Stadtbibliothek könnte auch "ein Ort der Begegnung mit ausländischen Mitbürgern" werden. Wenn es gelänge, für Veranstaltungen, die "kein großes Geld kosten müssen", aus den Reihen der Wirtschaft und der Bevölkerung Paten zu gewinnen, wäre dies ein großer Erfolg, hatte die Partei seinerzeit vorgeschlagen (die SZ berichtete).

Auch die SPD-Fraktion lehnt die CDU-Forderung vehement ab. Jörn Walter, einer der beiden Fraktionsvorsitzenden, hatte in einer vergangenen Stadtratssitzung darauf verwiesen, dass ein aus Sicht der Koalition von SPD und Linken völlig unnötiger Rechtsstreit die Stadtkasse mit rund 600 Euro belaste, was für etwa drei Jahre gereicht hätte, um neue Bücher anzuschaffen. Hier fühlte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Jung angesprochen und betonte, dass nicht die Stadtkasse die genannte Summe für Rechtsanwaltskosten als Unterlegene zu zahlen habe, sondern Rolf Schultheis als Privatperson. Über diese Aussage zeigten sich damals viele Ratsmitglieder sehr verwundert.



Wie Stadtsprecher Jung der SZ bestätigte, ist der ausstehende Betrag von etwas über 500 Euro, den ein Gericht festgesetzt habe, mittlerweile aus der Stadtkasse beglichen. Aus dem kommunalen Etat deshalb, weil das Gericht festgestellt habe, dass es sich um eine Organklage gehandelt - sich also gegen die Kommune und deren Bürgermeister gerichtet habe, und nicht gegen die Privatperson Rolf Schultheis .

Im Kulturausschuss soll voraussichtlich im September über die Bücherei und ihre Zukunft geredet werden.