| 21:10 Uhr

Von Anwälten verliehen
Nachträgliche Ehre für Kämpfer

Bei der Verleihung des Querdenker-Preises im Rathaus von Friedrichsthal (von links): Bernd Besch, Roland Theis, Susanne Warken (entfernte Verwandte Warkens), Olaf Jaeger, Alfons Besch und Rolf Schultheis.
Bei der Verleihung des Querdenker-Preises im Rathaus von Friedrichsthal (von links): Bernd Besch, Roland Theis, Susanne Warken (entfernte Verwandte Warkens), Olaf Jaeger, Alfons Besch und Rolf Schultheis. FOTO: Iris Maria Maurer
Friedrichsthal. Der Querdenker-Preis des saarländischen Anwaltsvereins geht an Nikolaus Warken.

Nikolaus Warken starb am 24. August 1920 in Hasborn. Am vorigen Dienstag wurde dem ehemaligen Bergmann der Querdenker-Preis des Saarländischen Anwaltvereins (SAV) verliehen. „Der Preis soll die besondere Bedeutung des Rechts für das menschliche Miteinander hervorheben“, erklärte SAV-Präsident Olaf Jaeger im Rathaus der Stadt, „und er soll die Menschen ehren, die einen großen Beitrag zum Erhalt des Saarlandes, seiner Institutionen und seines gemeinschaftlichen Miteinanders leisten oder geleistet haben“. Dabei habe man vor allem Menschen im Blick, die sich eher nicht hauptberuflich mit der Juristerei beschäftigen.


Nikolaus Warken, genannt Eckstein, war einer der Streikführer beim Arbeitskampf der Bergleute zwischen 1889 und 1893. „Warken hatte schon damals die Idee einer Einheitsgewerkschaft, einer Interessenvertretung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens“, sagte Regina Görner. Die ehemalige Frauen-Ministerin im Kabinett von Ministerpräsident Peter Müller war es auch, die Warken als ersten Preisträger vorgeschlagen hat. „Seine Idee war damals revolutionär und quer gedacht“, so Görner weiter.

Denn, weil die kaiserliche Verwaltung damals Versammlungen unter freiem Himmel verboten hatte, gründeten Warken und seine Mitstreiter den Rechtsschutzverein für die bergmännische Bevölkerung. Für eine Mark und zwei Backsteine konnte man Mitglied werden. Aus dem Baumaterial entstand der Rechtsschutzsaal in Bildstock. Ein Gebäude, das clever das Versammlungsverbot aushebelte. „Der Rechtsschutzsaal war das erste gewerkschaftliche Gebäude im deutschen Reich“, sagte Friedrichsthals Bürgermeister Rolf Schultheis, der gemeinsam mit einer Stiftung für den Erhalt des Gebäudes und der Idee arbeitet, „seine herausragende Bedeutung war lange auch im Saarland nicht bekannt. Mit der Stiftung haben wir viel für die Bekanntheit dieser Wiege der Gewerkschaften tun können“.



Eckstein kämpfte damals für einen Tageslohn von vier Mark, den Acht-Stunden-Arbeitstag und gegen das Einschließen der Arbeiter im Bergwerk. „Damals war es Arbeit 1.0, heute reden wir über 4.0. Die Konfliktlinien sind nicht mehr so brachial, aber sie sind noch da“, sagte DGB-Saar-Chef Eugen Roth, „wenn heute die Geschichte des Bergbaus erzählt wird, vergisst man oft die Montanmitbestimmung. Die Anfänge dieser Errungenschaft mit Auswirkungen auf ganz Europa finden wir in Bildstock.“

Der Preis ist nicht mit finanzieller Zuwendung verbunden. Staatssekretär Roland Theis durfte in Beisein von Warkens Urenkeln Bernd und Alfons Besch eine vom saarländischen Künstler Franz Heiner Beek geschaffene Skulptur an Bürgermeister Schultheis überreichen. „Der Preisträger passt perfekt zur Grundidee des Preises“, so Theis. Nikolaus Warken, der als bescheiden und gottesfürchtig galt, wäre es vielleicht zu viel der Ehre gewesen. Er trat uneigennützig für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse ein und starb verarmt. Der Preis soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden.

(cor)