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Schüler-Film
Film von der Bellevue läuft in New York

Julian Wurm (17), Hagjer Dervishi (18), Simon Grasbon (17), Jana Steffens (17) und Jason Kakeldey (17) (von links) spielten im Video mit. Auf dem Ständer ist die 360-Grad-Kamera zu sehen. Julian trägt eine VR-Brille.
Julian Wurm (17), Hagjer Dervishi (18), Simon Grasbon (17), Jana Steffens (17) und Jason Kakeldey (17) (von links) spielten im Video mit. Auf dem Ständer ist die 360-Grad-Kamera zu sehen. Julian trägt eine VR-Brille. FOTO: Tobias Ebelshäuser / Tobias Ebelshaeuser
Saarbrücken. Gemeinschaftsschüler überzeugen mit Einsatz für eine bessere Welt die Vereinten Nationen – und Außenminister Maas. Von Tobias Ebelshäuser

„Das ist schon krass“, sagt der 17-jährige Hagjer Dervishi. „Saarbrücken kennt man ja nicht überall. Vor allem nicht in New York.“ Damit mag Hagjer schon Recht haben; trotzdem dürfte die Zahl derer, die in New York schon mal was aus Saarbrücken erfahren haben, gewachsen sein. Genau genommen hat die Gemeinschaftsschule Bellevue ihren Bekanntheitsgrad in der Weltstadt gerade beträchtlich erhöht. Denn in New York wurde kürzlich im Hauptquartier der Vereinten Nationen (UN) und während der UN-Generalversammlung ein von Saarbrücker Schülern produziertes 360-Grad-Video gezeigt. Regie, Drehbuch und Rollen übernahmen die Oberstufenschüler selbst.


Torsten Becker, Lehrer für Geschichte und Religion, ist an der Gemeinschaftsschule für Digitalisierung zuständig. Seine Schauspieler hat er in einem Aufenthaltsraum für Oberstufenschüler versammelt. Er zeigt einen Brief von Außenminister Heiko Maas. Einige Tage zuvor hat der Politiker eines der Schülervideos samt Grußwort auf seiner Facebook-Seite geteilt. Er wollte den jungen Leuten aber noch einmal mitteilen, wie begeistert er von deren Erfolg war.

Das Video hat sich schließlich gegen Konkurrenz aus der ganzen Welt durchgesetzt und es in die Auswahl-Wiedergabeliste der UN geschafft. Zwei Videos hatten die Schüler produziert während des Projekts „My World 360°“, einer Aktion der Vereinten Nationen und der Nichtregierungsorganisation Digital Promise.



Ziel war es, auf die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN aufmerksam zu machen. Es geht nicht nur um Umweltschutz, sondern um eine insgesamt nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft, etwa durch verringerte Ungleichheit, körperliche und geistige Gesundheit sowie angemessene Arbeitsbedingungen für alle.

Welche Nachhaltigkeitsziele in Angriff genommen werden sollten, das überließ Torsten Becker den Schülern. Vier Wochen lang entwickelten sie Ideen und verarbeiteten sie in Videos. Der erste Film prangert genau die Arbeitsbedingungen in der industrialisierten Welt an, zeigt, wie schlecht diese vielerorts noch sein können und wie einfach das Individuum zu ersetzen ist.

Durchgesetzt hat sich jedoch das Video „The Influencer“, benannt nach dem englischen Wort für eine berühmte Persönlichkeit in den sozialen Medien. Das Video zeigt, wie jemand im Internet an Ruhm und Ansehen gewinnt. Menschen strömen zu ihm hin, schenken ihm ihre gesamte Aufmerksamkeit. Gleichzeitig verliert jedoch ein anderer „Influencer“ die Aufmerksamkeit dieser Menschen. Im Video ist zu erkennen, wie er oder sie sich nicht mehr wichtig fühlt und darunter leidet – geistig und körperlich.

Dabei ist das, was in dem Video geschieht, nicht immer auf Anhieb zu erkennen. Das Besondere an einem 360-Grad Video ist nämlich, dass der Betrachter die Perspektive selbst wählt, die Kamera zeichnet den ganzen Raum auf.

Mit einer speziellen Brille kann man sich sogar selbst in diesen Raum hineinversetzen. Auf den ersten Blick sind es nur Personen, die dort umherwandern. Auf den zweiten oder dritten Blick erkennt man dann die Botschaft dahinter.

Die Schüler selbst tragen dabei in den Videos allesamt Masken. Der Einzelne ist nicht zu erkennen. Das hat zum einen den Vorteil, dass die Lehrer sich nicht so viel den Kopf zerbrechen mussten über den Datenschutz, sagt Torsten Becker. Aber auch zur Botschaft der Videos trägt die Masken-Idee bei: Hinter der Maske könnte jeder stecken. Egal welches Alter, egal welche Nationalität, egal welche Hautfarbe die Mitwirkenden haben: Die Videos zeigen, dass in der Gesellschaft der Einzelne, das Individuum keine große Rolle mehr spielt, auch wenn jeder an den Nachhaltigkeitszielen mitarbeiten müsste.

Und selbst wenn Nachhaltigkeit nicht nur mit dem Umweltschutz zu tun hat, so ist er doch ein enormer Bestandteil davon. „Denn wenn das Klima sich verändert, es überall wärmer wird, es in manchen Ländern nicht mehr genug Wasser zum Überleben geben wird, dann werden diese Menschen fliehen, es wird Konflikte geben“, sagt der 17-jährige Jason Kakeldey. „Das hängt alles zusammen.“ Gerade deshalb werde es für junge Erwachsene immer wichtiger, sich Gedanken über diese Themen zu machen, sagt sein Mitschüler Hagjer Dervishi. „Man will ja schließlich für seine Kinder irgendwann noch eine schöne Welt haben“, sagt er.

Das Video können die Leser sich im Internet anschauen.