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Auszeichnung
Frauen-Genossenschaft ehrt Sulzbacherin Marlies Krämer

Marlies Krämer will, dass die Sprache den Frauen gerecht wird. Das brachte ihr jetzt eine Auszeichnung in Berlin ein. 
Marlies Krämer will, dass die Sprache den Frauen gerecht wird. Das brachte ihr jetzt eine Auszeichnung in Berlin ein.  FOTO: dpa / Oliver Dietze
Regionalverband. Marlies Krämer ist bei der Generalversammlung der Frauengenossenschaft WeiberWirtschaft eG am 9. Juni wegen ihres Engagements für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der Sprache mit der Patinnenschaft für einen Raum geehrt worden.

Krämer strengte ein Verfahren gegen ihre Sparkasse an, damit sie neben dem „Kontoinhaber“ oder „Empfänger“ künftig auch die „Kontoinhaberin“ oder „Empfängerin“ in ihren Formularen vorsieht. Sie unterlag im Frühjahr vor dem Bundesgerichtshof, erreichte aber, dass die geschlechtergerechte Sprache seither auf vielen Ebenen diskutiert wird.


Am Telefon der Versammlung zugeschaltet, sagte Marlies Krämer: „Sprache ist Ausdruck von Denken, Fühlen, Reden, Tun und Handeln. Sie ist unser wichtigstes Integrationsmittel und unser höchstes Kulturgut. Aber wir Frauen kommen in unserer Muttersprache gar nicht vor, als gäbe es uns gar nicht, obwohl wir mit 52 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung darstellen. Sprache beeinflusst unser Denken und bestimmt folglich auch unser Handeln. So, wie wir Frauen in der Sprache vorkommen, werden wir auch beachtet und behandelt, nämlich gar nicht. Durch die sprachliche Ausgrenzung werden wir diskriminiert und erleiden dadurch eine gesellschaftlich viel geringere Wertschätzung als Männer, die immer präsent sind, während wir Frauen unserer sprachlichen Existenz ständig beraubt werden.“

Die Genossenschaft beobachtet dieses Phänomen auch in der Wirtschaftsförderung. Die sei keineswegs geschlechterneutral, sondern bevorzuge die Gründungen von Männern sprachlich und auch inhaltlich. Sie fordert deshalb eine Neujustierung der Förderinstrumente, um Chancengleichheit herzustellen.



Die Genossenschaft WeiberWirtschaft ist ihren Angaben zufolge das größte Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum Europas. Ihren Mitgliedern bietet sie Büros, Werkstätten und Ladengeschäfte in ihrem Gewerbehof in Berlin-Mitte an. Die Genossenschaft kaufte die Fläche bis Mitte der 90er Jahre mit einem Investitionsvolumen von 18,6 Mio Euro und sanierte sie.

Auf den 7100 Quadratmetern sind heute rund 60 Unternehmen. Zur Infrastruktur gehören eine Kita, Konferenzräume und Gastronomie, zu den angesiedelten Organisationen die „Gründerinnenzentrale“ mit Orientierungs- und Vernetzungsangeboten und der Verein „Goldrausch“ mit seinen Mikrokrediten.

Unter dem Slogan „WeiberWirtschaft freikaufen!“ strebt die Genossenschaft ihre Entschuldung an. Jede Fläche, die rechnerisch „schuldenfrei“ ist, ist einer prominenten Frau gewidmet. Marlies Krämer ist die 33. Namenspatin. Zuvor hat die Genossenschaft bereits Frauen wie Lida Gustava Heymann, Ada Lovelace oder Lotte Reiniger geehrt.