3-D-Drucker : Die Nasa als Vorbild für die Saar-Wirtschaft

Eine Firma aus Friedrichsthal hat sich auf das Drucken in 3D spezialisiert. Der erste Drucker „Made in Saarland“ kommt im September.

Saarbrücker Straße 40, ein Ladenlokal wie jedes andere auch. Die Tür steht offen, hier versucht jemand zu lüften. Nicht, dass es draußen sehr viel kühler wäre als innen. Aber im Verkaufsraum und nebenan in der Werkstatt stehen etliche 3-D-Drucker aller Art – und deren Druckbetten sind beheizt, 65 Grad aufwärts. Wenn alle Geräte in Betrieb sind, spart man sich den Ofen.

„Ein dünner Kunststoff-Faden wird in 0,05 Millimeter Schichten peu á peu aufgetragen. Kühlt er danach zu schnell ab, schrumpft er“, erläutert Alexander Petto eines der hier angewandten Verfahren. Petto ist Inhaber des Geschäftes wie auch der Firma saarpri.com, die sich auf das dreidimensionale Drucken spezialisiert hat. Wer jetzt spontan denkt: Ach, das sind die mit den kleinen, harmlosen Plastikspielzeugen, sitzt einem weit verbreiteten Irrtum auf.

Seinen Ursprung hat das 3-D-Drucken bei der Nasa: Die benötigt ständig Prototypen, deren Anfertigung mit herkömmlichen Herstellungsverfahren ein Vermögen kostet. Und nebenbei auch noch viel zu lange dauert. Mit einem 3-D-Drucker sieht das ganz anders aus: „Gerade für komplexere Bauteile, die aus mehreren Komponenten bestehen, bedeutet es einen Quantensprung.“ Keine Rüstzeiten, keine Werkzeugwechsel – einfach ein neues Programm laden, fertig.

Möglicher Weise nickt der Laie an dieser Stelle und versteht doch nur Bahnhof. Petto, den das 3-D-Drucken schon seit elf Jahren umtreibt – „ich hab damals einen Artikel gelesen und gedacht, das ist was ganz, ganz Großes“ – kennt das schon. Routiniert führt der früher im Vertrieb Tätige Einzelstücke vor, darunter eine Mini-Hebebühne, die man hoch- und runterkurbeln kann. „Die kam exakt so aus dem Drucker“, mit 1-A-Mechanik. Oder das große Schwert, passgenau zusammengesteckt aus Einzelteilen. Man kann sogar Edelstahl, Bronze und Gold drucken. Oder Kunststoff, der mit 75 Prozent Metallstaub versetzt ist. „Das ist das Fertigungsverfahren der Zukunft, mit dem man unheimlich kreativ umgehen kann.“

Aber das Genialste kommt erst noch: „Unser Drucker“, strahlt der 41-jährige Merchweiler und bezieht Patrick Bonsen mit ein. Der Maschinenbau-Ingenieur arbeitet seit letztem Jahr mit. Tatsächlich ist es gut möglich, dass hier gerade Geschichte geschrieben wird. Regionale Wirtschaftsgeschichte, wenn man es genau nimmt. Denn ihren 3-D-Drucker gibt es in dieser Art noch nirgends. „Er soll drucken wie eines der High-End-Geräte auf dem Markt, mit hervorragendem Druckbild“, schildert Petto seine Vision. Wichtig ist zudem die Stabilität: „Was hier wackelt, ist der Tisch, nicht der Drucker“, flachst er. Tatsächlich sind X- und Y-Achse, an denen die Druckerdüse geführt wird, absolut winklig – ein entscheidender Unterschied zu den in China produzierten Billigdruckern. „Die erzeugte Oberfläche ist makellos, das ist neu.“

Die Schmerzgrenze für den privaten Anwender liegt bei 1000 Euro. Petto und Bonsen haben es geschafft, einen Euro darunter zu bleiben. Trotz 100 Prozent „Made in Saarland“. „Das ist die Retourkutsche für alle, die meinen, aus dem Saarland kommt eh nichts Gescheites.“ Alle Zulieferer befinden sich im sträflich unterschätzten Bundesland. Petto muss lachen, wenn er daran denkt, wie man ihm einst abgeraten hat, seine Existenz hier zu gründen: „Jeder hat gesagt: Geh lieber nach Berlin.“ Nach zweieinhalb Jahren Entwicklungszeit liefert das Friedrichtshaler Mini-Unternehmen im September die ersten selbst produzierten 3-D-Drucker aus – für Petto ein innerer Vorbeimarsch par excellence.