Die Armen lieben den Geächteten

Die Achtklässler der Johannes-Schule Bildstock begeisterten mit der humorvollen und kurzweiligen Aufführung von „Robin Hood“.

50 Goldstücke! Dieser Robin Hood muss Prinz John schon mächtig auf die Füße getreten sein, dass der trotz seines Geizes ein solch üppiges Kopfgeld aussetzt.

Doch die Armen lieben den Geächteten und seine Freunde, die ihnen zurückgeben, was Mylord schamlos an sich reißt. Warum also sollten sie Robin verraten? Schon wieder zieht der Sheriff von Nottingham mit seinen Schergen durch die mittelalterliche Stadt, um Steuern einzutreiben. Auch beim kranken Schuster kennt er kein Erbarmen und holt sich dessen Notgroschen mit Gewalt.

Mit dieser Szene begann die kurzweilig und humorvoll umgesetzte Geschichte vom Rächer der Entrechteten im Festraum der Johannes-Schule.

Zuvor hatte Klassenlehrer Dieter Arnold die Besucher mit einem "ganz, ganz herzlichen Dankeschön fürs Dasein" begrüßt. Gesang, Tanz/Eurythmie, Rezitation und Darstellendes Spiel sind für Waldorfschüler das Täglich-Brot. Zusammengeführt werden diese Künste im Klassenspiel der achten Klasse. Wofür sich das Kollegium in Bildstock gern professionelle Hilfe holt.

Für Theaterpädagogen und Regisseur Ingo Fromm war es bereits die fünfte Zusammenarbeit. "Das hier sind besondere Menschen in jeder Hinsicht", äußerte Fromm nach dem langen Beifall am Schluss - nachdem Robin auf Knien um die Hand der schönen Lady Marian angehalten hatte und sich alle noch einmal an den Schultern fassten, um gemeinsam zur Melodie des Mary Poppins Songs "Chim Chim Cher-ee " zu singen und zu tanzen.

"Ich schätze dieses 1:1-Feedback total." Unverfälscht seien die Rückmeldungen, im Guten wie im Schlechten. "Und oft sehr herzlich." Wobei sich Fromm klar darüber ist, dass die Theaterarbeit gerade den Johannes-Schülern seelisch einiges abverlangt. "Der tiefere Sinn liegt darin, dass sie sich mit den Figuren identifizieren." Seine Aufgabe sieht der in Saarbrücken lebende Freiberufler darin, die jungen Mimen "bis an ihre Grenze zu bringen und noch ein Stück darüber hinaus".

Sechs Wochen haben sie intensiv miteinander geprobt: "Das Schönste ist, wenn jemand so in seiner Rolle angekommen ist, dass er anfängt, zu improvisieren." Was man bei der öffentlichen Aufführung unter anderem bei Sascha sehen konnte, der den Little John als aufgeweckten, patenten Galgenvogel verkörperte.

Lob gab es auch von den Eltern der Achtklässler: "Jeder wurde seinem Charakter entsprechend besetzt", zeigte sich Irene Graf begeistert. Ihr Sohn Luca, der Jüngste der Klasse, spielte einen nicht gerade zimperlichen Soldaten. "Die Mädchen und Jungen leben in ihren Rollen."

Besonders gut gefallen hat ihr Justin als genussfreudiger Bruder Tuck in der Mönchskutte. Alles in allem also ein gelungenes Projekt? "Ich bin hin und weg", nickte die Mutter sehr zufrieden. "Das hat mich so gefreut, die Kinder so zu erleben."