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Abrissarbeiten sind ins Stocken geraten

Abrissarbeiten sind ins Stocken geraten

Das katholische Vereinshaus in Bildstock geht in die Knie. Unvorhergesehene Ereignisse gilt es nun jedoch zu bewältigen.

In diesem Jahr wäre das katholische Vereinshaus Bildstock 119 Jahre alt geworden. Wer derzeit in der Neunkircher Straße dort vorbeifährt, sieht jedoch nur noch die Überreste seiner Mauern, denn der Abriss ist in vollem Gange. Welche Geschichte(n) das Haus im Wandel der Zeit erlebt hat, kann man leicht erfahren, wenn man alteingesessene Bildstocker befragt. Das Gebäude hat nicht nur zwei Weltkriege überstanden, sondern war über Jahre zu einer Kulturstätte, einem Ort für Begegnungen und einem Treffpunkt für Vereine geworden. Hier wurden fröhliche Feste gefeiert, es gab zahlreiche Aufführungen von Theatergruppen, es waren Fastnachts-, Gesang- und Musikvereine präsent.

1898 von der Familie Sebastian Kühner erbaut, beherbergte das Haus zunächst ein Restaurant mit Hotel, später ein Café und Weinhaus. Auch eine Schnapsbrennerei war in den Räumlichkeiten einst vorhanden. Später wurde es umbenannt und erhielt den Namen "Deutsches Haus".

Bekannt wurde auch das übergroße Wandgemälde, das die Erstürmung des Spicherer Bergs von 1870 zeigte. 1947 wurde das Gebäude schließlich von der Katholischen Kirche unter Führung des damaligen Dechanten Klee erworben und fortan als Vereinshaus genutzt. Während der vordere Teil 1966 abgerissen werden musste, blieb der hintere Gebäudeteil mit dem historischen Saal erhalten und feierte 2013 in aller Stille sein 115-jähriges Bestehen.

Ein trauriges Jubiläum, denn das Gebäude war zu dem Zeitpunkt bereits dem Abriss geweiht. Im November 2013 hatte eine Gruppe Bildstocker Gelegenheit, Abschied vom Vereinshaus zu nehmen und besichtigte es zum letzten Mal. Jeder hatte beim Betreten des Gebäudes seine ganz eigenen Erinnerungen an vergangene Zeiten. Man erzählte sich von Jugend-Discos und Schulaufführungen, Fastnachtssitzungen und Maskenbällen, von Messdienern, der katholischen Jugend und vom Übergang zum Erwachsenalter mit dem ersten Schwips und der ersten Liebe. Jede Ecke des Vereinshauses könnte Geschichten nicht nur von dieser Gruppe erzählen, sondern auch von deren Familien und Großeltern. An diesem Ort haben sich viele Vereine gegründet, die für den Stadtteil und sein Einwohner bis heute wertvolle Arbeit leisten.

So waren es auch die Vereine und ihre Mitglieder, besonders die "Kneisjer vom Hoferkopp", die das Gebäude über Jahre in vielen ehrenamtlichen Stunden und in Eigenleistung aufrecht erhielten und sich um die Erhaltung kümmerten.

2007 teilte der Klerus mit Hinweis auf "die leeren Kirchenkassen" mit, dass ein weiterer Erhalt oder gar eine Sanierung nicht finanzierbar sei und er das Gebäude wegen Baufälligkeit aufgebe. Im Laufe der Jahre sei das Haus zudem aufgrund von Bergbau-Schäden so stark abgesackt, dass eine Neigung von bis zu 45 cm entstanden sei.

Anfang des Jahres 2013 wurde daher der Abriss beschlossen. Dabei hätte das Vereinshaus mit seiner zentralen Lage und der guten Verkehrsanbindung nach Meinung vieler Bildstocker durchaus noch Potenzial für Investoren gehabt. Sie hätten gern für die Bevölkerung ein Kultur- und Seminarzentrum behalten mit vielen Nutzungsmöglichkeiten wie etwa Ausstellungen, Kleinkunst, Seminare, Vorträge und Vereinsveranstaltungen und hofften lange auf einen Geldgeber, der die Begegnungsstätte von einst vor dem Abriss schützen sollte. Doch vergebens. Der Käufer hatte die Verpflichtung, das Haus innerhalb von zwei Jahren abzureißen.

Die Immobilie, die so viele Geschichten erzählen konnte, ist also nun selbst Geschichte. Doch was wird später aus der frei werdenden Fläche? Nach Informationen von Hans Müller vom Immobilien-Kompetenz-Centrum Friedrichsthal ist geplant, an dieser Stelle ein barrierefreies Sechs-Familien-Haus entstehen zu lassen. Zurzeit sind die Abrissarbeiten jedoch ins Stocken geraten, denn wie sich nun im Laufe der Arbeiten herausstellte, teilt sich das Vereinshaus das Grundfundament mit dem Jugendheim, das sich im hinteren Bereich des Hauses anschließt. Da keine Pläne für das recht verschachtelte Haus mehr vorlagen, trat dieses Problem erst jetzt zutage. Das Jugendheim, das noch in Besitz der Kirchengemeinde ist, müsste demnach ebenfalls mit abgerissen werden. Der Verwaltungsrat ist derzeit bemüht, zusammen mit dem neuen Grundbesitzer und der Kirchengemeinde eine Lösung zu finden. Eine Ortsbegehung sollte gestern Abend stattfinden.