Fraktionen im Landtag des Saarlandes diskutieren über Frankreichstrategie

Kostenpflichtiger Inhalt: Fraktionen im Landtag : Zurückrudern in der Frankreichstrategie

Nachdem Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) die Zweisprachigkeit infrage stellte, ziehen die Landtags-Fraktionen nach.

Nachdem Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) im SZ-Interview die in der Frankreichstrategie des Saarlandes als Ziel gesetzte Zweisprachigkeit infrage stellte, erhält sie nun Rückenwind von ihren SPD-Kollegen, der Links-Fraktion sowie den Abgeordneten der AfD.

„Ich bin da auch sehr skeptisch“, sagt SPD-Abgeordnete Petra Berg. Um Zweisprachigkeit zu fördern, bedürfe es weitaus stärkerer Maßnahmen, wie mehr qualifiziertem Personal in Kitas und Schulen. Nichtsdestotrotz hält Berg es für sinnvoll, die Frankreichstrategie des Saarlandes weiterzuverfolgen. „Alleine schon aufgrund der Arbeitsmarktlage.“

Eine Zweisprachigkeit innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens bis 2043 erreichen zu wollen, kritisieren die Saar-Linken schon länger. Umso mehr freue man sich, dass die neue Bildungsministerin zur „Realität zurückgefunden hat“, sagt Jochen Flackus, parlamentarischer Geschäftsführer. Seine Fraktion unterstütze zwar das Ziel der Zweisprachigkeit, aber nicht unter der vorgegebenen Art und Weise. Außerdem müsse dem hohen Stellenwert der englischen Sprache Rechnung getragen werden. „Wenn wir über die internationale Schule reden, die jetzt eingerichtet werden soll, wird dort Französisch sicherlich nicht die Hauptsprache sein“, sagt Flackus. Seit 2014 sei kein Fortschritt erkennbar, kritisierte Josef Dörr, AfD-Fraktionschef. „Nur auszurufen reicht da nicht aus.“

„Wir sind optimistisch, dass wir die gesteckten Ziele erreichen können“, schreibt hingegen Frank Wagner, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, in einer Stellungnahme. Mehrsprachigkeit sei ein Standortfaktor des Saarlandes. Auch Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) halte an der Strategie fest. Eine mehrsprachige Region sei eine Frage der Prioritätensetzung, sagt Roland Theis (CDU), Justiz-Staatssekretär. Er erhoffe sich mehr Engagement von Streichert-Clivot. „Bevor man beispielsweise herkunftssprachlichen Unterricht in allen möglichen Sprachen anbietet, würde ich eine klarere und mit mehr Lehrerstellen hinterlegte Priorität für Französisch und Englisch setzen.“ Andere Ressorts der Regierung gingen mit gutem Beispiel voran: „Unser frankophones Angebot für französische Unternehmen am Landgericht, die Kooperationen mit Frankreich in Forschung und Technologietransfer in der künstlichen Intelligenz sowie unser neues gemeinsames Büro mit unserer Partnerregion Grand Est in Paris“, sagt Theis.

Philipp Krämer, Sprachwissenschaftler aus Homburg, findet Streichert-Clivots Aussage irreführend. „Es gibt keinen festgelegten Punkt, an dem Mehrsprachigkeit als ‚erreicht‘ gelten kann.“ Ob das Ziel „realistisch oder vollendet ist“, lasse sich nicht überprüfen. Er fordert, die Saarländer mehr an der Gestaltung der Frankreichstrategie zu beteiligen.

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