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Gewerkschaft zum Frauentag
Frauen machen 70 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs

Viele Bedienungen in Gaststätten sind weiblich – und meist Teilzeitkräfte. Nach Gewerkschafts-Angaben ist eine Kellnerin in Vollzeit die Ausnahme.
Viele Bedienungen in Gaststätten sind weiblich – und meist Teilzeitkräfte. Nach Gewerkschafts-Angaben ist eine Kellnerin in Vollzeit die Ausnahme. FOTO: Marc Tirl / dpa
Regionalverband. Teilzeit und Niedriglohn – im Regionalverband Saarbrücken ist beides weiblich: 70 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs sind in Frauenhand. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Internationalen Frauentag hingewiesen. Bei den knapp 41 000 Teilzeitstellen im Regionalverband liegt der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 79 Prozent.

Mark Baumeister, Geschäftsführer der NGG Saar, spricht von einer „Karrierefalle“: Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeitverträge stark verbreitet. „Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme“, sagt Baumeister. Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. Das gehe aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach sind für Teilzeitbeschäftigte auch Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener.


„Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer“, kritisiert Baumeister. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Das sei mehr als die 16 Prozent im EU-Durchschnitt. „Es kann nicht sein, dass Paula nur deshalb auf bis zu mehrere Hundert Euro pro Monat verzichten muss, weil sie nicht Paul heißt“, kritisiert Baumeister.

Zwar gebe es für Frauen seit diesem Jahr erstmals einen Rechtsanspruch darauf zu erfahren, was ein männlicher Kollege in ähnlicher Position verdient. Doch das Lohntransparenzgesetz gelte nur in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. „Davon hat kaum eine Köchin oder Bäckereifachverkäuferin im Kleinbetrieb etwas“, bemängelt der Gewerkschafter Baumeister. Hier müsse die künftige Bundesregierung dringend nachbessern.

Sollte die Politik nicht deutlich mehr gegen die Lohnungerechtigkeit unternehmen, dürfte sich nach Einschätzung die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten auch die Altersarmut für Frauen im Regionalverband Saarbrücken verschärfen. „Geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten sorgen für magere Renten. Außerdem tragen Erziehungs- und Pflegezeiten dazu bei, dass nur wenige Rentenpunkte zusammenkommen“, erklärt Baumeister.

In einer aktuellen Studie beziffert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung die „weibliche Rentenlücke“ in den alten Bundesländern auf 42 Prozent. Ein Rentner erhält durchschnittlich 994 Euro im Monat. Eine Rentnerin kommt dagegen nur auf 576 Euro. Baumeister erklärt: „Am Ende ist das auch für den Staat eine teure Sache. Die öffentliche Hand muss dann Armutsrenten durch Grundsicherung im Alter und Zuschüsse fürs Wohnen aufbessern.“



Hinzu kommt: Im Beruf werden nach Beobachtung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten noch immer viele Frauen diskriminiert. In 80 Prozent aller Fälle von sexueller Belästigung von Frauen gehe die Gewalt von einem Mann aus. Dies habe die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in einer aktuellen Studie festgestellt. Positiv wertet die NGG Saar, dass sich immer mehr Frauen gegen Ungerechtigkeiten im Arbeitsleben wehren. Dabei könnten sie auf die Hilfe der Gewerkschaft zählen – per Rechtsschutz lasse sich etwa der „übergriffige“ Kollege abmahnen. Mit Blick auf das 100-jährige Bestehen des Frauenwahlrechts sagt Mark Baumeister: „Nach der rechtlichen Gleichstellung muss auch eine vollständige Gleichbehandlung im Job kommen.“