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Hilfe für Kenia
Ein großes Herz für arme Kinder

Andrea Urig (links) verteilt die Spenden an kenianische Kinder. Ihre Schwiegermutter Gudrun Urig freut sich mit den Mädchen und Jungen.
Andrea Urig (links) verteilt die Spenden an kenianische Kinder. Ihre Schwiegermutter Gudrun Urig freut sich mit den Mädchen und Jungen. FOTO: Emmanuel Dau / Gudrun Urig
Friedrichsthal. Die Friedrichsthalerin Gudrun Urig hat die Initiative „Hilfe für Kinder in Kenia“ gegründet. Von Stefan Bohlander

„Jetzt bist du reif für Kenia“ ist einer der Schlüsselsätze, den Gudrun Urig zitiert, wenn es um ihre Initiative geht. Die Friedrichsthalerin lernte das ostafrikanische Land vor rund zehn Jahren kennen. Und das kam so:


Gemeinsam mit ihrer Freundin Karin Becker bummelt sie durch die Welt, macht für eine Safari Station in Kenia – und bleibt dort „hängen“. Die Armut macht Urig und Becker betroffen. Gemeinsam beschließen sie zu helfen. Nach dem plötzlichen Tod der Freundin vor rund zwei Jahren, die einst auch eingangs erwähnten Satz gesagt hat, gerät Urig in eine kurze Sinnkrise. Doch ihr Mann gibt ihr mit auf den Weg: „Wenn du jetzt aufhörst, wirst du nie wieder dort hinfahren.“

Sie hört nicht auf, findet im Gegenteil sogar Mitstreiter. Im vergangenen Jahr ruft sie schließlich die private Initiative „Hilfe für Kinder in Kenia“ ins Leben. Nachdem sie all die Jahre regelmäßig zweimal pro Jahr nach Kenia geflogen ist, dort gesammelte und selbst gekaufte Hilfsgüter verteilt hat, sind sie und ihre Mithelfer beim Weihnachtsmarkt auf dem Friedrichsthaler Marktplatz zum ersten Mal in der Öffentlichkeit präsent – mit Erfolg.

850 Euro kommen durch den Verkauf von afrikanischen Erinnerungsstücken und Spenden zusammen. Durch weitere größere Einzelspenden erhöht sich die Summe um nochmals rund 400 Euro.

Wichtig ist ihr, dass das Geld dort ankommt, wo es benötigt wird. Schließlich beruft sie sich selbst auf schlechte Erfahrungen mit Hilfsorganisationen. Urig sagt, das Geld komme teilweise kaum bei denen an, die es dringend benötigen – den Kindern. Also bezahlen sie und ihre Helfer die Flüge selbst. Diese dauern wegen des schweren Gepäcks teilweise bis zu 24 Stunden. Von Frankfurt geht es beispielsweise mit Ethopian Airlines über Addis Abeba. Bei diesen Flügen sind 46 Kilogramm im Koffer und acht Kilogramm als Handgepäck erlaubt.



Wenn man gemeinsam nach Kenia reist – bislang beteiligen sich sechs Familien regelmäßig an der Hilfe – kommt da einiges an Reisegepäck zusammen. Da die Familien an ihrem Ziel in Ostafrika bereits bekannt sind, bekommen sie mitunter vom Reiseveranstalter einen „Riesen-Jeep“ zum einfacheren Transport.

Doch womit unterstützen die Friedrichsthaler eigentlich junge Kenianer? „Mit Heften, Stiften, Kleidung, Schuhen, Spielzeug“, zählt Gudrun Urig unter anderem auf. Geholfen wird größtenteils in der Hauptstadt Nairobi, in Momabasa, der Metropole am Meer, und in den Nationalparks.

Mit Hilfe der Spenden haben die Saarländer mittlerweile unter anderem einer jungen Kenianerin die Ausbildung zur Krankenschwester ermöglicht. Einem anderen Kind, das ein Loch in seinem Herzen hatte, bezahlt die saarländische Initiative die dringend nötige Operation. Einem weiteren Mädchen überreichen die Helfer regelmäßig Kleidungsstücke. „Mit jedem Kleid wird es fotografiert“, sagt Gudrun Urig und lächelt stolz.

Für Heiterkeit sorgte es, als die Saarländer den Kindern aufblasbare Wasserbälle, die Spende einer Krankenkasse, schenkten. So etwas kannten die Kinder noch nicht.

Trotz aller Armut ist Kenia „traumhaft schön“, wie Gudrun Urig erzählt. „Wären wir nur schon wieder dort“, sagt Margit Bungert. Sie habe „Heimweh“ nach Kenia, obwohl die jüngste Reise erst ein paar Wochen her ist. Bungert ist zum ersten Mal in dem fernen Land gewesen, Urig bereits zum 21. Mal. Spontan habe die Gruppe diesmal beschlossen, die Patenschaft für den Sohn ihres  Reiseführers zu übernehmen.

Neben der dringend benötigten Hilfe vor Ort reist die Gruppe auf einer selbst zusammengestellten Route durch das Land. Dabei kommt es schon mal vor, dass ein von örtlichen Helfern aufgepäppelter Elefant quer durch eines der Zelt-Camps läuft, in denen die Helfer übernachten. Oder neugierige Affen klauen den Reisenden das Obst aus der Schale. Trotz dieser Episoden stehe natürlich die Hilfe im Mittelpunkt.

„Ich hoffe, dass wir das noch ein paar Jahre machen können“, sagt Margit Bungert. Sie erzählt mit leuchtenden Augen davon, dass die Kenianer sehr stolz seien und trotz der vielen Hilfe nichts geschenkt haben möchten. Im Gegenzug bekommen die Helfer aus dem Saarland mitunter Andenken mit auf den weiten Nachhauseweg.

So zieren die Wohnung von Gudrun Urig zahlreiche Töpfe, Vasen, Teppiche, Kerzenständer, Bilder und vieles mehr. Nicht nur aus Kenia, sondern aus vielen anderen Ländern, in denen sie bereits unterwegs war: Indien, Australien, „Kanada war ein Highlight“ – die Liste ist lang.

Ein Andenken macht ihr derzeit besondere Freude. Sie bekam die Frucht eines Brotbaumes geschenkt. „Damit habe ich Kenia täglich vor Augen“, sagt sie fröhlich.

Kontakt: Wer etwas für diese Kenia-Initiative spenden möchte, kann die Friedrichsthalerin Gudrun Urig per E-Mail unter folgender Adresse erreichen: gudrun-vinaros@t-online.de

Vor der Abreise nach Kenia (von links): Margit Bungert, Gudrun und ihre Schwiegertochter Andrea Urig sowie Karina Graf
Vor der Abreise nach Kenia (von links): Margit Bungert, Gudrun und ihre Schwiegertochter Andrea Urig sowie Karina Graf FOTO: Bernd Urig / Gudrun Urig