,,Das Haus wehrt sich selbst“

Die saarländische Regierungschefin und der Präsident der Handwerkskammer kamen am Montag nach Friedrichsthal. Was auch zu tun hat mit den vielen Einbrüchen hierzulande in Häuser und Wohnungen.

Von außen fast unsichtbar, doch innen: Oho! Nicht leicht aufzuspüren, das Unternehmen Theis Alarmtechnik in Friedrichsthal . Annegret Kramp-Karrenbauer fand gestern dort natürlich hin und mit ihr Bernd Wegner , der Präsident der saarländischen Handwerkskammer (HKW). Mehr als eine Stunde ließen er und die Regierungschefin auf Sommertour sich Zeit, um sich zu faszinierenden Systemen in Überwachungs- und Sicherheitstechnik kundig zu machen. Die Friedrichsthaler Firma ist darauf spezialisiert.

Im Saarland ein ganz großes Thema: die vielen Einbrüche in Haus und Wohnung. Fürs vergangene Jahr listet die Kriminalstatistik 2437 Einbrüche auf, 48 weniger als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote lag bei 13,2 Prozent. Bundesweit stieg die Zahl der Einbrüche auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten, das heißt: alle drei Minuten schlagen Einzeltäter und Banden zu.

Und das bleibt nicht ohne Folgen. Die Bevölkerung hat zunehmend den Eindruck, dass sie selbst etwas tun muss zu ihrem persönlichen Schutz, denn: Wie Firmenchef Norbert Theis im Gespräch mit seinen Gästen aus der Landeshauptstadt erläuterte, ereignen sich 20 Prozent der Einbrücke, wenn die Leute zu Hause sind. Theis: ,,Sie haben Angst um ihr Leben". Im Stakkato und mit reichlich Enthusiasmus erläuterte der gebürtige Bildstocker die Möglichkeiten, sich technisch abzusichern gegen Gangster, die keine Hemmungen mehr kennen. Hausautomation lautet das Stichwort. Da geht es beispielsweise um komplette Rollladen-Steuerprogramme, die das Unternehmen selbst entwickelt hat. Beim geringsten Versuch, gewaltsam einzudringen, machen die Läden rundum dicht. ,,Das Haus wehrt sich selbst", sagt dazu Theis und schickt ein fröhliches Lachen hinterher. Für eine seine Entwicklungen hat er bereits einen Förderpreis für innovatives und kreatives Handwerk gewonnen.

Theis erklärte auch, dass es beim Thema Sicherheitstechnik nicht nur darum gehe, sein Hab und Gut zu schützen, sondern auch darum, als betagter Mensch so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu leben. Wenn etwa die Seniorin, die Bewegungsmelder im Schlafbereich installieren ließ, morgens zur üblichen Zeit nicht aus dem Bett gestiegen ist, setzt sich eine komplexe Armada in Bewegung - bis hin zur Überprüfung, ob mit der Dame des Hauses alles in Ordnung ist. Das funktioniert laut Entwickler Theis auch, wenn mal die Telefonanlage versagen sollte. Funk-, Infrarot- und Mikrowellentechnik - am Ende aller Erläuterungen des Firmenchefs, der sieben Techniker und einen Azubi beschäftigt und nach eigenen Angaben mit Aufträgen voll ausgelastet ist, brummte allen Beteiligten wohl ein bisschen der Schädel.

Und welche Erkenntnisse nimmt die Ministerpräsidentin mit nach Saarbrücken? Zum einen die, dass staatliche Förderprogramme zur Investition in die Haussicherung effektiver und weitaus großzügiger als bisher gestaltet und die Möglichkeiten des Selbstschutzes noch besser kommuniziert werden könnten.

Die Handwerkskammer des Saarlandes wiederum könnte dafür sorgen, dass sich junge Leute für den beruflichen Werdegang hin zum Sicherheitsexperten interessieren. Weil es Fachleute braucht, die beispielsweise wissen, wie sich eine Haustür selbst verriegelt.