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Film über „Colonia Dignidad“ eröffnet das Latino Filmfestival in Saarbrücken

Kultur : Film über „Colonia Dignidad“ eröffnet das Latino Festival

Für einen Kinderfilm könnte man die Stop-Motion-Animationen im Film „la casa lobo“ einen kurzen Moment lang halten. Schnell merken die Zuschauer aber, dass die Geschichte von einem grausigen Ereignis erzählt.

Am Donnerstagabend eröffnete im Filmhaus das neunte Latino Filmfestival. Noch bis zum 21. November kann man dort die unterschiedlichsten Lateinamerikanischen Filme ansehen. Die Fachrichtung Romanistik von Janett Reinstädler, das Filmhaus und das Kulturamt Saarbrücken arbeiteten zusammen bei der Organisation und Auswahl der Filme.

In „la casa lobo“ (das Wolfshaus) wird ein Teil der deutsch-chilenischen Geschichte aufgearbeitet. Was an ein klassisches Märchen erinnert, sind harte, historische Fakten. Es geht um die von einem Deutschen gegründete „Colonia Dignidad“ (Kolonie Würde), in der eine christliche Sekte von Deutschen andere Menschen grausam misshandelte und ausbeutete.

Zwangsarbeit, Folter und sexueller Missbrauch gehören zu den Straftaten, die noch heute aufgearbeitet werden müssen. Der Film beginnt mit idyllischen Archivaufnahmen, denen die Haupthandlung gegenübergestellt wird. Mithilfe der Stop-Motion-Technik (viele einzelne Bilder schnell hintereinander geschnitten) tänzeln Bilder über die Wände, tauchen Möbel auf und verschwinden, dehnen sich Zimmer aus und schrumpfen. Lampen flackern, Wesen wachsen aus dem Boden wie Bäume.

Maria, die Protagonistin verliert ihre feste Gestalt. Es scheint, als wolle selbst das Haus, das um sie her bebt, etwas loswerden, eine Geschichte oder Warnung. Der preisgekrönte Film vermittelt eine skurrile Atmosphäre, die den Zuschauer noch lange nach dem Film beschäftigt.

Die Chilenen Cristóbal León und Joaquín Cociña arbeiteten über fünf Jahre an dem Film und schufen eine faszinierende Bildsprache für Grenzen des Erlebens, für Gefühle und Wahrnehmungen, Träume und Traumata. Die besondere Wirkung des Films entsteht durch seine phantastische, traumhafte Ästhetik.

„Beim Festival kann man Lateinamerika kennenlernen. Man erfährt eine andere Realität und eine spezielle Perspektive“, erklärt Roberto Cortes, einer der Organisatoren. Es sei keineswegs ein Festival, dass er nur Lateinamerikanern empfehlen würde. Es werden Geschichten erzählt und Bilder gezeigt, die einen Kontinent von unterschiedlichen Seiten präsentieren.

Das Besondere des Festivals sei die Vielseitigkeit der Beiträge. Nicht nur Filme aus insgesamt zehn unterschiedlichen Ländern seien zu sehen, sondern auch verschiedene Genres von Stop-Motion und Zeichentrick über Spielfilm und Thriller bis hin zu Dokumentation und Roadmovie.

Die meisten der Filme liefen noch nie in Deutschland und werden im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Der Eintritt kostet jeweils 5,50 Euro.

www.filmhaus-saarbruecken.de