Ein zweisprachiges Dankeschön

Am gestrigen Sonntag gab es nach einigen Jahren „ohne“ wieder einen Neujahrsempfang der Stadt Friedrichsthal. Dazu waren auch Vertreter aus Lipova in Rumänien angereist.

Bürgermeister Rolf Schultheis (SPD ) nahm gestern beim Neujahrsempfang im Rathausfestsaal insbesondere zur finanziellen Situation der Kommune Stellung. Friedrichsthal sei die erste saarländische Stadt gewesen, die ihr Eigenkapital aufgebraucht habe. "Das war auch keine Kunst - wir hatten nur knapp neun Millionen Euro", betonte Schultheis. Mit 9,04 Quadratkilometern sei man flächenmäßig die kleinste Stadt des Saarlandes. Seit drei Jahren verfüge man über keinen genehmigten Haushalt. Dennoch resigniere man nicht, sondern packe an.

Das Ergebnis: 2013 und 2014 konnte auf die Aufnahme weiterer Kassenkredite verzichtet werden. Die Investitionskredite konnten von 6,7 Millionen in 2012 auf sechs Millionen Ende 2014 zurückgefahren werden.

Für die Zukunft gab sich Rathauschef Schultheis verhalten. Durch zusätzliche Aufgaben und weniger Zuweisungen erwartet er alleine für dieses Jahr eine Mehrbelastung von 1,5 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr habe man einiges umgesetzt: Die Stadtmitte-Sanierung sei mit der Fertigstellung des Glashüttenparks weitestgehend abgeschlossen. Mit der evangelischen Kirchengemeinde sei der der Neu- und Umbau des Kindergartens vollbracht worden. Das Neubaugebiet Geißwies nimmt mit den ersten Häusern positive Gestalt an, so der Verwaltungschef gestern weiter. Schwerpunkt der kommunalen Aufgaben, so sei es auch mit Innenminister Klaus Bouillon (CDU ) abgesprochen, sei der Erhalt und nicht der Neubau von Bädern, Hallen und weiteren Einrichtungen. Sinnvolle Sanierungen hätten sich in der Vergangenheit bereits als Verhinderungsstrategie gegen mögliche Schließungen oder Abrisse erwiesen. Dies diene auch dem Vermögens- und Werterhalt.

Neu gestaltet sei der Rechtschutzsaal in Bildstock. Das älteste Gewerkschaftshaus Deutschlands brauche nun ein tragfähiges Nutzungskonzept. Gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde stehe bald die Sanierung des Vereinshauses Friedrichsthal an. Aber auch die ehemalige Kleiderfabrik Kirsch, die Halde Maybach , der Hoferkopfturm, das Bürgerhaus Maybach sowie die menschengerechte Unterbringung von Flüchtlingen stünden auf der Agenda.

Rumänisches Lied gesungen

Ein zweisprachiges Dankeschön
 Die Bürgermeister Rolf Schultheis (links) und Mircea Jicichi.
Die Bürgermeister Rolf Schultheis (links) und Mircea Jicichi.

Im Rahmen der Veranstaltung ging der Bürgermeister ausführlich auf die Verdienste verschiedener Gruppierungen ein. So ehrte er Mitglieder des Deutsch-Rumänischen Freundschaftskreises Saarland, der alleine 2014 neun Hilfstransporte mit rund 100 Tonnen Hilfsgütern nach Lipova im Kreis Arad organisierte. Stellvertretend seien hier Harald Hauch und Werner Loos erwähnt, die 50, bzw. 35 je einwöchige Hilfseinsätze absolvierten. Hauch war zudem 15 Mal als Weihnachtsmann vor Ort. Vorsitzender Willi Gehring war bereits 163 Mal je eine Woche in Rumänien . Die Gruppe bedankte sich mit einem rumänischen Lied für die Ehrung. Erstmals war auch eine Delegation aus Rumänien beim Neujahrsempfang dabei. Lipovas Bürgermeister Mircea Jicichi bedankte sich in seiner Muttersprache (ein anderer rumänischer Gast übersetzte) für die jahrelange Solidarität aus dem Saarland. Friedrichsthal habe sehr dazu beigetragen, dass die Not und die Armut vor Ort gelindert werden konnten. Dabei seien viele Freundschaften entstanden.

Auch der Arbeitskreis kinder- und jugendfreundliches Friedrichsthal , der Seniorensicherheits- und der Seniorenbeirat wurden entsprechend gewürdigt (ausführliche SZ-Berichte hierzu folgen).

Die Sängerin Jeanette Glod alias "Jeani" begleitete den Empfang gesanglich und musikalisch am Klavier und setzte dabei beispielsweise mit Whitney Houstons "I will always love you" und Leonhard Cohens "Hallelujah" den kulturellen Glanzpunkt des gestrigen Mittags. Bezirksschornsteinfegermeister Bernhard Kraß hatte gemeinsam mit seiner Ehefrau die Gäste am Eingang begrüßt und ihnen je einen Glücksbringer überreicht.Die CDU-Stadtratsfraktion nahm gestern nicht offiziell am Neujahrsempfang teil. Allerdings war die Mit-Fraktionsvorsitzende Anja Wagner-Scheid gestern im Rathausfestsaal. Gegenüber der SZ erklärte sie, dass ihre Fraktion sich nicht an den Kosten des Empfanges beteiligt. Ob einzelne ihrer Fraktionskollegen einmalig auf die monatliche pauschale Aufwandsentschädigung von 50 Euro verzichten wollten, entziehe sich ihrer Kenntnis. Neben allen Fraktionsmitgliedern von SPD und Linken sponserten mit je 50 Euro sowohl die beiden Grünen-Stadträte - Harald Hauch (Fraktionsvorsitzender) und Dr. Horst-Henning Jank - als auch die FDP-Stadträtin Nadine Klein den Neujahrsempfang. Das bestätigten sie gestern der Saarbrücker Zeitung ausdrücklich. Die Stadt selbst darf aus Haushaltsgründen keine Mittel für den Empfang aufbringen.

Bürgermeister Rolf Schultheis betonte in seiner Rede, dass man absichtlich keinen politischen Neujahrsempfang durchführen wollte. "Dann hätten ja alle Neujahrsempfänge diesen Touch", betonte er.