Englischstunde der anderen Art

Friedrichsthal. Die Erweiterte Realschule Friedrichsthal (Edith-Stein-Schule) ist seit acht Jahren "Schule ohne Rassismus", was auch im pädagogischen Programm zum Tragen kommt. "Jährlich ist ein Zeitzeuge zu Gast, der den Schülern von seinen Erlebnissen in der nationalsozialistischen Zeit berichtet

Friedrichsthal. Die Erweiterte Realschule Friedrichsthal (Edith-Stein-Schule) ist seit acht Jahren "Schule ohne Rassismus", was auch im pädagogischen Programm zum Tragen kommt. "Jährlich ist ein Zeitzeuge zu Gast, der den Schülern von seinen Erlebnissen in der nationalsozialistischen Zeit berichtet. Über die Landeszentrale für politische Bildung konnte in diesem Jahr Menachem Kallus gewonnen werden", berichtet Schulleiter Werner Hillen. Der Klasse 9 M erzählte Kallus von seinen schrecklichen Erlebnissen im Konzentrationslager (KZ).Eigentlich wollte Kallus nie mehr Deutschland besuchen, mehr als 60 Jahre hat er seine Kindheitserlebnisse in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen verschwiegen, selbst vor seiner Frau. 2001 brach er sein Schweigen und schrieb das entsetzliche Geschehen auf. Mit seinem Buch "Als Junge im KZ Ravensbrück" war er nun nach Friedrichsthal gekommen, um daraus zu berichten. Begleitet wurde er von seiner Schwester Emmi Arbel und von seiner Schwägerin Alice Hoffmann, die Teile seiner Ausführungen ins Deutsche übersetzte.

Die Englisch-Schüler und ihr Lehrer Ulrich Mühlberger waren stolz, dass sie bereits nach zweieinhalb Jahren Unterricht so fit sind, dass sie den Ausführungen ohne Probleme folgen und sogar auf Englisch Fragen an den Zeitzeugen stellen konnten.

Menachem Kallus berichtete von seiner Kindheit. Die Schüler erfuhren von der Trennung von seinem Vater (er starb im KZ Buchenwald), von den Großeltern (sie kamen in Auschwitz ums Leben) und schließlich von seiner Mutter und seinen Geschwistern. Aus seinem Buch zitierte er Abschnitte über den grausamen Alltag im Konzentrationslager Ravensbrück. Nicht selten musste er um sein Leben fürchten. Die Schüler hörten ihm aufmerksam zu, waren zutiefst betroffen von seinen Ausführungen. red

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