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Kräuterwanderung
Auf Schusters Rappen der Kräuterfee folgen

Teilnehmer an der Kräuterwanderung des Kneipp-Vereins.
Teilnehmer an der Kräuterwanderung des Kneipp-Vereins. FOTO: / Thomas Seeber
Friedrichsthal. Der Kneipp-Verein Friedrichsthal hatte zu einer Themenwanderung mit Petra Sämann eingeladen. Von Petra Pabst

Holla die Waldfee hat eine Schwester. Sie heißt Petra die Kräuterfee und wohnt in Friedrichsthal. Als Dozentin und Kursleiterin für Heilpflanzenkunde ist sie unter anderem beim Kneipp-Verein Friedrichsthal tätig. Dieser hatte am vergangenen Samstag bei herrlichstem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen zu einer Themenwanderung mit der Kräuterfee eingeladen. Im Mittelpunkt dieser ersten Wanderung des Jahres sollte am Samstag die Birke stehen.


„Birken waren die ersten Bäume auf unserem Planeten. Sobald keine starken Fröste mehr zu erwarten sind, befördern ihre Stämme Wasser und Nährstoffe von den Wurzeln in der Krone. Die Knospen, Blätter und Triebe der Birke sowie das Birkenwasser, sind vortreffliche Mittel um unseren Körper zu entgiften.“ erklärt die Kursleiterin zu Beginn des Spaziergangs, während sie ein Skript mit vielen wissenswerten Informationen und Rezepten rund um die Birke verteilt. „Fast alle Pflanzenteile wie Wasser, Blätter, Blüten, Knospen, Triebspitzen, Rinde oder Harz haben heilende Wirkung.“ Nun sind alle neugierig darauf, was die Kräuterfee am Morgen vorbereitet hatte und folgen ihr. „Ich habe vor einigen Tagen bereits Birken angebohrt, aber sie gaben noch fast nichts von ihrem Saft ab. Es war wohl noch zu winterlich“ erzählt sie. „Ich bin gespannt, wie es jetzt bei diesem Wetter sein wird.“ Bereits nach wenigen Minuten geht es vom Weg ab einige Schritte in den Wald. An einem kräftigeren Birkenstamm deutet sie am Fuß des Baumes auf einen dünnen Schlauch, der aus dem Stamm in eine Flasche ragt und mit einem Stopfen fixiert ist. Die Flasche ist fast vollständig mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt, das aus dem Baum geleitet in die Flasche tropft. „Die Flüssigkeit dient der Nährstoffversorgung des Baumes und enthält viele wertvolle Vitamine, Enzyme und Spurenelemente“ erklärt Petra Sämann. „Insgesamt gilt Birkenwasser als entzündungshemmend und soll zudem gegen Hautunreinheiten, Blutarmut, Gicht und Rheuma helfen. Der elektrolythaltige Birkensaft ist gut für Haut und Haare, Nieren und Galle und vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit.“

Das dürfen die Teilnehmerinnen direkt testen und erhalten eine Kostprobe des kühlen, erfrischenden Birkenwassers aus der Flasche. Es schmeckt nach frischem klaren Quellwasser. Das kleine Loch am Stamm wird Petra Sämann später wieder mit Holz und Baumharz wieder fachgerecht schließen.

Unter den Teilnehmerinnen ist auch Sandra Becker, Allgemeinmedizinerin aus Neuweiler. Sie interessiert sich vor allem für die heilenden und pflegenden Eigenschaften und Aromen von heimischen Pflanzen. Genau wie die anderen Teilnehmerinnen war sie schon öfter bei den Führungen der Kräuterfee dabei und lässt sich von der Expertin gerne Wissen vermitteln. Gemeinsam geben sie Tipps, wie man Shampoo oder Tinkturen aus Birkenteilen herstellt.

Doch woher weiß die Kräuterfee das alles? „Bereits als Kind lernte ich von meinem Großvater und meinem Vater, dass ich Löwenzahn, Sauerampfer und Schlehen essen kann“, erzählt sie. Später vervollständigte sie ihr Wissen durch intensive Ausbildungen unter anderem an der Kneipp-Akademie in Bad Wörishofen.



Bei ihren Kräuterwanderungen hilft ihr ihre Ausbildung als Arzthelferin, Diabetesassistentin und Ernährungstrainerin, die Fragen vieler Kursteilnehmer zu beantworten. Bei ihren ausgedehnten Spaziergängen hat sie stets im Blick, was da am Wegesrand wächst. Viele Kräuter und Wildfrüchte sind in Vergessenheit geraten. Die Kräuterexpertin hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Wissen wieder zu vermitteln. Auf der weiteren Wanderung finden sich anschließend noch zahlreiche typische Frühlingskräuter wie das Vitamin-C-haltige Scharbockskraut, die schmackhafte Knoblauchsrauke, die eisenbildende Brennnessel oder die frischen nussig schmeckenden Brombeerblättertriebe, die wahre Vitamin-Bomen sind. Auch Huflattich, Giersch oder Bärlauch treiben jetzt aus.

„Die heimischen Kräuter aus dem Wald haben viele Vorteile“, erklärt sie. „Sie wurden beispielsweise nicht gedüngt und enthalten keine Pestizide“, so Sämann und: „Durch gesunde Pflanzen kann man die eigene Gesundheit schützen.“

Am Donnerstag (Gründonnerstag), 29. März, findet von 17 bis 18 Uhr eine weitere Kneipp-Kräuter-Themenwanderung zur Birke statt (kürzere Zeiteinheit). Weitere Infos im Internet.

Petra Sämann beim Anzapfen eines Birkenbaumes.
Petra Sämann beim Anzapfen eines Birkenbaumes. FOTO: / Thomas Seeber