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Filmnachwuchs: Filmschaffende ließen tief blicken

Filmnachwuchs : Filmschaffende ließen tief blicken

Wer einen Film macht, muss einen langen Atem haben. Das zeigte sich in der Nauwieser Neunzehn in Saarbrücken. Dort verrieten vier junge saarländische Filmemacher, an welchen Projekten sie gerade arbeiten.

Lydia Kaminski begeisterte im Vorjahr mit ihrem Dokumentarfilm „Römerkastell – Saarbrücken ist nicht Berlin“ das Saarbrücker Publikum. Das Filmhaus war damals bei der Premiere so voll, dass eine zweite Vorstellung angesetzt werden musste.

Inzwischen arbeitet die frischgebackene Förderpreisträgerin der Stadt Saarbrücken längst an ihrem nächsten Streich. Einen Dokumentarfilm über den Langwellensender Europe 1 in Berus/Überherrn will sie machen, erklärte die Merzigerin am Wochenende in der Nauwieser Neunzehn.

Das saarländische Filmbüro hatte junge Filmschaffende eingeladen, ihre aktuellen Filmprojekte vorzustellen, um sich so mit Kollegen auszutauschen und Filmfans einen Ausblick darauf zu geben, was sie bei der „Filmschau Großregion“ im kommenden Jahr erwartet. Ob Kaminskis Film bis dahin aber schon fertig sein wird? „Ich stehe noch ganz am Anfang“, sagte die 36-Jährige, konnte aber schon Filmmaterial, das sie über die Sendehalle gedreht und zu einem Teaser zusammengestellt hatte, zeigen. „Für mich ist es immer wichtig, da zu sein und zu spüren, wie sich ein Ort anfühlt, nicht nur für mich, auch für die ganze Umgebung“, erklärte sie dazu.

Fasziniert ist sie nicht nur von der besonderen Architektur dieser denkmalgeschützten Sendehalle, auch von ihrer besonderen Geschichte und der Radiotechnik. Die Techniker, die dort früher arbeiteten und noch immer davon schwärmen, hat sie bereits vor der Kamera interviewt. Mit Radiotheorie, mit der Umstellung von analoger auf digitale Radiotechnik und den Auswirkungen auf die Hörgewohnheiten will sie sich auch noch beschäftigen und weitere Experten befragen. „Ich merke, dass es ganz andere Methoden benötigt, als bei meinem ersten Film Römerkastell“, berichtet Kaminski, die bisher für ihr Projekt erst eine kleine Filmförderung für die Stoffentwicklung bekommen hat.

Mithilfe von Crowdfunding wiederum hat Walter Schmuck sein Projekt „Die Reise des jungen Don – Diarius des Don Quixote“ angefangen. Mit Smartphone, Super-8-Kamera und einer Spiegelreflex als Ausrüstung ist der Schauspieler, der seit zwei Jahren der Liebe wegen in Saarbrücken lebt, zum Drehen nach Peru gereist. Sein Vater, erzählt der 34-jährige Schmuck, lebte dort, als er so alt war wie heute er. Seit 30 Jahren treibe den Vater die Frage um, wieso sein bester Freund Bernie damals in Peru erschossen wurde. Das wollte Sohn Walter nun aufklären.

Was als kriminalistische Geschichte begann, sei dann eine über Leben selbst geworden, erklärt er. Nach dem Dreh steht dem Filmanfänger nun eine lange Phase der Postproduktion bevor. Das Tagebuch, das er während der Peru-Reise führte, sowie Briefe an seine Frau im Saarland will Schmuck als Voice-over für für seinen „autobiografischen Dokumentarfilm in Spielfilmlänge“ einsprechen.

Leonard Koch, Media-Art-Design-Student an der Saarbrücker Kunsthochschule, fand in der Sparte Vier, wo er als Theker jobbt, den Stoff für seinen Film, mit dem er sein Diplom machen will. Mit der Kamera hat er den gesamten Probenprozess des Theaterstücks „Philip Lahm“ begleitet. Erst danach, als er vor einem riesigen Berg von Bildmaterial stand, habe er die Idee entwickelt, daraus einen Film zum Thema wie man als Regisseur und als Schauspieler arbeitet, zu kreieren, erzählt Koch. Dafür will er jetzt noch Autor und Regisseur Thorsten Köhler und Schauspieler Thorsten Loeb interviewen. „Die sollen dann aus dem Nähkästchen erzählen“, sagt Leonard Koch.

Einen Spielfilm bereitet HBK-Saar-Absolvent Dominik Cermann vor, den Produzent Phil Christen, weil Cermann auf Reisen ist, vorstellte. „Liebe ist das nicht“ soll von Andreas und Petra erzählen, die beide manisch depressiv sind und eine gemeinsame Tochter haben. Die Geschichte habe ein reales Vorbild, Cermann, der sich in der Phase der Stoffentwicklung befinde, habe für die Recherche auch Fachzentren für depressive Störungen kontaktiert, erzählt Christen. Er sei sehr daran interessiert, dass ein Film diese Krankheit, unter der jeder fünfte Mensch leide, stärker in die öffentliche Debatte bringe. Derzeit suche Cermann Sponsoren, nächstes Jahr wolle er das Drehbuch schreiben. Bis zur „Geburt“ eines Films braucht man einen langen Atem.