| 21:40 Uhr

Ein leidiges Thema im Kommunalparlament
Friedhofsgebühren steigen drastisch an

Wer die Friedhöfe der Gemeinde Quierschied nutzt, muss demnächst mehr zahlen.
Wer die Friedhöfe der Gemeinde Quierschied nutzt, muss demnächst mehr zahlen. FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Seeger
Quierschied. Gemeinderat Quierschied verabschiedet einstimmig die Satzungsänderung. Bürgermeister: „Keine willkürliche Festsetzung“.

Am Montag wurde Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer 53 Jahre alt. Schon letzte Woche „schenkte“ ihm der Gemeinderat die Entlastung für das Haushaltsjahr 2016. Es war der erste Haushalt, den Maurer als Verwaltungschef zu verantworten hatte, auch wenn in den ersten vier Wochen des Jahres noch Vorgängerin Karin Lawall im Amt war. „Es wird praktisch das Amt entlastet, nicht die Person“, erläuterte  Hauptamtsleiter Axel Matheis in der Sitzung.


Das Geschäftsjahr endete mit einem Minus von rund 1,7 Euro - weniger als erwartet, aber für die Freien Wähler mehr als der Gemeinde gut tut. Darum verweigerte die Fraktion die Zustimmung zum Jahresabschluss, erteilte dem Bürgermeister aber einstimmig gemeinsam mit den anderen Parteien die Entlastung. „Die Eigenkapitalbasis verschlechtert sich immer weiter“, sagte Fraktionssprecher Peter Wachs, „die Eigenkapitalquote fällt unter die kritische Marke von zehn Prozent auf 8,73 Prozent. 2010 hatten wir noch ein Eigenkapital von 25 Millionen Euro, heute sind es noch acht Millionen, und auch diese werden laut den mittelfristigen Planungen weiter abschmelzen.“ Man warte auf die Rettung durch das Saarland oder den Bund. Die „desaströse Sitution der Finanzen“ sei auf die Entscheidungen von Maurers Vorgängerin und Vorgängern sowie „der sie tragenden Parteien“ zurückzuführen, meinte Wachs.

Die Ausführungen der Freien Wähler stießen bei den anderen Fraktionen auf Unverständnis. Schließlich ginge es nur um die Feststellung der Richtigkeit des Zahlenwerks, das ja auch von den Wirtschaftsprüfern durchleuchtet und für gut befunden wurde. „Es geht nicht um gut oder schlecht, es geht nur um richtig oder falsch“, sagte Stefan Chadzelek von der CDU. Indes rügte sein SPD-Kollege Stephan Schmidt wie folgt: „Immer Nein-sagen ist keine Antwort. Wir sind froh, dass das Jahresergebnis besser ist als der Ansatz.“

Einstimmig verabschiedet wurde die Änderung der Friedhofgebührensatzung. „Dabei handelt es sich um keine willkürliche Festsetzung der Verwaltung, sondern um die Umsetzung der Vergaben des Landesverwaltungsamtes“, erläuterte Maurer, „die Kosten für die Friedhöfe einer Kommune müssen zu 100 Prozent durch die Einnahmen abgedeckt sein.“ Darum hebt Quierschied ab dem 1. April die Gebühren um im Schnitt 7,6 Prozent an. So kostet beispielsweise ein Reihengrab ab dann 950 Euro (bislang 880 Euro), für eine Urnenkammer mit Platz für zwei Urnen werden 1120 Euro (zuvor 980 Euro) fällig, für eine Bestattung muss man zwischen 150 und 340 Euro  zahlen. Die Nutzung der Leichen-/Trauerhalle kostete bislang 140 Euro, sie wird ab April mit 160 Euro zu Buche schlagen, der Transport der Kränze zum Grab kostet doppelt so viel wie bisher, nämlich jetzt 20 Euro. Ein weiterer unschöner, aber wohl unvermeidlicher Griff in die Taschen der Bürgerinnen und Bürger.

„Gebührenerhöhungen sind nie schön“, sagte Peter Zimmer (CDU). Der Schreiner hat auch beruflich mit Bestattungen zu tun und ist daher Experte. Er sieht im Friedhofswesen auch ein Zukunftsthema. „Der Friedhof ist dem Bauhof zugeordnet, daher sind genaue Personalkosten beispielsweise schwer feststellbar“, so Zimmer,  „außerdem sollte man sich des  Themas auch im Bereich der Interkommunalen Zusammenarbeit einmal annehmen. Friedrichsthal, Sulzbach und Quierschied haben insgesamt neun Friedhöfe. Da gibt es ganz bestimmt Synergieeffekte.“ Und einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen anderen Themenbereichen der Interkommunalen Zusammenarbeit, wie Stephan Schmidt feststellte: „Es gäbe zumindest keine Standort-Diskussionen.“



(cor)