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Eine öffentliche Spielmöglichkeit im XXL-Format

Eine öffentliche Spielmöglichkeit im XXL-Format

Der Esel auf dem Nachbargrundstück staunt, die beiden Pferde auch: großer Bahnhof auf dem Spielplatz Feldstraße. Junge Künstler, die Hände weiß verschmiert, toben herum. Zwei von ihnen, Joy und Farah, erklimmen die Mini-Rutsche. Eigentlich ist das nagelneue, multifunktionale Gerät mindestens zwei Nummern zu klein für die beiden Achtjährigen. Spaß haben sie trotzdem. Derweil versuchen Männer in Schaffklamotten, entrindete Robinien zu bewegen. "Die Baumstämme geben später die Einfassung für den Sandkasten und dienen gleichzeitig als Sitzgelegenheit", erläutert Elisabeth Schindelhauer von der Gemeinwesenarbeit (GWA) Friedrichsthal der Caritas. Auch wenn das hier als offizieller Startschuss für die Erweiterungsarbeiten gilt. Geackert wird hier schon seit zwei Wochen. Oder vielmehr: seit zehn Jahren. Damals nämlich hatten Eltern und Kinder in einem Beteiligungsprojekt den Spielplatz gemeinsam gebaut. Die 37 000 Euro dafür kamen aus dem Programm "Soziale Stadt". Seitdem kümmern sich Bürger, darunter etliche Anwohner, mit Unterstützung von GWA und Stadt um die in den Hang integrierte Anlage.

Was Bürgermeister Rolf Schultheis sichtlich freut: "Oft erleben wir, dass etwas eingerichtet wird und dann kümmert sich keiner drum. Es verfällt und wir müssen immer wieder Geld reinstecken." Dagegen sei das in der Feldstraße "ein Vorzeigespielplatz und Vorzeigeprojekt". Allerdings eines, das bislang ohne Spielmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren auskommen musste. Um das zu ändern, holte sich die Spielplatzinitiative Anregungen auf vergleichbaren Anlagen in Saarbrücken und entwickelte eigene Ideen für den Spielplatz.

"Erst wurde überlegt, selber etwas zu bauen", verriet Elisabeth Schindelhauer. Aber dann dachte man an die alljährliche TÜV-Inspektion "und da war nicht klar, ob wir das so hinbekommen". Stattdessen suchte man lieber Sponsoren und wurde auch fündig. Etliche ortsansässige Firmen, Privatleute und Organisationen steuerten etwas bei, am Ende kam man auf 5357 Euro.

Weichen musste der Bouleplatz, wo bereits Erdmassen ausgehoben wurden. Die ganze Ebene wird mit Sand verfüllt. Der so entstehende XXL-Sandkasten erhält außer der Rutsche noch eine Hängematte. Bestehen bleibt die "Villa Feld", die nun mit einem Dach komplettiert werden soll. "Dieses Angebot hier ist gut platziert, denn fast jedes zweite Kind in der Stadtmitte ist von Armut bedroht", betonte Elisabeth Schindelhauer. Der neue Bereich soll nun auch Eltern mit Kleinkindern ermöglichen, sich im öffentlichen Raum zu treffen, auszutauschen und den Mädchen und Jungen ein attraktives Angebot zum Spielen und Lernen zu bieten.

Vom weiß erblühten Kirschbaum "schneit" es Blütenblätter auf die Anwesenden. Und Bürgermeister Schultheis spricht quasi das Schlusswort, bevor mit schwarzem Kaffee angestoßen wird: "Ich glaube, das war nicht die letzte Aktion in der Feldstraße - so wie ich die Leute hier kenne."