Ein starkes Stück

Friedrichsthal/Bildstock. Am Donnerstagabend war es soweit: 17 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 6 und 7 der Edith-Stein-Schule in Friedrichsthal stürmten in grauen Kostümen als Mäuserudel auf die Bühne. Die jungen Schauspieler hatten für die Premiere ein ganzes Jahr geübt

Friedrichsthal/Bildstock. Am Donnerstagabend war es soweit: 17 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 6 und 7 der Edith-Stein-Schule in Friedrichsthal stürmten in grauen Kostümen als Mäuserudel auf die Bühne. Die jungen Schauspieler hatten für die Premiere ein ganzes Jahr geübt. "Unsere Theater-AG für dieses Projekt hat wöchentlich geprobt, wir waren ein Arbeitswochenende im Schullandheim und hatten Beratung vom Theater Überzwerg", berichtete Werner Hillen, Rektor der Edith-Stein-Schule, Regisseur und Leiter des Theaterprojektes, das vom Bundesprogramm "Vielfalt tut gut" gesponsert wurde. Einmal mehr haben die Schüler der "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" am Donnerstagabend im Rechtsschutzsaal in Bildstock ihre Zivilcourage "gegen Rechts" deutlich gemacht. Mit ihrem Theaterstück "Ruckzuck und rechtsum" von Karin Hüttendorf, das auf das Buch "Der überaus starke Willibald" von Willi Fährmann zurückgeht, erzählten die Schüler ein Stück deutsche Geschichte des Nationalsozialismus auf kindgerechte Art. Das friedliche Zusammenleben eines Mäusevolks wird plötzlich gestört, als der Albino Lillimaus, gespielt von Célina Amico aus Friedrichsthal, merkt, dass die Gartentür offen ist und die Katze ungehindert ins Haus kommen kann. In dieser Gefahrensituation gelingt es dem überaus starken Willibald, gespielt von der elfjährigen Natascha Weber aus Friedrichsthal, die Macht an sich zu reißen und Lillimaus die Schuld zuzuschieben. Die Folge: diktatorische Zustände, Zwangsarbeit, Rassismus im Haus des Mäusevolks. Lillimaus wird wegen ihres Aussehens - sie ist als einzige weiß - in die Bücherkiste gesperrt. "Geschichten schlafen in ihren Büchern, wenn ich sie lese, weck ich sie auf", erkennt Lillimaus. Sie lernt lesen, gelangt durch Bildung zur Wahrheit und öffnet ihrem Volk schließlich die Augen über Willibald, der mit Angst vor der Katze und Drill seine Diktatur aufrechterhalten wollte.Rektor stolz auf die TruppeGanze 45 Minuten waren alle 17 Schüler und Schülerinnen gleichzeitig auf der Bühne. Es wurden wenige Worte pro Kind gesprochen, dennoch baute eines auf das andere auf: eindrucksvolle Sprechparolen folgten auf einzelne Worte. Die wiederkehrenden synchronen Sprechchöre verlangten Disziplin. "Das erforderte höchste Konzentration bei den Schülern", berichtete Werner Hillen, der sich sichtlich stolz auf seine Truppe zeigte. "Bin ich erleichtert, ich hatte immer Angst, was falsch zu sagen", meinte Célina Amico nach der Vorstellung. Auch Natascha Weber war froh: "Jetzt bin ich nicht mehr so aufgeregt", sagte sie. Eine Erfahrung, die sie mitnehmen kann, denn noch einige Male treten die Kinder auf: "Wir haben weitere Aufführungen im Januar in der Alex-Deutsch-Schule Wellesweiler und im September 2010 bei unserem Fest zum 45-jährigen Bestehen der Schule", sagte Hillen. ane

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